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Göttingen „Heute bin ich eher ein Sonntagsbergsteiger“
Die Region Göttingen „Heute bin ich eher ein Sonntagsbergsteiger“
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00:17 24.12.2016
Am 9. Februar kommt Messner nach Göttingen – mit seiner aktuellen Multivisionsshow „ÜberLeben“.
Am 9. Februar kommt Messner nach Göttingen – mit seiner aktuellen Multivisionsshow „ÜberLeben“. Quelle: R
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Göttingen

Herr Messner, im Februar kommen Sie nach Göttingen. Was verbinden Sie mit der Universitätsstadt?
Ich war öfters zu Vorträgen in Göttingen und habe die Stadt in guter Erinnerung. Ich trage ganz frei vor und bin auch in den Pausen und nach den Vorträgen für Gespräche da. In jeder Stadt haben die Menschen eine besondere Ausstrahlung, die nehme ich dann wahr. Auf diese Weise lerne ich eine Stadt kennen. Göttingen habe ich in sehr guter Erinnerung.

Von welcher großen Reise sind Sie gerade zurück und welche liegt als nächstes an?
Seit ein paar Tagen bin ich zurück aus Südkorea. Das ist ein faszinierendes Land mit sehr vielen Menschen, die gerne wandern. Korea hat eine faszinierende Landschaft, 70 Prozent des Landes sind Wald. In zwei Wochen bin ich wieder im Himalaya unterwegs.

Wie leben Sie in der Zwischenzeit? Gibt es feste Abläufe in Ihrem Alltag, mit denen Sie sich auf Ihre Reisen vorbereiten?
Ich habe keinen Alltag, wie man sich das vorstellt. Jetzt bin ich gerade in Südtirol in meinem Museum, dem Messner Mountain Museum. Das setzt sich wie ein Mosaik aus sechs Häusern an mehreren Standorten zusammen. Das ist sowas wie ein Kind für mich. Im Moment kümmere ich mich noch bis zum Jahresende um alles selbst. Ich beschäftige mich rund um die Uhr mit meinem einen, großen Lebensinhalt. Oft schau ich erst in der Früh in meinen Terminkalender und sehe, was ich an dem Tag zu tun habe.

Wie halten Sie sich fit?
Meine Sporteinheiten sind nicht immer solche. Ich gehe bei jeder Gelegenheit in die Natur, damit halte ich mich fit. In einem Fitnessstudio werden Sie mich nicht antreffen.

Viele Bergsteiger können bei Unglücken inzwischen gerettet werden, weil Sie ein Handy bei sich tragen. Nehmen Sie eines mit auf Ihre Touren?
Das ist ein doppelschneidiges Schwert. Wenn Sie früher verunfallt sind, wurde ein Hilfesignal abgesetzt und nach einer Woche kam dann jemand. Doch innerhalb dieser Woche waren Sie zu 99,9 Prozent tot. Heute sind die Helicopter sehr gut ausgestattet und die Mannschaft exzellent ausgebildet. Aber das hat dazu geführt, dass viele Bergsteiger ein Handy mitgenommen haben. Doch der Großteil sind keine wirklichen Notfälle. Meistens kommen die Bergsteiger in die Nacht, werden von der Dunkelheit überrascht und rufen dann den Helicopter. Früher war Bergsteigen eine selbstverantwortete Angelegenheit.

Hat die Lust auf Abenteuer zugenommen und sind die Menschen risikobereiter geworden?
Im leichten Gelände hat das zugenommen, doch im ganz schwierigen nicht. Sie können nicht in eine Wand einsteigen, ohne das zu können. Das richtige schwierige Bergsteigen muss man können und beherrschen.

Nehmen Sie ein Handy mit, wenn Sie Bergsteigen?
Wenn ich heute gehe, nehme ich ein Handy mit, vor allem meiner Frau zuliebe. Aber: Ich bleibe heute unter meiner Leistungsgrenze. Meine Gefahr ist heute eher ein Herzinfarkt oder ein Hirnschlag. Ich habe kein Problem damit, dass meine Leistungen nachlassen, auch nicht mit dem Älterwerden. Auch die Erfahrungen lassen nach, das ist einfach so. Doch Meine Bekanntheit hat damit zu tun, dass ich all diese Hilfen, die es heute gibt, nicht hatte. Aber heute bin ich eher ein Sonntagsbergsteiger.

Apropos Sonntagsbergsteiger: In Göttingen haben wir den Harz mit dem Brocken vor der Tür. Brockenaufstiege sind hier sehr beliebt. Müssen Sie schmunzeln, wenn Sie so etwas hören?
Nein. Ich selber war auch öfters auf dem Brocken. Ich war mal mitten im Winter oben, allein, das hat mich schon beeindruckt. Der Schnee auf den Bäumen, die absolute Stille. Aber die Gebäude aus früheren DDR-Zeiten da oben gefallen mir nicht. Und ich mag nicht in der Masse sein, außer mit der Familie oder Freunden. Hektik und Aggression haben wir in der Stadt genug. Am Berg brauche ich Entschleunigung.

Interview: Katrin Westphal

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