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Göttingen Herkulesstaude – giftig, invasiv und unerwünscht
Die Region Göttingen Herkulesstaude – giftig, invasiv und unerwünscht
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12:03 22.06.2018
Erkennungsmerkmale der Herkulesstaude: Riesenwuchs, gezackte Blätter, große Dolde und fleckiger Stängel. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Seit 14 Tagen sind die Mitarbeiter des Leineverbands und des städtischen Grünflächenamts in Göttingen und Umgebung unterwegs – ihre Aufgabe: Bekämpfung des Riesen-Bärenklau, auch als Herkulesstaude bekannt. Sie sind zuständig für die Unterhaltung von 650 Kilometern Gewässerläufen zwischen den Landesgrenzen Thüringen/Hessen und dem Südbereich der Region Hannover. Aber vor allem im Süden dieses Gebietes sei die Giftpflanze großflächig verbreitet, erklärt der stellvertretende Reinhard Nieke.

Bei der Bekämpfung gilt es vor der Blüte im Frühsommer gegen die Pflanzen vorzugehen. Denn wenn sich eine Dolde erst einmal geöffnet hat, setzt sie viele Tausend Samen frei. Diese sind nicht nur mehrere Jahre überlebensfähig, sind können auch schwimmen und verbreiten sich daher vor allem entlang von Gewässern und Überschwemmungsgebieten, aber auch durch Verwirbelungen an Straßen oder Bahngleisen.

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Phototoxische Furocumarine

Aber es ist eine andere Eigenschaft dieser Pflanze, die Experten jedes Jahr wieder zur Vorsicht mahnen lässt. Der Saft des Riesenbärenklaus enthält phototoxisch wirkende Furocumarine. Der Hautkontakt verursacht Hautentzündungen mit Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und Blasenbildung. „Die Veränderungen können wie Verbrennungen ersten und zweiten Grades aussehen. Schon die Dämpfe können die Gesundheit beeinträchtigen und beispielsweise Übelkeit verursachen“, warnt das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Laut Nieke sollte man diese Warnung nicht auf die leichte Schulter nehmen: „Uns sind durchaus Fälle von erheblichen Verbrennungen bekannt.“ Auch selbst einer seiner Mitarbeiter habe sich trotz Schutzkleidung während der Arbeit durch den Riesen-Bärenklau bereits Verletzungen zugezogen. Daher wird empfohlen, den Kontakt zu den Pflanzen dringend zu vermeiden. Wer im heimischen Garten eine Pflanze entfernen will, sollte dabei unbedingt Overall, kräftiges Schuhwerk, Handschuhe mit Stulpen, Schutzbrille und gegebenenfalls einen Gesichtsschutz tragen.

In der Landwirtschaft spiele der Riesen-Bärenklau hingegen kaum ein Rolle, erklärt Dirk M. Wolber vom Pflanzenschutzamt. Auf bewirtschafteten Ackerflächen finde die Pflanze durch die regelmäßige Bearbeitung des Bodens und Schnittmaßnahmen keine guten Voraussetzungen. Im Grünland könne sie vorkommen, und dürfe nicht verfüttert werden. Weidetiere meiden den Riesen-Bärenklau allerdings, so Wolber. Komme es dennoch zum Kontakt, zeigt die Pflanze auch bei Tiere ihre toxische Wirkung.

Einsatz von Herbizid

Als effektive Maßnahme empfiehlt die Landwirtschaftskammer das Abstechen der bis zu 60 Zentimeter tiefen Pfahlwurzel. Die Profis vom Leineverband oder vom städtischen Grünflächenamt setzen auf Flächen mit starkem Besuchs hingegen seit Jahren auf das Herbizid „Garlon 4“. Im April 2014 war die Ausbreitung der Pflanze in öffentlichen und privaten Bereichen so weit fortgeschritten, dass der Göttinger Umweltausschuss dem langfristigen Einsatz zustimmte. Mittlerweile sei es gelungen, die Ausbreitung einzudämmen, so Nieke. Auch die Bestände im Stadtgebiet seien inzwischen rückgängig. Viele Standorte müssten nicht mehr behandelt werden, teilt Verwaltungssprecher Dominik Kimyon mit.

„Eine gesetzliche Verpflichtung zur Bekämpfung gibt es aber nicht“, so Kimyon. Und auch keine Meldepflicht, ergänzt Landkreissprecherin Andrea Riedel-Elsner. Die Beseitigung im Öffentlichen Raum dient der Gefahrenabwehr, auf privatem Grund aber liegt die Entscheidung zur Beseitigung des Riesen-Bärenklau beim Eigentümer. Wer sich dabei Beratung holen möchte, kann sich in der Stadt an die Mitarbeiter im Fachdienst Grünflächen und im Landkreis an die jeweiligen Regionalbeauftragten für Naturschutz wenden, die auf der Seite des Landkreises abrufbar sind.

Gegenmaßnahmen und Schutz

Wer einzelne Herkulesstauden entfernen will, sollte sie nach dem Austrieb im Frühsommer oder als Jungpflanze im Herbst ausgraben. Ausgegrabene Pflanzen auf einer Folie in der Sonne vertrocknen lassen. Nachkontrolle der Fundstelle im laufenden Jahr und in den Folgejahren. Sollte es bereits zur Blüte der Pflanze gekommen sein, muss die Blüte laut Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen unbedingt entfernt und in die Restmülltonne geworfen werden. Aufgrund der Ausbreitungsgefahr dürfen die Blüten nicht in die Biotonne oder auf den Kompost gelangen.

Besteht der Verdacht, dass der Pflanzensaft der Herkulesstaude auf die Haut gekommen ist, müssen die betroffenen Stellen unbedingt mit Wasser und Seife abgewaschen werden. Es ist auch sinnvoll, Sonnencreme auf die betroffene Stelle aufzutragen. Vorsichtshalber sollte die Sonne zwei bis drei Tage gemieden werden. Bei starken Hautreaktionen unbedingt den Hautarzt aufsuchen.

Von Markus Scharf

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