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Göttingen „Ich war sofort in sie verschossen – bis heute“
Die Region Göttingen „Ich war sofort in sie verschossen – bis heute“
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18:46 27.07.2011
Von Andreas Fuhrmann
Seit 60 Jahren glücklich verheiratet: Annedore und Günter Blume.
Seit 60 Jahren glücklich verheiratet: Annedore und Günter Blume. Quelle: Hinzmann
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Geismar

Den beackern sie zwar seit einigen Jahren nicht mehr, doch ihren Balkon, von dem aus sie bei gutem Wetter bis zum Gaußturm schauen können, hegen und pflegen sie weiterhin. Hier blühen sie noch, die Blumen der Blumes – genauso wie ihre Ehe. Heute feiert das Paar diamantene Hochzeit.

Ihre Liebe wuchs mit der Zeit. Schon als Kinder spielten Annedore und Günter miteinander, als Nachbarn in der Geismar Landstraße. Dann zog Annedore weg, und sie verloren sich aus den Augen. Erst kurz nach dem Krieg brachte sie ein Zufall wieder zusammen. Wiederum in Göttingen. „Ich wusste es sofort: Das ist die Frau meines Lebens. Ich war sofort in sie verschossen – bis heute“, erinnert sich Günter Blume an das Aufeinandertreffen. „Oh ja“, sagt seine Frau nur und lächelt.

Bis zur Hochzeit aber vergingen noch ein paar Jahre, die sie oft zusammen oder mit den zwei besten Freunden von Günter verbrachten. Sie gingen spazieren, tanzen, genossen das Leben. „Kurz nach dem Krieg, das war die schönste Zeit“, erzählt Annedore Blume. „Alles war so zwanglos, so unbeschwert.“ Nebenbei legte sie ihre Prüfung zur Bürokauffrau ab, er zum Polsterer und Dekorateur. Immer wieder spielte Günter in diesen Jahren seiner Auserwählten etwas auf der Ziehharmonika vor. „Damit habe ich sie gelockt“, sagt er. Und dann fasste er, der immer so schüchtern war, sich ein Herz und machte ihr einen Antrag. „Ich habe ja gesagt. Man konnte sich einfach auf ihn verlassen. Bei ihm habe ich mich sicher gefühlt“ erinnert sich Annedore Blume.

Die ersten Jahre waren schwierig. Günter Blume war anfangs arbeitslos, musste sich mit Aushilfstätigkeiten etwas dazuverdienen. „Er hat alle Kinos mitgeholfen zu restaurieren und bei der Filmaufbau mit dekoriert“, erzählt seine Frau, die als Buchhalterin in Lohn und Brot stand. Erst 1954 fand ihr Mann eine Anstellung und arbeitete fortan beim Möbelhaus Gudenberg.

Die Natur ließ die beiden aber auch in den Folgejahren nicht los. Viel Zeit verbrachten sie mit ihren Kindern Karin und Reinhardt in ihrem Schrebergarten in der Gartenkolonie Lange Bünde, bauten Gemüse an und saßen und feierten mit ihren Nachbarn zusammen. „Gemütliche Abende. Das war immer sehr schön“, erzählt Annedore Blume und kramt alte Fotos hervor, während ihr Mann Wellensittich Hänschen füttert, der auf seine Schulter geflattert ist. Ohnehin seien ihnen die Freunde immer sehr wichtig gewesen. Mit ihnen unternahmen sie Reisen nach Ungarn und Österreich, und im Sommer ging es zum Zelten nach Dänemark. Auch jetzt noch treffen sie sich regelmäßig mit vielen von ihnen.

So wird es wohl auch heute sein, wenn die diamantene Hochzeit gefeiert wird. Wie, das sei allerdings eine Überraschung, sagt Annedore Blume. „Wir sollen uns um nichts kümmern, hat unsere Tochter gesagt.“ Eines aber dürfte klar sein: Sie werden viele Blumen bekommen, die Blumes.