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Göttingen Immer mehr missbräuchliche Anrufe bei Polizei und Feuerwehr
Die Region Göttingen Immer mehr missbräuchliche Anrufe bei Polizei und Feuerwehr
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16:17 30.06.2013
Von Britta Eichner-Ramm
In der integrierten Leitstelle von Stadt und Landkreis Göttingen gehen Notrufe unter 112 ein: Schichtführer Thomas Schneider am Apparat.
In der integrierten Leitstelle von Stadt und Landkreis Göttingen gehen Notrufe unter 112 ein: Schichtführer Thomas Schneider am Apparat. Quelle: Heller
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Göttingen

Allerdings würden diese nicht gesondert erfasst, sagt Polizeisprecher Joachim Lüther, der selbst 15 Jahre lang in der Einsatzzentrale Dienst versah. Mangels Statistik handle es sich deshalb auch lediglich um eine subjektive Einschätzung, sagt auch Thorsten Rath, Leiter der Integrierten Leitstelle des Landkreises und der Stadt Göttingen (ILS).

2012 gingen über die Notrufnummer 112 etwa 64 000 Anrufe aus Stadt und Landkreis Göttingen ein, und auch unter dem Polizei-Notruf 110 klingelt es zwischen 66 000 und 84 000 Mal pro Jahr, schätzen Rath und Lüther. In den Landkreisen Northeim und Osterode liegt die Zahl der 110-Notrufe bei jährlich etwa 37 000.

„Am häufigsten sind fälschliche Notrufe in Folge von unbeachtetem Tastendrücken auf Handys und Telefonen oder schlicht durch einfaches Verwählen“, sagt Rath.

„Hier von Notrufmissbrauch zu sprechen wäre wohl ungerechtfertigt.“ Allerdings, betont der Leiter der bei der Göttinger Berufsfeuerwehr angesiedelten ILS, „bei einer konkreten Belästigung durch Notrufmissbrauch schalten wir zeitnah die Polizei ein.“

„Im schlimmsten Fall auch eine Haftstrafe“

Zwar komme es aufgrund der Erfahrung der Disponenten in der ILS nur selten dazu, dass Einsatzkräfte in Folge eines Notrufmissbrauchs zu einer angeblichen Einsatzstelle fahren, meint Roth. Gleichwohl stünden in solch einer Situation die Einsatzkräfte bei tatsächlichen Notfällen nicht zur Verfügung. Somit sei „Notrufmissbrauch kein Kavaliersdelikt“ und gehöre strafrechtlich verfolgt, so Rath.

Die Mitarbeiter der Einsatzleitstellen von Polizei und Feuerwehr hätten im Allgemeinen „ein dickes Fell“, formuliert es Lüther. Doch spätestens wenn der Dienstbetrieb gestört werde, sei die Grenze überschritten. Dann drohe „eine Anzeige wegen Missbrauchs von Notrufanlagen“ und „im schlimmsten Fall auch eine Haftstrafe“.

„In aller Regel enttarnen sich falsch Meldende schnell“, erläutert Rath, „so dass ein Hinweis auf ihr Fehlverhalten häufig die nötige Einsicht bringt und weitere Notrufe unterbleiben“. Lüther weist darauf hin, dass grundsätzlich alle Notrufe identifizierbar seien. „Das gilt auch für Mobiltelefone.

Selbst der Standort einer öffentlichen Telefonzelle ist in Sekunden feststellbar“, sagt der Polizeisprecher und erinnert sich an einen Fall, als Telefonzellen noch sehr verbreitet waren. „Kinder hatten aus einer Zelle angerufen, ihre Stimme verstellt und einen Straftatbestand vorgegaukelt.

Oft spielt Alkohol eine erhebliche Rolle

Noch bevor die Kinder die Zelle verlassen konnten, stand ein Streifenwagen davor und nahm sie in Empfang.“ In Gegenwart der Eltern sei mit ihnen ein „ermahnendes Gespräch“ geführt worden. Lüther: „Diese Kids haben keinen Notruf-Missbrauch mehr betrieben.“

Nach Raths Einschätzung würden „in deutlicher Mehrzahl“ Kinder falschen Notrufe tätigen. Oft komme es vor Schulbeginn, häufiger jedoch noch unmittelbar nach Ende des Schulbetriebes zu einer „Häufung von Fehlanrufen“.

In der Polizei-Leitstelle machten die Beamten darüber hinaus die Beobachtung, dass an Wochenenden „grundsätzlich immer mehr Betrieb“ sei und die Anzahl der Anrufe steige. Wenn darüber hinaus noch sommerliche Temperaturen herrschten oder ein Fest stattfinde, so Lüther, mache sich das immer bemerkbar.

„Nicht selten spielt beim Anrufer der Alkohol eine nicht unerhebliche Rolle“, ergänzt er. Die Palette der Sprüche oder Ausreden, welche die Mitarbeiter mitunter zu hören bekommen, reicht laut Lüther „von einem ,Entschuldigung verwählt‘ bis zu Kindergekicher“.