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Göttingen Heisebecker Spinnstubentreff führt ins Standesamt
Die Region Göttingen Heisebecker Spinnstubentreff führt ins Standesamt
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18:57 13.10.2009
Rosenterrasse in Barterode: Elisabeth und Reinhold Seeger feiern ihren 60. Hochzeitstag.
Rosenterrasse in Barterode: Elisabeth und Reinhold Seeger feiern ihren 60. Hochzeitstag. Quelle: Hinzmann
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Zur großen Familie gehören neben Sohn und Tocher auch drei Enkelinnen, zwei Urenkel und eine Urenkelin. Fast alle wohnen in Barterode. „Fast jedes Wochenende kommen alle zum Kaffeetrinken“, erzählt die 79-Jährige. Die Seegers erfreuen sich am Garten, „auch wenn es nicht mehr so geht“. Eigene Tomaten gibt es immer.

Reinhold Seeger ist gebürtiger Barteröder. Seine Jugend verbrachte er aber in Heisebeck. Seine Familie zog 1945 zum Großvater nach Heisebeck. Sein Vater war vermisst und kam erst später aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Zwei seiner Brüder waren gefallen. „Von Heisebeck bin ich zu Fuß nach Offensen, von dort mit dem Zug nach Lenglern und weiter mit dem Rad nach Elliehausen“, erinnert sich der heute 79-Jährige an seine Ausbildungszeit. Der Elektriker arbeitete bis zu seinem Ruhestand 1990 im selben Betrieb in Elliehausen.

„Eine große Gemeinschaft“

In Heisebeck lernten sich die Jubilare auch kennen – „in der Spinnstube“. In den sogenannten Spinnstuben wurde nicht Wolle gesponnen, sondern die Jugendlichen aus dem Dorf trafen sich reihum zum Erzählen, Singen und Spielen – egal, ob Vertriebene oder Einheimische. „Die Jugend hat zusammengehalten, wir waren eine große Gemeinschaft“, erzählt Elisabeth Seeger. „Die Eltern haben schon Unterschiede gemacht.“

Die Sudetendeutsche stammt aus Grün, einem Dorf im Egerland bei Marienbad. 1946 bekamen die Dorfbewohner drei Tage Zeit, die Heimat zu verlassen. „Wir haben die Kühe mit ins Lager nach Tepel getrieben.“ Ihre Familie landete in Karlshafen und wurde Heisebeck zugeteilt. 1946 wurde geheiratet. Ihre Schwester besorgte Stoff, aus dem eine Schneiderin ein Hochzeitskleid nähte. „Es waren schlechte Zeiten, aber es ging jedem so.“ Elisabeth Seeger arbeitete erst bei einem Bauern und später in Göttingen, bis 1990 in einer Druckerei.

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