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Göttingen Flucht in andere Welten
Die Region Göttingen Flucht in andere Welten
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00:17 09.06.2017
Von Hannah Scheiwe
Quelle: Wenzel
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Göttingen

Ich stehe auf einem Turm, neben mir brennt eine Fackel. Der Blick in den Burghof gibt links ein großes, verschlossenes Tor frei. Mir gegenüber stehen viele schwarze Männchen, die Schilder und Waffen in den Händen halten - und nur darauf warten, mein Burgtor zu stürmen.

Eine vier mal vier Meter große Spielwiese

Doch den Startschuss für den Kampf gebe ich. Schließlich befinde ich mich nicht wirklich in einer Mittelalterszene, sondern wurde nur virtuell dort hineinversetzt. Setze ich die Virtual-Reality(VR)-Brille ab, hat der - zugegebenermaßen sehr spaßige - Spuk ein Ende. Und ich stehe wieder in einem großen Raum in der Kurzen Straße, auf einem vier mal vier Meter großen Teppich. Der ist meine Spielwiese in dieser noch provisorisch eingerichteten Location - der ersten Virtual Reality Lounge in Göttingen.

Doch vorerst lasse ich die Brille auf. Mithilfe des Controllers, den ich in der rechten Hand halte, habe ich Pfeil und Bogen aufgenommen. Nun kann ich den Bogen mit dem Controller in meiner linken Hand halten und mit der rechten Hand - den sogenannten Trigger-Knopf gedrückt haltend - spannen und schießen. Während ich anfangs viele Männchen treffe, komme ich in Not, als mehrere auf mein Tor einschlagen. Ich treffe weder die Männchen noch das Ölfass über dem Tor. Game Over.

In andere Welten versetzen

Ich nehme die VR-Brille ab, sehe vor mir die Brüder Dominik und Daniel Mayer, die mir eben noch Tipps gegegeben haben und die am Dienstag das „Holocade“ eröffnet haben, ihre Virtual-Reality-Welt. Mithilfe einer VR-Brille kann man sich hier in andere Welten versetzen, eine Burgmauer verteidigen oder gegen Zombies kämpfen.

„Jede Erfahrung im virtuellen Bereich ist auch eine körperliche“, sagt der 24-jährige Daniel Mayer, der als Game Designer für alles Technische im „Holocade“ zuständig ist. Die virtuellen Welten sind ein 360-Grad-Erlebnis, man dreht und bewegt sich, kommt auch mal ins Schwitzen.

Immobilien virtuell begehbar machen

Neben der Idee, ein Freizeiterlebnis für andere zu schaffen, verfolgen die beiden Männer ein weiteres Ziel: „Wir konzentrieren uns auf 3D-Visualisierungen“, sagt Dominik Mayer. Sie würden beispielsweise Immobilien virtuell begehbar machen wollen. „Mit den Spielen wollen wir zeigen, was auch für Businessanwendungen möglich ist“, sagt Dominik Mayer.

Sieben Spiele bieten sie anfangs an - von „The Lab“, in dem man unter anderem Bogen schießen kann, über das Musikspiel „Audioshield“ bis zum Zombie-Game „Arizona Sunshine“. Sechs Spielflächen gibt es, auf denen jeweils ein Spieler spielen könne. Noch ist der Platz davor leer. „Vor jede Spielfläche kommt ein Sofa, auf dem zwei Freunde mit Headset sitzen können“, erklärt Dominik Mayer. Die könnten den Spieler anfeuern oder Tipps geben.

„Mit einem normalen Computer wird einem schnell übel“

„Mit einem normalen Computer wird einem schnell übel“, sagt Dominik Mayer über VR-Games, er würde den Grafikanforderungen der Brille nicht entsprechen. Sie hätten High-End-Gaming-Computer, wollen jedes Jahr die Technik erneuern.

„Ich bin seit zwei einhalb Jahren auf der Suche nach etwas, womit ich mich selbstständig mache“, erzählt der 26-jährige Dominik Mayer. „Virtual Reality wird in zwei bis drei Jahren nicht mehr wegzudenken sein“, ist der Forstwissenschaftsstudent sich sicher. Mit seinem Bruder kümmert er sich um fast alles selbst - vom Boden verlegen bis zum Aufbau der Technik. Seit der Eröffnung am Dienstag ist alles fertig. Aber auch schon im provisorisch eingerichteten Raum macht mir das Männchen abschießen Spaß - die kleinen Fehler in der echten Welt sehe ich dabei ja sowieso nicht mehr.

Das „Holocade“ befindet sich in der Kurzen Straße 2. Mehr Informationen und Buchungen unter holocade.de.