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Göttingen Info-Zentrum für das Harzhorn soll in vier Monaten fertig sein
Die Region Göttingen Info-Zentrum für das Harzhorn soll in vier Monaten fertig sein
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12:49 27.03.2014
Von Matthias Heinzel
Aus Eichenholz und Metall: Spitze Formen und enge Gänge sollen das Kampfgeschehen symbolisieren.
Aus Eichenholz und Metall: Spitze Formen und enge Gänge sollen das Kampfgeschehen symbolisieren. Quelle: K17/Steingräber
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Harzhorn/Northeim

2008 wurde das Schlachtfeld im Wald des Harzhorns nordöstlich von Kalefeld im Landkreis Northeim entdeckt. Der Fund war eine Sensation, war doch zuvor nicht bekannt, dass sich römische Truppen im 3. Jahrhundert in Germanien noch nördlich des Limes aufhielten. Nach den Wissenschaftlern sollen jetzt auch andere Besucher den Ort des Geschehens kennenlernen.

Dazu soll noch vor dem Beginn der großen Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“ im Landesmuseum Braunschweig ein Informationsgebäude fertiggestellt werden – in gut vier Monaten also.

Der futuristische Bau auf dem Feld oberhalb der Bundesstraße 248, entworfen von dem Uslarer Architektenbüro K 17 – Steingräber, soll aus Eichenholz und goldfarbenem Metall bestehen. Die Gestaltung setze Motive aus Schlacht, Gewalt und Krieg in Architektur um, erläutert K-17-Architekt Tim Grimme.

Stromversorgung bereitet noch Probleme

Aufeinander zulaufende Wände und extrem spitz aufragende Formen sollen an die Beengtheit einer im Wald mit Speeren und Pfeilbolzen ausgetragenen Schlacht erinnern. Metall und Holz repräsentierten dabei die unterschiedliche Materialkultur von Römern und Germanen. Eine Aussichtsplattform eröffne den Blick ins Tal, von wo aus die Römer vermutlich heranzogen.

Direkt am historischen Harzhorn-Schlachtfeld, wo sich vor knapp 1800 Jahren Römer und Germanen massakrierten, soll ein futuristisches Info-Zentrum entstehen. Die Northeimer Kreisverwaltung und ein Uslarer Architektenbüro stellten die Pläne vor. © K17/Steingräber

Für Petra Lönne, Entdeckerin des Harzhorn-Schlachtfelds, ist der K17-Entwurf „absolut gelungen und faszinierend“. Mit etwa 600 000 Euro wollen die Planer auskommen, erläuterte Northeims Landrat Michael Wickmann gestern. Die niedersächsische Kultur- und Denkmalpflege steuert 200 000 Euro bei.

100 000 Euro sollen vom Wissenschaftsministerium kommen, weitere Beträge von Sparkassen und der Bingo-Stiftung.

Größtes derzeit noch ungelöstes Problem sei die Stromversorgung, erklärte Ralf Buberti, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt in der Northeimer Kreisverwaltung. Das Projekt ist Teil eines Drei-Stufen-Plans. Das jetzt vorgestellte Info-Zentrum werde aber auch ohne die beiden weiteren Ausbaustufen dauerhaft funktionieren.

Während im Landkreis Northeim die Pläne zur Erschließung des Harzhorn-Schlachtfeld konkrete Formen angenommen haben, liegen entsprechende Schritte der Göttinger Kreisverwaltung für das Römerlager bei Hedemünden auf Eis. „Zurzeit gibt es keine Pläne“, erklärt  Landkreis-Sprecher Marcel Riethig auf Tageblatt-Anfrage.

Frühere, ziemlich weitreichende Planungen waren an zu hohen Kosten gescheitert. In einem südniedersächsischen Großkreis könnte allerdings noch einmal neu nachgedacht werden, sagt Riethig.

► Kommentar: Man darf gespannt sein

Irgendwie kaum zu glauben: Jahrelang versucht sich der Landkreis Göttingen an ebenso hochfliegenden wie nicht finanzierbaren Plänen zur touristischen Erschließung seines Römerlagers Hedemünden, und nebenan stellt der Landkreis Northeim innerhalb kurzer Zeit ein nicht nur überzeugendes, sondern offenbar auch noch finanzierbares Harzhorn-Konzept auf die Beine.

Noch erstaunlicher: Die Beteiligten sind überzeugt, die Einrichtung bis zur Eröffnung der Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ Anfang September im braunschweigischen Landesmuseum fertigstellen zu können. Wenn das klappen sollte, wäre der Northeimer Kreisverwaltung, den Planern und den Architekten ein nicht zu unterschätzendes Meisterstück gelungen, erdacht und realisiert in der Region.

Man darf gespannt sein, ob das gelingt – sehr gespannt. Unterstützung verdient hat das Projekt allemal.

Matthias Heinzel