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Göttingen Immer mehr Rentner im Landkreis Göttingen sind auf die Tafel angewiesen
Die Region Göttingen Immer mehr Rentner im Landkreis Göttingen sind auf die Tafel angewiesen
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07:59 06.10.2019
Mitarbeiter der Osteroder Tafel beim Beladen eines Lieferfahrzeugs Quelle: Mark Haertl
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Göttingen

Der Dachverband der deutschen Tafeln für Bedürftige schlägt Alarm wegen eines dramatischen Anstiegs der Nutzer. Der scheint sich allerdings auf die Ballungsräume zu konzentrieren. Bei den Tafeln in den Landkreisen Göttingen und Northeim gibt es eher Probleme, Menschen zu erreichen, die Hilfe benötigen.

Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Menschen in Deutschland, die die Lebensmittel-Angebote der Tafeln nutzen, um zehn Prozent gestiegen – auf etwa 1,65 Millionen Menschen. Dramatisch ist die Entwicklung bei den Senioren. Dort gibt es einen Anstieg um 20 Prozent – Tendenz steigend. „Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wucht überrollen“, warnt der Vorsitzende von Tafel Deutschland e.V. Jochen Brühl.

Stadtbus-Aus bremst Senioren aus

Den Anteil der Rentner und Frührentner schätzt Rosemarie Münnich, stellvertretende Vorsitzende der Tafel Osterode mit Ausgabestellen auch im Eichsfeld, auf bis zu ein Drittel. In Osterode hätten ältere Kunden mit Rollatoren große Probleme, die Ausgabestelle zu erreichen, seit der Stadtbus eingestellt worden sei. Auch der Mittagstisch sei deshalb eingeschlafen: „Wir tun, was wir können und fahren auch mit Privatautos zu den weitläufig gestreuten Leuten, können das aber nicht für das ganze Umland leisten.“ „Viele Supermärkte stellen uns Waren zur Verfügung, aber wir bräuchten eigentlich mehr Kunden, haben schon die Kirchen um Untersützung gebeten“, sagt Münnich. Viele Ältere, die eigentlich Bedarf hätten, seien zu stolz, um Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Das bestätigt Karsten Keune, Betriebsleiter der Northeimer Tafel: „Viele Senioren klagen mir ihr Leid, kommen aber nicht mit dem Rentenbescheid zur Anmeldung, weil sie sich nicht trauen oder schämen.“ Insgesamt gebe es nur einen leichten Anstieg an Tafel-Kunden, derzeit etwa 900. Um die 100 Kunden würden stets kommen, wenn Verkauf ist, in der Ausgabestelle in Nörten-Hardenberg seien es einmal wöchentlich etwa 30 Einkäufer.

Seit Jahren stagnierende Zahlen, aber einen auf etwa 50 Prozent angestiegenen Rentneranteil vermeldet Peter Martin, Vorsitzender der Mündener Tafel: „Immer mehr Menschen kommen mit ihrer Rente nicht mehr über die Runde.“ Mit Familien würden 400 bis 500 Menschen erreicht, bis zu 100 zu den Ausgaben zwei mal pro Woche kommen: „Am Monatsende, wenn die Rente aufgebraucht ist, werden es mehr.“

„Rente reicht vorne und hinten nicht“

Keinen erhöhten Anteil älterer Menschen kann Moritz Wiethaup feststellen. Wiethaup ist seit August Geschäftsführer der Göttinger Tafel, die mehr als 1200 Menschen versorgt. Seiner Einschätzung zufolge ist der Anteil an Rentnern und Frührentnern mit schmaler Rente, die „vorne und hinten nicht zum Leben reicht“, seit Jahren relativ stabil. Es gebe kaum noch Unterschiede zu Hartz IV-Empfängern als ursprünglicher Zielgruppe. Die Zahl der Geflüchteten, die die Zusammensetzung der Kundschaft verändert hätten, sei wieder abgeebbt. Den Anteil der Kunden mit noch relativ frischem Migrationshintergrund schätzt Wiethaup auf etwa 30 Prozent.

Probleme mit ehrenamtlichen Helfern wie oftmals im ländlichen Raum

Wie hier bei Edeka Köhler im Salinenweg werden von der Göttinger Tafel Lebensmittel abgeholt, die nicht mehr verkaufsfähig, aber noch essbar sind. Quelle: Hinzmann

gebe es nicht, sagt Wiethaup: „Aber auch wir könnten noch mehr Helfer gebrauchen.“ Derzeit reiche die Helferzahl in Hann. Münden noch aus, sagt auch Martin: „Rund 40 Helfer sind eine ganze Menge für eine kleine Tafel, der Altersdurchschnitt ist allerdings hoch.“ „Im Gegensatz zu Göttingen haben wir in Osterode immer wieder einen Mangel an Helfern, insbesondere bei Jüngeren gibt es wenig Hilfsbereitschaft“, berichtet Münnich. Hauptarbeit sei das Einsammeln, Sortieren und der Transport, zwei Kühlwagen stets unterwegs, die Betriebskosten hoch: „Es ist schwierig, den status quo zu halten.“

Landesverbandstreffen der Tafeln in Göttingen

Die Göttinger Tafel richtet am Sonnabend, 26. Oktober, das Landesverbandstreffen der Tafeln aus Niedersachsen und Bremen aus. Das Treffen beginnt um 10 Uhr im Gemeindesaal von St. Michael, teilt der Göttinger Tafel-Geschäftsführer Moritz Wiethaup mit. Der Landesverband der Tafeln in Niedersachsen und Bremen e. V. besteht seit März 2009. Die Tafeln zielen darauf ab, Bedürftige mit qualitativ einwandfreien Lebensmitteln zu versorgen, die aber im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können. Bundesweit gibt es inzwischen mehr als 920 Tafeln. Der Bundesverband beklagt, dass es vielen Tafeln an Geld für Kühlfahrzeugen und Lagerkapazitäten sowie Helfern mangele, während die Zahl der Nutzer steige. Vor allem Senioren, aber auch immer mehr junge Menschen seien auf die Unterstützung mit Lebensmitteln angewiesen. Bundesverbandsvorsitzender Jochen Brühl drängt wegen dieser Entwicklung auf finanzielle Unterstützung des Staates bei der Rettung und Verteilung von Lebensmitteln: „Das Ehrenamt kommt hier an seine Grenzen.“

Von Kuno Mahnkopf

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