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Die Region Göttingen Im Stadtgebiet Göttingen beginnt das große Auffegen
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19:41 12.01.2011
Schwarzer Belag auf schmuddeligem Schnee: die letzten Splitt-Reste in der Göttinger Innenstadt.
Schwarzer Belag auf schmuddeligem Schnee: die letzten Splitt-Reste in der Göttinger Innenstadt. Quelle: Hinzmann
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Frank Deppe, bei den Entsorgungsbetrieben für Straßenreinigung und Winterdienst zuständig, sieht das mit gemischten Gefühlen: „Viele Anrufer haben sich bei uns über das viele Streugut in der Stadt beschwert. Andererseits kann nächste Woche schon wieder Winter sein, da könnten wir den Splitt noch gebrauchen.“


Gestern Morgen war das Kehrfahrzeug in der Südstadt unterwegs. Angesichts des in diesem Winter in großen Mengen verstreuten Splitts, sagt Deppes Kollege Wolfgang Lindner, „bitten wir um Verständnis, dass das nicht innerhalb von drei oder vier Tagen geht“. 300 Tonnen Splitt haben die Entsorgungsbetriebe in diesem Winter in der Stadt verteilt, der Auffangbehälter des Kehrfahrzeuges fasst nur einen Kubikmeter.

Wiederverwenden können die Entsorgungsbetriebe die schwarzen Steinchen nicht. Dafür müssten sie aufwendig und mit sehr hohem Energieaufwand gereinigt werden. Zusammen mit dem Transport zu einer Recycling-Firma liegt die Öko-Bilanz einer solchen Prozedur „ganz weit hinten“, meint Lindner.

Lindner weiß auch, was mit dem scharfkantigen Kehrgut geschieht, das in den vergangenen Wochen die Glättegefahr in Göttingen bannte: „Der Splitt wird nach Sondershausen gefahren und dient dort zur Abdeckung einer stillgelegten Kalihalde.“ Und das ist nicht gerade wenig.

Den von den Entsorgungsbetrieben oder auch den von ihnen selbst gestreuten Splitt dürfen die Bürger nicht nur aufkehren, sie müssen es sogar – aber nur dort, wo die Stadt den Straßenreinigungsdienst nicht übernimmt. „Das“, meint Lindner, „ist in erster Linie in den äußeren Ortsteilen der Fall.“ Die Beseitigung fällt unter die Straßenreinigungspflicht. Wer will, darf den zusammengefegten Splitt auch wiederverwenden.

Keine Entsorgungsprobleme hat die Straßenmeisterei des Landkreises Göttingen – sie hat in diesem Winter keinen Splitt gestreut. In den meisten ländlichen Dörfern müssen die Anlieger die von den Gemeinden gestreuten Steinchen von der Straße fegen. Die Bürger könnten das Material gerne sammeln und wieder nutzen, sagt Erwin Große, Verwaltungsvertreter der Samtgemeinde Radolfshausen. Im Bereich der Gemeinde Gleichen, sagt Bauamtsleiter Friedhelm Große, sei seit Weihnachten kein Salz und Splitt mehr gestreut worden, „weil schlicht nichts mehr da war“.

Von Matthias Heinzel und Ulrich Schubert

Kommentar von Matthias Heinzel

Ist doch prima: Die Stadt streut, der Bürger fegt ein bisschen Splitt zusammen und kann ihn für eigene Zwecke wiederverwenden. Schlimmstenfalls wirft man das Kehrgut in einen Wassereimer, schöpft den Dreck oben ab und nimmt die Steinchen wieder heraus. Das ist billiger, effektiver und umweltfreundlicher, als beim nächsten Frost eilig zum Baumarkt zu fahren, um für teures Geld das wenig wirksame Streusalz alle zwölf Stunden zu verstreuen.

Wenn man sich in der Stadt umhört, vernimmt man jedoch oft andere Töne. Nämlich lautes Geschimpfe über die angeblich unfähigen Entsorgungsbetriebe, die es erst nicht schaffen, ausreichend zu streuen und dann die Splittmassen wegzuräumen.

Das dürften dann in etwa die gleichen Zeitgenossen sein, die sich im nächsten milden Winter wegen der großen Streugutvorräte, der vielen Stellen und der teuren Gerätschaften im Winterdienst über die Verschwendung von Steuern aufregen. Vielleicht kann man ja mal anerkennen, dass Winterdienst und Straßenreinigung in diesem Extremwinter einen sehr guten Job gemacht haben.