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Göttingen Historische Spinnerei in Klein Lengden
Die Region Göttingen Historische Spinnerei in Klein Lengden
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15:06 15.07.2014
Von Britta Eichner-Ramm
Wohnhaus der Spinnerei: Der betonierte Schwellenkranz (links) ist freizulegen.
Wohnhaus der Spinnerei: Der betonierte Schwellenkranz (links) ist freizulegen. Quelle: CH
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Klein Lengden

Im September vorigen Jahres hatte der Verein aus dem 2008 Geld aus dem neu aufgelegten Denkmalschutz-Förderprogramm beantragt. „Wir haben uns bemüht, uns wichtig zu machen“, so Vorsitzender Jürgen Haese. Dass dies gelungen ist, sei wohl auch der Unterstützung durch den SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann zu verdanken, ergänzt Haese. Er vermutet, dass es hinter den Kulissen wahrscheinlich ein Hauen und Stechen um die Gelder gegeben habe.

Jetzt liegt die Zusage über die Fördermittel in Höhe von 100000 Euro vor, doch der Verein muss zusätzlich Komplementärmittel in gleicher Höhe von dritten Zuschussgebern einschließlich Eigenmitteln einwerben, erläutert der Vorsitzende. Erst dann könne das Wohnhaus auf dem Areal der Historischen Spinnerei Gartetal als Baudenkmal erhalten und genutzt werden.

Buchbindeschauwerkstatt

Im Erdgeschoss des Wohngebäudes soll künftig eine Buchbindeschauwerkstatt eingerichtet werden. Sie soll die Entstehung von Papier bis zum fertigen Buch darstellen und damit das museumspädagogische Konzept des Industriemuseums ergänzen. Immerhin war am Garteufer bei Klein Lengden länger eine Papiermühle als die Spinnerei in Betrieb, betont Renate-Katrin Zimmermann, als Museumspädagogin beim Verein Historische Spinnerei Gartetal. Die gelernte Buchbinderin hat einen kleinen eigenen Maschinenpark samt Werkstattutensilien mitgebracht.

Die Buchbinder-Gerätschaften stehen zwar bereits im Erdgeschoss des Wohnhauses, könnten aber noch nicht genutzt werden, weil noch baurechtlich einiges zu tun sei, so Haese. So müssten verschiedene Brandauflagen erfüllt werden. Unter anderem dafür sollen die Fördermittel verwendet werden. Außerdem müsse die Bausubstanz selbst verbessert werden. Architekt und Vorstandsmitglied Ingo Voges zählt auf, was zu tun ist: Der einbetonierte Schwellenkranz des Hauses müsse freigelegt und erneuert werden. Teile des Fachwerks sind aufgrund von Nässe verfault, sämtliche Fenster sollen gegen neue ausgetauscht werden. Zunächst werde das Erdgeschoss soweit hergestellt, dass es nutzbar sei, ergänzt Haese. Langfristig müsse dann auch die veraltete Haustechnik modernisiert werden. Das indes könne nicht aus den Denkmalschutz-Fördergeldern bezahlt werden.

Der Verein hat aber auch mit den restlichen Bauten des Ensembles einiges vor. Mit Unterstützung der Beschäftigungsprogramme des Landkreises Göttingen werden zurzeit Arbeiten im Maschinensaal – dem industriellen Kern der Spinnerei – ausgeführt. Außerdem könnten auf diese Weise die Nachbarräume soweit vorbereitet werden, dass ein späterer Ausbau zum Maschinencafé möglich wird. Dazu werden Mauern zum Teil freigelegt und Durchlässe geschaffen.

Dort, wo die Antriebsaggregate für die Transmission, sowie eine Dampfmaschine standen, will der Verein das „Museumscafé mit Werkstattcharakter“ einrichten. Hier soll, so berichtet Haese, den Besuchern die Funktionsweise der Maschinen, Arbeitsabläufe und Archivdaten digital aufbereitet multimedial präsentiert werden.

Schritt für Schritt will der Verein seine Pläne umsetzen. Auch im Außengelände der Spinnerei tut sich etwas: Die Schafhaltung und damit die Darstellung der textilen Entstehungskette bis zur gesponnenen Wolle seien hier das Ziel. So sei etwa die hintere Wiese wieder hergerichtet worden, und die ersten beiden Schafe sind auch schon da. Ihr Stall wurde mit Unterstützung der Beschäftigungsgesellschaft des Landkreises in Ordnung gebracht.

Die Historische Spinnerei Gartetal, Steinsmühle 8, bei Klein Lengden ist wochentags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen werden nach Vereinbarung auch am Wochenende angeboten: Telefon 05508/ 1218. Weitere Infos gibt es im Internet hier.