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Göttingen Rappen über Rassismus, Liebe und Zukunftsfragen
Die Region Göttingen Rappen über Rassismus, Liebe und Zukunftsfragen
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19:46 08.02.2019
Projektleiter Carlos Zamora (links außen) und Nils Hilliges (dritter von links) mit Teilnehmern von „HometownHipHop“.
Projektleiter Carlos Zamora (links außen) und Nils Hilliges (dritter von links) mit Teilnehmern von „HometownHipHop“. Quelle: Max Brasch
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Göttingen

Das Präventionsprogramm „Respect Coaches“ hat in der Göttinger Berufsschule BBS II ein Rap-Gesangsprojekt namens „HometownHipHop“ organisiert. Das einwöchige Angebot zielt darauf ab, dass sich die Jugendlichen kritisch mit Rap-Texten bekannter Künstler auseinandersetzen und gleichzeitig selbst Texte schreiben und rappen. Am Ende nehmen die Teilnehmer ihren gemeinsam entwickelten Song in einem Tonstudio auf.

Anfangs stehen die sieben Jugendlichen noch etwas zögerlich im Kreis. Als aber der Hip-Hop-Beat ertönt, werden sie lockerer und singen mit. Ihr gemeinsam entwickelter Text handelt von vielen Themen: Jeder hat das, was ihm wichtig ist, mit einfließen lassen. „Die Arbeit mit den Schülern hat sehr gut funktioniert, alle haben in der Woche große Fortschritte gemacht“, findet Carlos Zamora, Rapper und Leiter des Projekts „Rapflektion“ aus Braunschweig. Gemeinsam mit dem Musiker Nils Hilliges vom Internationalen Bund in Göttingen hat er das Projekt an der BBS II geleitet.

Rassismus, Liebe, Familie und Zukunftsfragen

Einer der Teilnehmer ist Alfredo Yeboah. Bereits zuvor hat Yeboah gesungen und gerappt: „Mir hat Musik immer viel Spaß gemacht“, erzählt Yeboah. In seinen Texten verarbeitet der junge Mann seine Erfahrungen beim Thema Rassismus: „Schwarz oder weiß, das ist egal – wir sind alle Menschen“, so Yeboah. Sein Text handelt davon, dass die Menschen die Welt gemeinsam zu einem besseren Ort machen können. Ein ganz anderes Thema behandelt „Lela“, wie sich die junge Frau nennt, in ihrem Text: „Über die Liebe und das Vermissen zu singen ist viel leichter, als darüber zu sprechen“, findet die Schülerin. So ließen sich die eigenen Erfahrungen viel besser verarbeiten.

Für Julian Meirich war die Teilnahme am Kurs nicht leicht: „Ich bin hier, um meine Schüchternheit zu überwinden“, erzählt Meirich. Nach einer Woche falle es ihm jedoch nicht mehr schwer, vor den anderen zu rappen und seine Texte zu präsentieren. „Meine Texte handeln von Fragen, die wir uns alle stellen: Wie sieht meine Zukunft aus, und wo bin ich in zehn Jahren?“, sagt Meirich.

Die Texte von Mikretab Hagos handeln von seiner Familie. „Meine Familie ist mir sehr wichtig. Meine Mutter vermisse ich oft, darüber singe ich“, so Hagos. Auch wenn die Themen sehr emotional gewesen seien, habe ihm die Teilnahme am Projekt dennoch viel Spaß gemacht.

Rap-Musik in der Präventionsarbeit

Zu Beginn der Wochen hätten die Projektleiter die Grundregeln deutlich gemacht: Beleidigungen und Kopien anderer Künstler sind nicht erlaubt. „Die Texte sollen aus dem Leben stammen und können durchaus politisch sein“, erklärt Zamora. Anfangs hätte es zwar durchaus Schwierigkeiten gegeben, insgesamt aber bewerten Zamora und Hilliges das Projekt als Erfolg.

„HometownHipHop“ ist ein Angebot des Internationalen Bunds (IB), einer Organisation für Jugend- und Bildungsarbeit. Das Angebot existiert seit Anfang 2018 und wird unter anderem durch das Bundesfamilienministerium gefördert. „Rap-Musik ist ein guter Weg, um junge Menschen zu erreichen“, erklärt Hilliges. Nicht selten seien die Texte bekannter Künstler der Szene jedoch nicht unproblematisch, viele seien frauenfeindlich oder verherrlichten Gewalt. „Mit den Jugendlichen die Texte zu reflektieren, ist eine Möglichkeit, mit ihnen über diese Themen kritisch zu sprechen“, meint Hilliges.

Von Max Brasch