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Göttingen Das bedeutet die ICE-Streckensperrung 2019 für Göttingen
Die Region Göttingen Das bedeutet die ICE-Streckensperrung 2019 für Göttingen
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00:21 04.10.2018
Im kommenden Jahr müssen die ICE-Renner der Deutschen Bahn für ein halbes Jahr auf die langsame Altbaustrecke ausweichen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen/Hannover

Nicht nur für Pendler zwischen Göttingen und der Landeshauptstadt ist die Nachricht fatal: Die Nord-Süd-Trasse ist eine der wichtigsten Verkehrsadern für die Bahn mit Verbindungen beispielsweise von Hamburg nach Frankfurt oder von Berlin nach Frankfurt. Während der Sanierungsarbeiten vom 11. Juni bis zum 14. Dezember 2019 fährt der Schnellverkehr hauptsächlich über die alte Strecke im Leinetal. Die Fahrzeiten im DB-Fernverkehr verlängern sich nach Auskunft der Bahn um etwa 30 bis 45 Minuten. Zwischen Hamburg bzw. Berlin und Frankfurt komme es außerdem zu Kapazitätseinschränkungen. „Während der Baumaßnahmen“, erklärt eine Bahn-Sprecherin, „versüßt die DB betroffenen Kunden die längere Reisezeit mit besonderen kleinen Aufmerksamkeiten.“ Betroffene Zeitkarteninhaber und BahnCard-100-Kunden erhielten darüber hinaus eine finanzielle Entschädigung.

Nach Ankündigung der Bahn ist eine komplette Sanierung der Schienenstränge geplant, die nach 27 Jahren Betrieb unvermeidlich sei. Die Strecke sei seit ihrer Eröffnung im Jahr 1991 im Dauerbetrieb und hochbelastet. Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, teilt die Bahn mit. „Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können“, erklärte der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch.

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Altbaustrecke schon jetzt hochbelastet

Aber nicht nur die Fahrgäste der Züge, die bislang auf der Schnellfahrstrecke rollen, werden länger unterwegs sein. Auch der Regionalverkehr, der sich die alte Hauptstrecke Hannover-Göttingen ansonsten alleine mit dem Güterverkehr teilt, wird während der Sanierung der Schnellfahrstrecke beeinträchtigt: Für eine komplette Aufnahme des Schnellfahrstreckenverkehrs reicht die Altbautrasse bei weitem nicht aus, meint auch Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Diese sei schon jetzt mit Güter- und Nahverkehrszügen stark ausgelastet: „Das wird sich im Nahverkehr auswirken. Da werden auch einige Züge nicht fahren können.“ Bei der Planung müsse man einen Kompromiss finden, der sowohl Pendlern als auch Fernreisenden gerecht werde.

Doch mit der Sperrung der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Hannover hat der Ärger für Bahnkunden beileibe kein Ende. Der Abschnitt Göttingen-Kassel wird von April bis Juli 2021 saniert und fällt in dieser Zeit ebenfalls aus. Im Jahr 2022 ist die Trasse Fulda-Würzburg an der Reihe und schließlich 2023 der Gleisstrang von Kassel nach Fulda.

640 Millionen Euro Kosten

Das Sanierungsprogramm umfasst die Erneuerung von Gleisen, Weichen und Schotter. Auch die Oberleitungsmasten und die Strom- und Sicherungstechnik werden erneuert. Für die Sanierung der Strecke zwischen Göttingen und Hannover kalkuliert die Bahn mit Kosten in Höhe von 175 Millionen Euro. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. Das Geld komme fast vollständig aus dem Bundeshaushalt, weil es sich um eine sogenannte Ersatzinvestition handele, erklärte ein Sprecher der Bahn.

Saniert wird damit eine der am stärksten befahrenen Strecken im Netz der DB AG. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit etwa 42000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge. Die Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Hannover war zuletzt im Jahr 2016 zweimal für mehrere Wochen gesperrt gewesen – ebenfalls wegen Sanierungsarbeiten an Gleisen und Weichen.

Aktuell sind Pendler und Fernreisende zwischen Göttingen und Hannover zudem von Brückenabrissarbeiten in Hannover betroffen: Der Hauptbahnhof der Stadt wird in den Herbstferien zum Nadelöhr. Zahlreiche Züge fallen aus oder werden umgeleitet.

Von Matthias Heinzel

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