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Göttingen Notaufnahme der UMG verzeichnet deutlich mehr Patienten
Die Region Göttingen Notaufnahme der UMG verzeichnet deutlich mehr Patienten
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14:31 26.07.2019
Besonders auf alte und kranke Menschen muss bei Hitze geachtet werden. Quelle: dpa
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Göttingen

Die Hitzewelle hat die Region fest im Griff. Jungen und gesunden Menschen machen die hohen Temperaturen nichts aus. Sie genießen einfach die Vorzüge des Sommers. Ganz anders sieht das aber bei alten und kranken Menschen aus, die in dieser Zeit ganz besondere Fürsorge benötigen.

„Wir sind seit diesem Jahr in der glücklichen Lage, dass unsere Aufenthaltsräume klimatisiert sind“, erzählt Olaf Bartels, Pflegedienstleiter im St. Martini Altenpflegeheim. „Dies ist natürlich schon eine sehr große Erleichterung“, berichtet er. Sehr gern angenommen wird von den Bewohnern im Eichsfeld auch der Service, dass sie bei Bedarf Eis bekommen können. Die Zimmer selber in der Einrichtung besitzen keine Klima-Anlage. „Ich habe aber nicht das Gefühl, dass unsere Heimbewohner unter der Hitze besonders leiden so wie wir“, meint Bartels abschließend.

Aufenthaltsräume sind klimatisiert

Sascha Franz (GDA Göttingen) ist mit seinen Mitarbeitern sehr gut auf die hochsommerlichen Temperaturen vorbereitet. Die Aufenthaltsräume der Einrichtung sind klimatisiert, an den Fahrstühlen sind zusätzliche Getränke positioniert worden. „Das Trinkverhalten bei älteren Menschen ist ja ganzjährig ein Thema, von daher hat unser Pflegepersonal ohnehin immer ein wachsames Auge darauf, dass genug getrunken wird“, erläutert Franz. Der Küchenchef des GDA stimmt die Auswahl der Speisen durchaus auf die Witterung ab. „Bei uns gibt es ohnehin immer ein Salatbüffet, von dem sich jeder nehmen kann. Und anstatt einer warmen Suppe gibt es beispielsweise eine Kaltschale. Dass die Bewohner bei den hohen Temperaturen nicht vor die Tür gehen, ist für Franz ohnehin kein Thema „sie haben genug Lebenserfahrung, um dies selbst beurteilen zu können.“

In den Krankenhäusern der Region werden im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende und im St. Martini-Krankenhaus in Duderstadt keine alarmierenden Zahlen von den Notaufnahmen gemeldet. „Glücklicherweise stellen wir bisher keinen Run auf unsere Notaufnahme fest. Vereinzelt behandeln wir Patienten mit Kreislaufproblemen und Sekundärverletzungen, die zum Beispiel aufgrund eines Sturzes entstanden sind“, berichtet Markus Kohlstedde, der Geschäftsführer des St. Martin Krankenhauses in Duderstadt.

Sogar weniger Patienten als sonst

Keine alarmierenden Zahlen gibt es auch aus dem Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende. Die aktuelle Wetterlage macht sich laut Sprecher Stefan Rampfel noch nicht bemerkbar. „Am Donnerstag waren sogar weniger Patienten in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) als an normalen Werktagen. Eine mögliche Ursache könnte sein, dass sich viele Menschen innen aufhalten.“

Ein Patient sei laut Rampfel mit Verdacht auf Exsikkose eingeliefert worden. Als Exsikkose bezeichnet man die Austrocknung durch Abnahme des Körperwassers. Sie ist Folge einer Dehydration. „Die meisten wetterbedingten Notfälle sind derzeit chirurgisch, zum Beispiel Schnittwunden, die im Freibad entstanden sind“, erläutert der Krankenhaus-Sprecher.

