Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Göttingen Restaurant „Havana“ zu, Testzentrum auf: Darum hat ein Gastronom sich zu dem Schritt entschlossen
Die Region Göttingen

„Havana“ in Göttingen: Restaurant zu, Testzentrum auf

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 11.01.2022
Das „Havana“ ist seit Anfang Dezember geschlossen. Inhaber Peter Goldmann (Foto) hat stattdessen davor in einem Van ein Testzentrum eröffnet
Das „Havana“ ist seit Anfang Dezember geschlossen. Inhaber Peter Goldmann (Foto) hat stattdessen davor in einem Van ein Testzentrum eröffnet Quelle: Niklas Richter
Anzeige
Göttingen

Wo sich früher Gäste ihren Weg in freudiger Erwartung auf einen Drink oder eine Mahlzeit nach drinnen bahnten, stehen nun Menschen für ein Stäbchen in der Nase an. Der Gastronom Peter Goldmann hat sein Restaurant und Cocktail-Bar „Havana“ an der Geismar Landstraße Anfang Dezember vorübergehend dichtgemacht – und kurze Zeit später davor in einem Van das „Testzentrum Südstadt“ eröffnet. Hier berichtet er, wieso das für ihn gerade die bessere Alternative ist.

Der Nächste, bitte: Durch die Öffnung an der Seite des umgebauten Lieferwagens bittet einer der beiden Mitarbeiter die Kundin nach vorne. Wer sich vorher online registriert hat, braucht nur einen QR-Code vorzeigen, ein Termin ist nicht nötig. Von einem Freund habe er sich den Camper-Van, einen umgebauten Lieferwagen, ausgeliehen und ihn kurzerhand zum Corona-Testzentrum umgerüstet, erzählt Goldmann. Ein Tisch, ein paar Schränke, und aus dem Urlaubsrefugium wird ein kleines Labor.

Der Van war eigentlich für Urlaube gedacht, nun hat Peter Goldmann ihn zum Testzentrum umfunktioniert. Quelle: Niklas Richter

„Wir waren jeden Tag voll“

Im Gastraum des „Havana“ herrscht freie Tischwahl, als Goldmann zum Gespräch hinein bittet. Vom regen Treiben an langen Nächten ist nur noch ein diffuser Zigarettengeruch in der Luft geblieben. Seit dem 4. Dezember ist der Laden geschlossen. „Es macht gerade keinen Sinn, zu öffnen“, sagt Goldmann. Im November trudelten Tag für Tag neue Absagen rein, vor allem für Weihnachtsfeiern. Dabei hätten er und sein Team unter normalen Umständen jede Menge zu tun gehabt in der Adventszeit. „Wir waren eigentlich jeden Tag ausgebucht.“ Die steigenden Inzidenzen und schärfere Regeln ließen zahlreiche Firmen ihre Weihnachtsfeiern jedoch absagen.

Goldmann, seit 30 Jahren als Gastronom selbstständig, entschied: So geht das nicht weiter. Als Ende November 2G plus in Restaurants kam, seien die Gäste zwar entspannter gewesen und hätten sich über die peniblen Kontrollen vor Ort gefreut, erzählt er – „zumindest die paar, die kamen“. Verunsichert vom Regel-Hin-und-Her seien die Besucher gewesen. Während die Köche des „Havana“ die letzten Vorräte aufbrauchten, um keine Lebensmittel wegwerfen zu müssen, bereitete Goldmann bereits eine Alternative vor: das Testzentrum. „Ich wollte für meine Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz sichern.“ Das Testzentrum als Notnagel.

Um 6.30 Uhr geht es morgens los

Bewerbung beim Göttinger Gesundheitsamt, Hygienekonzept, Mitarbeiter-Schulung, schließlich die Beauftragung der Stadt – innerhalb von zwei Wochen stand das „Testzentrum Südstadt“ und öffnete am 15. Dezember. In den ersten Tagen testeten Goldmann und zwei Mitarbeiter noch im hinteren Gastraum, draußen im Biergarten warteten die Testwilligen. Dann zog das Testzentrum um in den Van, der von Weitem sichtbar direkt vor dem Lokal steht. „Der Standort ist besser“, resümiert Goldmann.

Vor allem Menschen aus der Nachbarschaft kommen zum „Testzentrum Südstadt“. Quelle: Niklas Richter

Nur das frühe Aufstehen sei er nicht gewohnt, gibt der Gastronom lachend zu: Öffnete er sein Restaurant um 17 Uhr, nehmen er und sein Team nun an Wochentagen ab 6.30 Uhr Corona-Abstriche. Doch der frühe Start lohnt sich. Viele kommen, um sich aufgrund der 3G-Regelung noch vor der Arbeit die Testbescheinigung abzuholen. Und Goldmann lobt die vielen jungen Leute, die sich bei ihm tagsüber testen lassen, für ihr Verantwortungsbewusstsein.

Kekse und Kaffee für das Testzentrum

Seit Montag entnehmen Minijobber, die zuvor im Restaurant die Gäste bedient haben, die Proben. Zuvor lief das mobile Testzentrum als erst einmal als „Testballon“, wie es Goldmann nennt. „Wir wollten schauen, ob das funktioniert“, sagt der Inhaber. Er findet: Das tut es. Besonders über die Feiertage war viel los, danach etwas weniger. Aktuell steige die Zahl der durchgeführten Tests wieder, sagt Goldmann, mittlerweile gebe es einige Stammgäste. Auch in der Nachbarschaft komme das Testzentrum gut an, berichtet er. Kekse, Kaffee, Tee brachten ältere Damen vorbei – schließlich könne es im Van trotz Heizung schnell ungemütlich werden.

Goldmann ist es wichtig, seinen Mitarbeitern eine Perspektive bieten zu können. Er habe sie von der Idee nicht groß überzeugen müssen, sagt er. Ohne das Testzentrum hätte er seine Minijobber kündigen müssen, solange das Restaurant zu ist. Allerdings: Seine festangestellten Köche sind gerade in Kurzarbeit. Für sie ist die Arbeit im Testzentrum nichts, sei man sich schnell einig gewesen. So bald werden sie nicht wieder am Herd stehen. Goldmann hatte ursprünglich geplant, das „Havana“ um Ostern herum wieder zu öffnen. Zurzeit steht hinter diesem Termin allerdings ein großes Fragezeichen. Fest steht für ihn immerhin: Der Test-Van bleibt mindestens bis Ende Mai offen, wahrscheinlich später an einem anderen Standort. Hierfür habe es bereits Gespräche mit der Stadt gegeben, sagt Goldmann. Aufgeben will er so schnell nicht.

Von Elena Everding