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Göttingen „Mangelndes Engagement“ von Oberbürgermeister Köhler
Die Region Göttingen „Mangelndes Engagement“ von Oberbürgermeister Köhler
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00:19 27.11.2017
„Blamabler Sonderfall“: die Stockleff-Mühle am Leinekanal. Der Stadt fehlt das Geld, um das denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren.
„Blamabler Sonderfall“: die Stockleff-Mühle am Leinekanal. Der Stadt fehlt das Geld, um das denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren. Quelle: Arne Bänsch
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Göttingen

Am Donnerstag machte Holefleisch seinem Ärger über den „Schandfleck“ Stockleff-Mühle und deren seit Jahren nicht erfolgte Sanierung Luft. Die Situation sei „blamabel und ärgerlich“, sagte Holefleisch. Der Zustand des Gebäudes werde nicht besser. Köhler sei sowohl der Aufsichtsratsvorsitzende der Städtischen Wohnungsbausgesellschaft, die beauftragt ist, ein Konzept für die Mühlennutzung zu finden, als auch der Chef der Stadtverwaltung, sagte Holefleisch. Für ihn ist das ein „blamabler Sonderfall“. Dass nichts passiert liege am „mangelndem Engagements“ Köhlers.

Köhler sichert Baudenkmal

Köhler indes sieht sich nicht als Zielscheibe für eine berechtigte Kritik. Wohl aber verstehe der Oberbürgermeister den Ärger über das nach wie vor ungelöste Problem, sagte Verwaltungssprecher Detlef Johannson. So sei es Köhler gewesen, damals noch als Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau, der das Baudenkmal gesichert, die bauhistorische Recherche veranlasst und Varianten für eine Sanierung und Erweiterung des Gebäudes mit dem Ziel einer künftigen Nutzung als gastronomische Einrichtung vorgelegt.

Mit dem Ziel, Belange des Denkmalschutzes und eine wirtschaftliche vertretbare Lösung zu verbinden, sei Köhler an eine Grenze gestoßen. „Wenn vernünftige ökonomische Argumente keine Rolle spielen, wenn ein Gebäude, das praktisch keine Substanz mehr hat, dennoch um nahezu jeden Preis restauriert werden soll, ohne auf künftige Nutzungen Rücksicht zu nehmen, dann komme ich erstmal nicht weiter, so sehr mir die Mühle auch am Herzen liegt“, sagte Köhler.

Plan für die nördliche Innenstadt

Er kündigte gegenüber dem Tageblatt an, noch in diesem Jahr ein Gespräch mit einem potenziellen Investor zu führen, um ihn für ein Engagement am Leinekanal zu begeistern. Außerdem soll in einem Maßnahmenplan, der sich aus den vorbereitenden Untersuchungen für die Nördliche Innenstadt ableitet, auch Sanierung und Anbau der Stockleff-Mühle mit einem Volumen von drei Millionen Euro enthalten sein. Im Februar, so Stadtbaurat Thomas Dienberg will die Verwaltung Details vorlegen.

„Allein kann die Stadt angesichts ihrer vielen anderen investiven Verpflichtungen das nicht stemmen,“ sagte Köhler. Er verweist auf einen Aufsichtsratsbeschluss der Wohnungsbau.

Danach sollen die nicht mehr zu rettenden Nord, Ost- und Südwand der Mühle verschwinden. Stattdessen soll ein Neubau mit Holz-Glas-Fassade eingezogen werden. Der sanierte Dachstuhl soll rekonstruiert und von durchsichtigen Dach- und Giebelflächen abgeschirmt werden. Köhler gibt die Kosten für die Variante mit „mindestens 6000 Euro pro Quadratmeter“ an.

Denkmalschutzbehörde lehnt Variante

Die Untere Denkmalschutzbehörde lehnt diese Variante aber ab. Sie bevorzugt, den Mühlenbau zu sanieren, das Gebäude mit einer Stahlkonstruktion, die den Dachstuhl trägt, zu verstärken und das Dach neu zu decken. Ein Anbau aus Holz und Glas soll das Mühlengebäude in Richtung Norden erweitern.

Die Leiterin der Denkmalschutzbehörde, Karin Schrader, sagte, dass der Denkmalschutz niemanden zur Sanierung zwingen könne. „Niemand darf dadurch in den Ruin getrieben werden.“

Bilder von der Stockleff-Mühle.

Von Michael Brakemeier