Überwiegend sind Ältere betroffen

Anders sieht es in der Universitätsmedizin Göttingen aus. „Zurzeit werden deutlich mehr Patienten mit Kreislaufproblemen und Kreislaufversagen in der UMG-Notaufnahme behandelt. Es handelt sich dabei überwiegend um ältere Patienten, multimorbide und pflegebedürftige Patienten“, erklärt UMG-Sprecher Stefan Weller. Dehydrierung, Nieren- und Kreislaufversagen bis hin zur Bewusstlosigkeit seien die häufigsten Symptomatiken.

Die UMG versucht es ihren Patienten, die stationär so angenehm wie möglich zu machen. „Die Bettenhäuser der UMG sind über 40 Jahre alt. Technische Verbesserungen und Nachrüstungen sind häufig nicht machbar und kostenintensiv. Die Patienten erhalten mehr Wasser, die ausreichende Versorgung mit Wasserflaschen auf den Stationen über die UMG-Gastronomie ist gewährleistet. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stationspersonals können Wasserflaschen bestellt werden“, so Weller.

Und auch die Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim behandelt angesichts der hochsommerlichen Temperaturen vermehrt Patienten. Dehydration, Verletzungen nach Outdoor-Aktivitäten und allergische Reaktionen nach Wespenstichen müssen versorgt werden.

100 Ventilatoren gekauft

Im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende achtet das Pflegepersonal vor allem bei den warmen Temperaturen darauf, dass die Patienten genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Oftmals sei es aber notwendig, eine Infusion mit einer Kochsalzlösung zu legen, die dann intravenös verabreicht wird. Patientenzimmer, die in Richtung Süden zeigen, sind mit sogenannten Beschattungsanlagen ausgestattet. „Das sind Jalousien, die je nach Wetterlage selbstständig aus- und einfahren. Zentral werden der Lichteinfall, die Windstärke und die Regenintensität gemessen. Um 21 Uhr abends fahren die Jalousien automatisch ein. Trotz dieser zentralen Steuerung ist jede Jalousie einzeln durch den Patienten steuerbar, das heißt, er kann zum Beispiel die Jalousie hochfahren, auch wenn sie Sonne scheint“, erläutert er. Darüber hinaus wurden alleine in diesem Jahr knapp 100 Ventilatoren gekauft. „Auf jeder Station steht zudem für die Patienten eine Tafelwasseranlage, die kostenlos gekühltes Göttinger Leistungswasser liefert“, berichtet Rampfel.

Tipps für heiße Sommertage

Trinken, trinken, trinken – Menschen, die selten wirklichen Durst verspüren, hören derartige Ratschläge überhaupt nicht gern. Dabei ist die Flüssigkeitsaufnahme das A und O bei den momentan herrschenden Temperaturen. 1,5 bis 2 Liter lautet die Empfehlung bei normalen Verhältnissen, wenn es außerordentlich warm ist, dann darf es auch deutlich mehr sein, wie die Experten raten. Vorsicht sei allerdings bei Menschen geboten, die herzkrank seien beziehungsweise Nierenprobleme haben. In dem Fall sollte eine Absprache mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Der Magen knurrt um die Mittagszeit herum erbärmlich: Eine leckere Currywurst mit Pommes Frites oder auch ein Burger klingt verlockend, würde den Körper aber viel zu sehr belasten. leichte Kost aus wasserreichem Obst, Gemüse, Salat und Nudeln, Fisch oder mageres Fleisch seien an Hitzetagen deutlich vorteilhafter, weil sie das Verdauungssystem nicht unnötig belasteten. Zudem raten die Experten dazu, mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen.

Die eisgekühlte Flasche Mineralwasser im Kühlschrank lacht einen an. Besser ist es, sie stehen zu lassen. Empfohlen werden lauwarme Getränke wie etwa ungesüßter Tee. Sie bewirken ein leichtes Schwitzen, dadurch werde ein Abkühlen des Körpers herbeigeführt, ohne dabei den Kreislauf zu belasten. Natriumhaltiges Mineralwasser oder eine Tasse Gemüse- oder Fleischbrühe kann zudem den Körper mit Salz und weiteren Mineralstoffen versorgen, die beim Schwitzen verloren gehen.

