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Göttingen Hickhack um Baumarkt vor dem Ende
Die Region Göttingen Hickhack um Baumarkt vor dem Ende
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19:39 06.07.2012
Von Matthias Heinzel
13 Jahre lang geplant, aber nicht gebaut: Südlich des Sconto-Möbelhauses soll ein Baumarkt entstehen. Quelle: Pförtner
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Zur Vorgeschichte: Schon 1999 hatte Reinhard Wundrak eine Bauvoranfrage für den Bau- und Gartenmarkt neben dem Sconto-Möbelhaus gestellt. Die Stadt lehnte ab und erließ eine Veränderungssperre für das Areal. Begründung: Der Einzelhandel in der Innenstadt müsse geschützt werden – obwohl es dort kaum Konkurrenz für einen Bau- und Gartenmarkt gibt. Auch weitere Anträge Wundraks schmetterte die Stadt ab. Zu Unrecht, wie die Gerichte entschieden.

Unbekannter Investor

Merkwürdig: Kurz nach dem für Wundrak günstigen Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg im April 2011 erreichte die Stadt eine sehr vage gehaltene Bauvoranfrage für einen Markt für Textilien, Schuhe, Drogerie-Artikel und Lebensmittel eines angeblichen, bislang unbekannten Investors aus Baden-Württemberg. Noch merkwürdiger: Obwohl wesentlich unverträglicher für die Innenstadt, wurde der Antrag angenommen – und das innerhalb weniger Wochen. Allerdings wurde die Umsetzung um ein Jahr zurückgestellt. Für die Stadt war die Voranfrage ein willkommener Anlass für eine neue Veränderungssperre, die allerdings wiederum auch den Baumarkt auf weitere Zeit verhindern könnte.

Baubescheid nach 17 Jahren

In einem weiteren jahrzehntelangen bau- und planungsrechtlichen Streit hat die Göttinger Stadtverwaltung jetzt knapp 17 Jahre nach Antragstellung einem Bauherrn die erstrebte Baugenehmigung erteilt. Damit wird nun ein formaler Schlussstrich unter eine erbitterte juristische Auseinandersetzung gezogen.
Bauherr ist der Computerfachmann Jürgen Kretschmar, das Streitobjekt ein Anbau an seinem Altbau in der Friedrich Jenner-Straße. Die zur jetzt erteilten Baugenehmigung zugehörige Bauvoranfrage Kretschmars ist sogar glatte 20 Jahre alt. Doch die dann zunächst erteilte Baugenehmigung wurde widerrufen, was den Dauerstreit auslöste. Jetzt kämpft Kretschmar vor dem Oberverlandesgericht um Schadensersatz.

Diese Veränderungssperre passierte jetzt den städtischen Bauausschuss. Diesmal jedoch scheinen es Verwaltung und Politik nicht erneut wagen zu wollen, den Baumarkt zu verhindern: Im Ausschuss erklärten sie, den Baumarkt zeitnah genehmigen und für das Gelände eine gerichtsfeste Planung vorlegen zu wollen.

Egal, was geschieht: Wundrak ist fest entschlossen, herauszufinden, in wessen Auftrag die ominöse Bauvoranfrage gestellt wurde: „Vorher gebe ich keine Ruhe.“