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Göttingen Verdächtiger Mann: ICE und Bahnhof in Göttingen evakuiert
Die Region Göttingen Verdächtiger Mann: ICE und Bahnhof in Göttingen evakuiert
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13:51 17.08.2019
Nach einem Verdacht auf einen Anschlag mussten 900 Reisende in Göttingen einen ICE verlassen. Nach gut einer Stunde konnten sie wieder einsteigen (Symbolbild). Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Göttingen

Alarm am Göttinger Bahnhof: Nach Hinweisen auf einen verdächtigen Mann im Zug hat die Bundespolizei am Sonnabend einen ICE gestoppt. Etwa 900 Reisende mussten den Zug verlassen. Auch der Göttinger Bahnhof wurde teilweise geräumt. Ein 55-jähriger Deutscher wurde festgenommen.

Anschließend seien der Zug und Bereiche des Göttinger Bahnhofes durchsucht worden, bestätigte Jörg Ristow von der Bundespolizeidirektion Hannover. Die Sorge, der Mann habe ein Attentat geplant oder gar vorbereitet, habe sich nicht bestätigt. Es sei nichts Verdächtiges oder Auffälliges gefunden worden.

Reisende hatten Angst

Reisende im ICE von München nach Hamburg hatten zuvor über den Notruf 110 die Polizei alarmiert. Nach ihren Aussagen habe sich ein Mann im Zug in einer Weise auffällig und verwirrt verhalten, die die Mitreisenden verängstigt habe, so Ristow. Sie fürchteten ein drohendes Attentat.

Anhand von Zeugenaussagen und eines Handyfotos sei der Mann schnell identifiziert, im Göttinger Bahnhof ausgemacht und festgenommen worden. Aber auch bei der Durchsuchung des 55-Jährigen sei nichts Verdächtiges gefunden worden. Der polizeibekannte und offensichtlich verwirrte Mann sei anschließend in einer Fachklinik in die Obhut von Ärzten übergeben worden.

75 Minuten Zwangsstopp

Der ICE wurde gegen 10 Uhr bei seinem planmäßigen Stopp in Göttingen geräumt. Gut eine Stunde später konnten die Passagiere wieder einsteigen und ihre Reise fortsetzen. Auch der Göttinger Bahnhof wurde nach Angaben von Ristow um 11.15 Uhr wieder freigegeben.

Im Einsatz waren etliche Bundespolizisten sowie Beamte der Göttinger Polizei. Weitere Kräfte einschließlich Spürhunden aus anderen Städten seien zunächst angefordert worden, konnten aber vor ihrem Eintreffen in Göttingen zurückgerufen werden.

Polizei Göttingen mit zwölf Beamten im Einsatz

Die Göttinger Polizei habe den Einsatz am Bahnhof mit zwölf Beamten unterstützt, bestätigte Dienstabteilungsleiter Sven Metge gegenüber dem Tageblatt. Das sei in solchen Fällen üblich. Gegen kurz vor 10 Uhr seien die Göttinger Polizisten am Bahnhof eingetroffen.

Dort hätten sie Zeugenaussagen aufgenommen, bei der Absperrung geholfen und den Zug durchsucht, so Metge. Es habe sich dabei aber schnell herausgestellt, dass keine Gefahr für Leib und Leben bestehe. Im Zug sei nichts Verdächtiges gefunden worden. Niemand sei verletzt worden. Und der Verdächtige sei auch nicht als Gefährder bekannt oder als gefährlich eingestuft. Daher sei es nur folgerichtig gewesen, den Mann in psychiatrische Betreuung zu übergeben. Auch das hätten Beamte der Polizei Göttingen übernommen.

Mann soll Mitreisende bedroht haben

Nach Angaben von Zeugen habe der Verdächtige im Zug vereinzelt Mitreisende angesprochen und diese mit seiner Wortwahl verängstigt oder gar bedroht, sagte Metge. Das habe sich wohl über eine ganze Zeit der Fahrt hingezogen. Einige Reisende hätten das nicht ernst genommen, andere aber schon. Am Ende habe dann eine verängstigte Frau den Notruf gewählt.

Einsätze wegen psychisch kranker oder verwirrter Menschen, die Drohungen aussprechen, gebe es immer wieder, sagte Metge. Die Besonderheit in diesem Fall sei der Ort, nämlich ein vollbesetzter Zug. „Das löst natürlich eine ganz andere Einsatzkette aus, als wenn das auf einer Party oder ähnliches passiert wäre.“ Dort hätte man eine solche Situation viel schneller unter Kontrolle.

Seien jedoch Züge oder ein Bahnhof betroffen, herrsche eine ganz andere Sensibilität, erklärte Metge. „Das sind potenzielle Anschlagsziele.“ Umso glücklicher seien er und seine Kollegen, wenn ein solcher Fall glimpflich ausgehe - wie am Sonnabend am Göttinger Bahnhof.

Ähnlicher Fall in Celle

Der Fall erinnert an einen ähnlichen Einsatz am Mittwoch in Celle. Dort hatte ein herrenloser Koffer in einem ICE von Hamburg nach Stuttgart einen Alarm ausgelöst. 500 Bahnreisende mussten ihre Fahrt ebenfalls unterbrechen. Später stellte sich heraus, dass der Koffer leer war.

„Die Menschen sind aufmerksamer geworden und melden verdächtige Personen und Gegenstände häufiger als früher“, sagte Ristow gegenüber dem Göttinger Tageblatt, „und das ist gut so.“ Wem etwas Außergewöhnliches auffällt, der solle sich nicht scheuen, die Polizei anzurufen. Jeder Fehlalarm sei besser als ein nicht verhinderter Erstfall mit schlimmen Folgen.

Ulrich Schubert: Tel.: 0551/901731, Mail: u.schubert@goettinger-tageblatt.de; Twitter: @goeschubi, Facebook: Goeschubi GT

Andreas Fuhrmann: Tel.: 0551/901701, Mail a.fuhrmann@goettinger-tageblatt.de; Twitter: @elba79

Von Ulrich Schubert und Andreas Fuhrmann

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