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Göttingen Ich spar’ nicht, spar’ du doch
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19:04 23.03.2012
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Göttingen

Bürgerdialog zum Zukunftsvertrag: Klingt sperrig, könnte sich aber unter anderem Namen wie zum Beispiel „Ich spar’ nicht, spar’ du doch“ als neues Gesellschaftsspiel etablieren. Eine Art Anti-Monopoly. Es geht eben nicht darum, möglichst viel Geld für Straßen, Häuser und Hotels auszugeben und auf die Rendite dieser Investition zu hoffen.

Nein, Ziel ist es, möglichst viel Geld zusammenzusparen. Und jetzt der Clou: Man nimmt dafür nicht das eigene, sondern das der Mitspieler. Jeder kann Vorschläge machen, bei wem der Rotstift angesetzt werden soll. Und jeder darf die Vorschläge der anderen bewerten. Gewonnen hat, wer am Ende die schönsten Ideen hatte, ohne selbst weggespart worden zu sein. Als Preis winkt ein Sack Geld vom Land Niedersachsen. Allerdings nicht dem Gewinner, sondern dem Ausrichter des Spiels.

Tausende Bürger machen mit

In Göttingen war das Spiel in den vergangenen vier Wochen jedenfalls der Renner, tausende Bürger haben mitgemacht. Jetzt ist die erste Runde vorbei, und wir warten auf die Auswertung. Wer lieferte die schönsten Ideen? Die Stadtverwaltung selbst hatte jedenfalls schon mal die meisten. Aber waren das auch die kreativsten? Werfen wir noch mal einen Blick aufs Spielfeld (zu finden unter zukunftsvertrag.goettingen.de). Da sind zunächst einmal die Klassiker zur Spieleröffnung: Mit neuen oder erhöhten Abgaben in das Geldsäckel der Mitspieler greifen. Wie wäre es mit Steuern auf Fahrräder, Reitpferde oder Autos, die teurer sind als 30 000 Euro? Je nachdem, womit der Mitspieler gerade unterwegs ist. Geschicktes Manöver. Und wenn man ihn gerade auf dem Weg ins Theater erwischt, zack! Hauen wir ihm eine zusätzliche Abgabe auf Theater-Abos um die Ohren.

Eine ganz andere Strategie verfolgen all jene, die einfach versuchen, alles zu versilbern, was ihnen nicht gehört und was sie auch nicht brauchen können. Altpapier zum Beispiel, Kanaldeckel, den Stadtwald oder sogar die gesamte Stadtverwaltung. Das ist kreativ und nach den Regeln des Spiels als Vorschlag erlaubt. Ein bisschen zu weit geht es dagegen, das Gänseliesel verkaufen zu wollen. Pfui, dann doch lieber Lichtenberg.

Alles einsteigen, los geht‘s

Und dann gibt es da noch das lustige Spar-Karussell. Populäres Beispiel dafür sind die Göttinger Freibäder: Alles einsteigen, los geht‘s. Wir sparen in Weende. Nein! Im Brauweg. Nein! Warum denn nicht in Grone. Weende, Brauweg, Grone, … Mit Kultureinrichtungen funktioniert das Spiel übrigens auch sehr schön. Apropos Kultureinrichtungen. Das gab es  beim Jungen Theater einen glatten Regelverstoß. Doppelpfui. Da schlagen die doch glatt vor, 20 000 Euro bei sich selbst zu sparen. So geht das nicht. Man kann die Motivation ja durchaus verstehen. Immerhin schwebt der Vorschlag der Theaterfusion als dunkle Wolke über der Bühne. Aber wo kommen wir denn da hin, wenn jeder bei sich selber sparen würde?

Ein prominenter Mitspieler hat das Prinzip des Spiels da deutlich besser verinnerlicht. Bürgermeister Ulrich Holefleisch (Grüne) werden sogar noch Chancen auf den Gesamtsieg eingeräumt, obwohl sein Vorschlag nach Abschluss der Bürgerdialog-Runde einging. Er dachte sich: Ich fahre Fahrrad, also wäre es doch grandios, meine autofahrenden Mitspieler an der Eiswiese und am Jahnstadion mit Parkgebühren zu ärgern. So geht das.

Wochenende für Sparfüchse

Wenn auch Sie, liebe Leser, sich mal als Sparfuchs versuchen wollen, hier ein paar Tipps zum „Ich spar’ nicht, spar‘ du doch“-Wochenende:  Los geht es am heutigen Sonnabend mit dem Ostermarkt vor dem Alten Rathaus. Warum nicht eine Eier-Steuer einführen? Davon gibt es derzeit in Deutschland ohnehin nicht genug, wie diese Woche zu erfahren war. Schön vor allem für all diejenigen, die sich noch ein eigenes Huhn halten – oder nicht auf Ostermärkte stehen.

Wer sich stattdessen lieber an einer der unzähligen Frühlingsputzaktionen im Landkreis, zum Beispiel in Rosdorf, beteiligen will: aufgepasst. Vielleicht beteiligt sich ja auch die Gemeinde am Anti-Monopoly. Andererseits: Vielleicht findet sich dabei das ein oder andere Pfandfläschlein, das sich versilbern lässt. Wer aber partout nicht sparen will: Ab zum Lutteranger, da ist verkaufsoffener Sonntag. Aber nicht vergessen, vorher über Los zu gehen.

Von Markus Scharf und Andreas Fuhrmann

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