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Göttingen Illegales Nachtbaden in Freibädern der Region
Die Region Göttingen Illegales Nachtbaden in Freibädern der Region
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22:06 16.08.2012
Von Andreas Fuhrmann
Spot an: Im Weender Freibad überrascht Schwimmmeister Horst Albrecht die Nachtschwimmer gerne mal mit Scheinwerferlicht. Quelle: SPF
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Göttingen

Einige haben sogar Tricks auf Lager, um die ungebetenen Gäste zu verscheuchen. Denn auch wenn es für viele ein Spaß ist. Das nächtliche Einsteigen ins Bad ist Hausfriedensbruch – und vor allem alkoholisiert extrem gefährlich. Im Rosdorfer Freibad ist dabei vor vielen Jahren sogar ein junger Mann ertrunken. Rosdorfs Schwimmmeister Detlev Haberlandt erinnert sich daran noch ganz genau. „Da war ich nämlich noch ziemlich neu hier“, sagt er. Einige Jungs waren damals teils betrunken nachts in die Becken gesprungen – auch vom Dreier. „Und plötzlich fehlte einer“, sagt Haberlandt. „Das war schon schlimm.“

„Das ist eine potenzielle Gefahr.“

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Dergleichen ist zwar seitdem in der Region nicht wieder passiert, dennoch warnt Haberlandt eindringlich davor, nachts in ein Freibad einzusteigen. „Es ist ein Risiko, hier nachts zu schwimmen“, betont er. Zum einen sei der Beckenboden nicht zu sehen. Zum anderen reinigten in der Nacht elektrische Sauger die Becken. „Das ist eine potenzielle Gefahr.“

Trotz dieser Risiken seien auch in dieser Saison schon wieder einige Nachtschwimmer im Bad gewesen und sogar auf die Sprunganlage geklettert. „Die Nachbarn hören es dann laut platschen“, sagt Haberlandt. Immerhin werde in der Regel nichts kaputt gemacht. Dennoch: „Das ist immer noch Hausfriedensbruch. Das wird so geahndet und kommt auch so zur Anzeige“, betont Haberlandt. Früher habe die Polizei sogar einen Schlüssel fürs Bad gehabt und nachts nachgeschaut. „Das ist jetzt aber nicht mehr so.“

Mit der Polizei hat auch Horst Albrecht, Schwimmmeister im Weender Freibad, bisweilen zu tun – unverschuldet, versteht sich. Die Beamten klingeln dann nachts bei ihm und fragen: „Da sitzen welche auf dem Zehn-Meter-Turm, ist das normal?“ Dreimal sei das in diesem Jahr schon vorgekommen. „Das ist natürlich gefährlich, wenn die da runterspringen. Das kann ins Auge gehen“, sagt Albrecht.

„Es ist absolut lebensgefährlich, nachts alkoholisiert schwimmen zu gehen“

Nachtschwimmer wagen sich jedes Jahr ins Weender Bad. „Dann finde ich morgens mal eine Bier- oder Sektflasche“, erzählt der Schwimmmeister. „Wenn ich es mitkriege, schreite ich ein, ich wohne ja direkt am Bad. Solange nichts kaputt geht, belassen wir es bei einer Ermahnung. Ansonsten gibt es eine Anzeige.“ Bei betrunkenen Nachtschwimmern kenne er aber kein Pardon. „Es ist absolut lebensgefährlich, nachts alkoholisiert schwimmen zu gehen“, sagt Albrecht.

Mehr Mitgefühl hat er mit Liebespärchen – aber auch denen verleidet er das Vergnügen, wenn es allzu laut wird. Am Zehn-Meter-Turm sind nämlich zwei Scheinwerfer montiert. „Und ich habe einen geheimen Schalter. Dann schleiche ich mich raus und mache das Licht an. Dann sehen Sie auch mal einen nackten Hintern“, sagt Albrecht und lacht.

„Ganz lieb“ entschuldigt

Rolf Nietzold kennt diese kleinen Tricks. Doch seinen will der Schwimmmeister des Freibads am Brauweg, der ebenfalls direkt am Bad wohnt, nicht verraten. Aber von Liebespärchen, „die schwimmen und ein bisschen knutschen“ und anderen Nachtschwärmern kann er ebenfalls berichten. Wenn es allerdings laut wird, schreite er ein und rufe die Polizei, sagt Nietzold. So kam es, dass die Polizei nachts eine Gruppe Studenten, einige davon Juristen, im Freibad erwischte. „Die waren natürlich dann kleinlaut, weil sie Angst um ihre berufliche Zukunft hatten“, erinnert sich Nietzold. Sie seien am nächsten Tag ins Bad gekommen und hätten sich „ganz lieb“ entschuldigt. „Ich habe dann ein Auge zugedrückt.“

Auch Manfred Schrickel drückt hin und wieder ein Auge zu, wenn er Nachtschwimmer im Dahlenröder Freibad ertappt. „Ich höre das, wir wohnen ja direkt neben dem Bad“, sagt der Ortsbürgermeister des Dorfes der Gemeinde Rosdorf. Er schnappt sich dann seine Taschenlampe, geht rüber und klärt die Angelegenheit mit den meist jungen Besuchern. „Zweimal war das diesen Sommer so, aber das ist völlig harmlos“, sagt Schrickel. Kaputt gemacht werde ohnehin nie etwas. „Die wollen hier ja auch tagsüber wieder schwimmen.“

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