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Göttingen Überfall in Gittelde: Hohe Haftstrafen und zweimal Sicherungsverwahrung
Die Region Göttingen Überfall in Gittelde: Hohe Haftstrafen und zweimal Sicherungsverwahrung
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17:32 12.11.2018
Im Prozess um einen Banküberfall in Gittelde ist am Montag ein Urteil gefallen. Quelle: dpa
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Göttingen/Gittelde

Die Kammer befand die beiden mutmaßlichen Haupttäter, einen 50-jährigen Mann aus Bad Oldesloe sowie einen 61-jährigen Mann aus Hanau, unter anderem des besonders schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig. Der 50-Jährige erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Da der 61-Jährige außerdem noch wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt wurde, erhielt er eine etwas höhere Freiheitsstrafe von zehn Jahren und drei Monaten. Außerdem ordnete das Gericht ihre Unterbringung in der Sicherungsverwahrung an. Beide hätten einen Hang zu erheblichen Straftaten.

Der dritte Angeklagte, ein 44-Jähriger aus Eisenach, erhielt wegen Beihilfe eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Da zudem noch frühere Verurteilungen der Landgerichte in Leipzig und Meiningen zu berücksichtigen waren, wurde er zu einer weiteren Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Verteidiger plädierten auf Freispruch

Die Kammer folgte mit ihrem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten dagegen auf Freispruch plädiert, weil ihren Mandanten keine Täterschaft bei dem Banküberfall nachzuweisen sei. Die drei Angeklagten hatten vor Gericht geschwiegen beziehungsweise die Tat bestritten.

Es sei ein „für Göttinger Verhältnisse ungewöhnlicher Fall“ gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Dass gleich drei Angeklagte derart viele Vorstrafen hätten, sei eher selten. Insgesamt summierten sich ihre bisherigen Haftstrafen und Zeiten im Maßregelvollzug auf 63 Jahre. „Das sind schon schwere Kaliber“, sagte Jakubetz.

Hohe Rückfallgeschwindigkeit

Der 61-Jährige habe nicht nur bereits 30 Jahre in Haft verbracht, sondern auch eine hohe Rückfallgeschwindigkeit gezeigt. Zuletzt war er 2001 wegen eines Banküberfalls, den er mit dem 50-jährigen Mitangeklagten im Raum Hanau verübt hatte, ins Gefängnis gewandert. Im Dezember 2016 wurde er entlassen. Rund ein Jahr später, im Januar 2018, habe er mit seinem damaligen Komplizen den nächsten Überfall verübt. Bei dem Überfall auf die Sparkasse in Gittelde seien sie auf ähnliche Weise vorgegangen.

Der 50-Jährige, dem der Richter eine „Affinität zu Schusswaffen“ bescheinigte, habe auch diesmal wieder eine Pistole dabei gehabt. Er habe damit die Mitarbeiterin bedroht und sie aufgefordert, den Tresor zu öffnen. Als sie ihm klarzumachen versuchte, dass dies aus technischen Gründen nicht möglich sei, habe er „Du lügst, ich mach dich tot“ gerufen und mehrfach mit der Pistole auf sie eingeschlagen. Die Filialleiterin erlitt unter anderem eine Kopfplatzwunde und eine Schädelprellung. Sein 61-jähriger Komplize habe eine Kundin zu Boden geschubst, diese erlitt ein Schädelhirntrauma und eine Prellung. Ähnlich wie schon bei dem vorherigen Überfall hätten die Angeklagten auch bei dieser Tat einen osteuropäischen Akzent vorgetäuscht.

Beute aus Münzgeld

Die Bankräuber waren anschließend mit ihrer hauptsächlich aus Münzgeld bestehenden Beute von gerade mal 2392,01 Euro geflüchtet. Zeugen hatten beobachtet, wie sie in ein Auto einstiegen. Nach Überzeugung des Gerichts hatte der 44-jährige Mitangeklagte in dem Wagen, der mit gestohlenen Kennzeichen versehen war, auf sie gewartet und war dann losgefahren. Später entdeckte die Polizei das Fluchtauto mit dem 61-Jährigen am Steuer auf dem Autohof bei Northeim. Der 61-Jährige lieferte sich eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei, kam dabei von der Straße ab und landete mit seinem Wagen im Graben.

Dass der 61-Jährige etwas mit dem Raubüberfall zu tun hatte, liege „auf der flachen Hand“, sagte der Vorsitzende Richter. Dass auch die beiden anderen Angeklagten dabei gewesen seien, ergebe sich unter anderem aus der Auswertung des Chat-Verkehrs und der Handy-Daten sowie diverser weiterer Indizien. So seien bei den Angeklagten mehrere Kleidungsstücke gefunden worden, wie sie auch auf den Aufnahmen der Überwachungskamera in der Sparkasse zu sehen seien.

Von Heidi Niemann

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