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Göttingen Industrieschnee rieselt auf Göttingen herab
Die Region Göttingen Industrieschnee rieselt auf Göttingen herab
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18:59 15.11.2011
Von Andreas Fuhrmann
Weiß wie Schnee, aber viel feinkörniger: „Industrieschnee“, gestern fotografiert auf dem Göttinger Stadtfriedhof. Quelle: Hinzmann
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Sollte man also vorsichtshalber schon mal den Schneeschieber aus dem Keller holen? Noch nicht, gibt Matthias Hans, Leiter der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes in Geismar, vorerst Entwarnung. Bei dem jetzt aufgetretenen Phänomen handele es sich nicht um echten Schnee, sondern um sogenannten Industrieschnee. Gestern trat der vor allem im Ostviertel, in der Südtstadt und in Grone auf.

Industrieschnee werde durch Emissionen von industriellen Anlagen (Wasserdampf oder Rußpartikel) hervorgerufen und bilde sich in der Hochnebeldecke, erklärt Hans. Eine Inversionswetterlage (obere Luftschichten sind wärmer als die unteren), geringe Luftbewegungen und Temperaturen um den Gefrierpunkt seien weitere Bedingungen für das Auftreten dieses Phänomens. Industrieschnee sei feinkörniger als normaler Schnee und trete meist nur örtlich begrenzt auf. Er könne mit mehr Schadstoffen belastet sein als herkömmlicher Schnee.
Auch der Reif überzieht derzeit Bäume, Straßen und Autos mit einem zarten Weiß – und kann besonders für Auto- und Radfahrer gefährlich werden. „Die Reifglättegefahr ist derzeit sehr hoch“, warnt Hans. Reif trete besonders nachts bei Temperaturen unter null Grad auf. Bei klarem Wetter bilde sich der sogenannte Strahlungsreif, bei Nebel Raureif. Beides verstärke die Reifglätte, die entstehe, wenn bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit die Temperatur des Straßenbelags bei unter null Grad liege. Dadurch könne Feuchtigkeit anfrieren. Blätter auf den Straßen würden die Gefahr von Reifglätte noch verstärken, warnt Hans.

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Die erhöhte Gefahr registriert derzeit auch die Polizei. In den Landkreisen Northeim und Göttingen ereigneten sich in den vergangenen Tagen vermehrt Unfälle wegen Reifglätte. Am Montagmorgen kam ein 54-jähriger Northeimer bei Salzderhelden bei einem Glätte-Unfall ums Leben. Ebenfalls am Montagmorgen zog sich ein Autofahrer bei einem Glätteunfall auf der L 523 bei Bodensee schwere Verletzungen zu. Glück hatte dagegen eine junge Frau aus Hardegsen, die am Montag wegen Reifglätte auf der Kreisstraße zwischen Moringen und Iber mit ihrem Auto ins Schleudern geriet und gegen die Leitplanke prallte. Die 27-Jährige blieb unverletzt. Auch bei einem Unfall in Nörten-Hardenberg am Montagnachmittag in Höhe des Burghotels kamen die Fahrerin und ihre 14-jährige Beifahrerin mit dem Schrecken davon.

Acht Glätteunfälle verzeichnete die Göttinger Polizei allein gestern Morgen. Zum Glück sei dabei aber nur eine Person verletzt worden, sagte Polizeihauptkommissar Wolfgang Schrader. Ansonsten sei es bei Blechschäden geblieben. Die meisten dieser Unfälle hätten sich an Kreisverkehren ereignet – hier müsse man also besonders aufpassen.

Wetterexperte Hans warnt auch in den nächsten Tagen vor Reifglätte. „Es bleibt gefährlich, besonders nachts und morgens.“ Winterreifen seien spätestens jetzt Pflicht, eine vorsichtige Fahrweise unabdingbar. Das betont auch Schrader: „Glätte entsteht nicht erst bei Minusgraden.“ Er rät Autofahrern zu einer defensiven Fahrweise, besonders auf Brücken, in Waldstücken und in Senken. Außerdem sollte man abrupte Brems-, Beschleunigungs- oder Lenkmanöver vermeiden.