Das wichtigste Kleidungsstück bei Hitze ist eine Kopfbedeckung, ansonsten drohe die Gefahr eines Sonnenstichs oder Hitzschlags. Darüber hinaus sollte man an heißen Tagen luftig, leicht sitzende Kleidung tragen, die idealerweise aus Naturfasern wie Baumwolle und Leinen besteht. Die Haut sollte mit Sonnenschutzcremes mit hohem Lichtschutzfaktor geschützt werden.

Zurückhaltung sollten auch Hobbysportler üben. Wer bei diesen Temperaturen nicht auf seine Sportschuhe verzichten kann, der sollte seine Aktivität zumindest in die frühen Morgen- bzw. Abendstunden verlegen, und auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Auch körperliche Arbeit sollte sich in Grenzen halten.

Gut ausgeschlafen und erholt erwachen ist wichtig, um über den Tag leistungsfähig zu sein. Deshalb sollten Fenster und Vorhänge oder Jalousien geschlossen werden, um der Sonne nicht die Chance zu geben, die Wohnung durch die Fenster nicht weiter aufzuheizen. Eine lauwarme Dusche vor dem Zubettgehen und der Verzicht auf Alkohol kann helfen, tiefen, erholsamen Schlaf zu finden. Darüber hinaus sollte Nachtwäsche aus Baumwolle, Leinen oder Seide zwei Stunden vor dem Schlafengehen in den Kühlschrank gelegt werden und es dann unmittelbar vor dem Zubettgehen angezogen werden.

Für kurzfristige Abkühlung am Schreibtisch kann ein kaltes Fußbad sorgen. Ein Tuch in kaltes Wasser tauchen und es sich auf Stirn und Nacken legen, hilft.

Softdrinks, Eis und kurze Hosen

Das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist angesichts der hohen Temperaturen einer großen Belastung ausgesetzt. Sowohl das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende als auch die Universitätsmedizin Göttingen versucht seinen Mitarbeitern durch gezielte Maßnahmen, die Arbeit zu erleichtern.

Dazu Stefan Weller, der Sprecher der UMG: „Dem Vorstand der UMG ist es ausdrücklich ein Anliegen, dass im Rahmen der Möglichkeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UMG bei dieser Hitze gesunde Arbeitsbedingungen haben. So hat er alle Führungskräfte der UMG dazu aufgerufen, dort, wo es möglich ist, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten im Rahmen der Gleitzeitregelungen zu ermöglichen, zum Beispiel mit einem früheren Arbeitsbeginn unter dann noch günstigeren Temperaturen. Auch können Ventilatoren über den Einkauf beschafft werden, was bislang aus energietechnischen Gründen eher zurückhaltend behandelt wurde. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auch bei der Bekleidung mit sommerlich angemessener Kleidung beim Dienst erscheinen. Die Kühlung von Aufenthalts- und Sozialräumen wird geprüft. Der Betriebsärztliche Dienst steht für Beschäftigte, die bei der Hitze gesundheitliche Einschränkungen haben, für eine persönliche Beratung bereit.“

Keine Kleiderordnung bei Büromitarbeitern

Kostenlose Softdrinks und Eis verteilt die Geschäftsführung und die Pflegedirektion des Evangelischen Krankenhauses an besonders heißen Tagen an ihre Mitarbeiter. Am heißen Donnerstag bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. Auch bei der Kleiderordnung unterliegt das Pflegepersonal keinem Zwang. Dazu Sprecher Stefan Rampfel: „Bei hohen Temperaturen steht es jedem Mitarbeiter frei, sich den Temperaturen angemessen zu kleiden. So spricht auch nichts dagegen, dass Büromitarbeiter in kurzer Hose kommen können. Die Mitarbeiter in der Pflege tragen Berufskleidung, die aus einer langen Hose und einem kurzärmeligen Kasack besteht.“

Von Vicki Schwarze

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