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Göttingen Im Visier wegen fingierter Unfälle
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19:22 18.09.2012
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa
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Göttingen

Am Dienstag wurden die Polizeibeamten vernommen, die vom Mitangeklagten Marwin O. schwer beschuldigt worden waren. Die Polizisten, so hatte O. behauptet, hätten ihm alle belastenden Aussagen gegen Nasreddine vorgesagt. Die Beschuldigten stellen die Vernehmung O.s aber anders dar – völlig ordnungsgemäß.

Nachvollziehbar schilderten die beiden 47 und 55 Jahre alten Kriminalbeamten, wie sie auf O. als den Mann kamen, den der erpresste Lottomillionär als Mittäter beschrieben hatte. Demnach wurde nämlich sowohl gegen O. als auch gegen den Kickboxer bereits bei der Polizei ermittelt. Beide standen im Verdacht, an fingierten Verkehrsunfällen beteiligt gewesen zu sein. O. war in einem Fall Fahrer eines Leihwagens, der unter mysteriösen Bedingungen der damaligen Lebensgefährtin Nasreddines aufgefahren war.

Drei weitere Unfälle waren den Beamten verdächtig vorgekommen. Als sie hörten, wie der Lottomillionär den markant aussehenden Mittäter beschrieb und dass dieser auf der Fahrt zum Wendebachstausee, wo Bedrohung und Erpressung stattgefunden haben sollen, an der Reinhäuser Landstraße eingestiegen war, kombinierten sie: O. gleicht der Beschreibung, hat Kontakt zu Nasreddine und wohnt in der Nähe des Einstiegsortes.

O. war am 22. Dezember 2011 aufgesucht worden und soll schon nach der ersten Belehrung zugegeben haben, auch am Wendebachsee dabei gewesen zu sein. Tags darauf habe er seine Beteiligung den Beamten auf Band gesprochen. Später behauptete er, alles, was mitgeschnitten wurde, sei ihm von den Polizisten vorgegeben worden. Die jedoch schilderten als Zeugen übereinstimmend den Ablauf als regulär.

Die Verteidiger freilich bemühten sich, etliche Details der Vernehmung als nicht vorschriftsgemäß darzustellen, etwa, dass die Abschrift nie unterschrieben wurde. Auch fehle in der Akte jeder Hinweis, dass O. an zwei Tagen vernommen wurde. Belege für die Einflussnahme auf die Aussage fanden sich aber nicht.

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