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Göttingen Barrierefreiheit bis 2023 an Schulen im Landkreis geplant
Die Region Göttingen Barrierefreiheit bis 2023 an Schulen im Landkreis geplant
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17:03 06.05.2019
Symbolfoto Quelle: dpa
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Göttingen

Ein Sternmarsch ist aus Anlass des Aktkionstages Mensch unter dem Motto „Mission Inklusion - die Zukunft beginnt mit Dir!“ in Göttingen am Dienstag, 7. Mai, geplant. Doch wie steht es insgesamt um die Inklusion in der Region? Eine Momentaufnahme.

Die Stadtverwaltung Göttingen führt ihre Baumaßnahmen in Schulen zur Inklusion im Zusammenhang mit anderen Bauarbeiten durch. Der Landkreis plant Barrierefreiheit bis Ende 2023. Das teilen die Sprecher der Verwaltungen mit.

Abstimmung mit der Behindertenkoordination

Eine detaillierte Erfassung der Investitionen für Maßnahmen zur Inklusionen gebe es nicht, teilt Dominik Kimyon, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung, mit. Diese Baumaßnahmen würden in aller Regel im Zusammenhang mit Sanierungen oder Neubau- und Umbauten durchgeführt. Die entsprechenden Investitionen seien jeweils in die Gesamtkosten integriert.

Bei öffentlichen Neubau- und Umbaumaßnahmen seien diverse Vorkehrungen zur Barrierefreiheit gesetzlich verpflichtend und müssten mit der Baugenehmigung nachgewiesen werden. Zusätzliche Maßnahmen zur Inklusion würden im Vorfeld immer mit der Behindertenkoordination abgestimmt. Gleiches gelte für Sanierungsmaßnahmen, bei denen kein Bauantrag gestellt werden müsse.

Der Fachbereich Schule der Stadtverwaltung stellt laut Kimyon den Schulen, die inklusiv beschulen, jährlich zusätzliches Geld zur Verfügung. Darüber hinaus finanziere die Stadt als Schulträgerin – anlassbezogen – die Anschaffung von Spezial-Lehrmittel beispielsweise für Schüler mit Seh- oder Hördefiziten sowie zum Kauf von besonderen Leuchtmitteln, Verkleidungen für Akustikdecken, Trennwänden und Ähnlichem. Die Aufwendungen dafür variieren zwischen 8000 und 40000 Euro jährlich. In die städtischen Förderschulen werde investiert, wenn es der Bedarf erforder, so Kimyon.

Aufgabe Barrierefreiheit

Laut der UN-Behindertenrechtskonvention zählt zu den Aufgaben des Landkreises, der Schulträger der Berufsbildenden Schulen im Kreisgebiet und der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen mit Ausnahme der Stadt Göttingen ist, sich um die „baulichen und sachlichen Aspekte, also die Barrierefreiheit von Gebäuden und deren Ausstattung“ zu kümmern, erklärt Landkreissprecher Ulrich Lottmann. Zudem gibt es laut Lottmann im Landkreis drei Förderschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: die Wartbergschule in Osterode (Förderschwerpunkte Lernen, Körperliche und motorische Entwicklung, Geistige Entwicklung und Sprache), die Schule am Auefeld in Hann. Münden (Förderschwerpunkte Lernen, Geistige Entwicklung) und die Pestalozzischule in Duderstadt (Förderschwerpunkte Lernen, zur Zeit mit Sondergenehmigung, und Sprache).

Investitionen in Schulgebäude

Zur baulichen Barrierefreiheit in den Schulgebäuden habe der Landkreis Göttingen 2012 eine Arbeitsgruppe zur Umsetzung der UN-Konvention eingerichtet. Seitdem investierte der Landkreis Göttingen laut Lottmann rund drei Millionen Euro in Schulen, Sportstätten und Verwaltungsgebäude, beispielsweise bei den BBS I Göttingen, der KGS Gieboldehausen, der Oberschule Dransfeld, den BBS Duderstadt, dem Schulzentrum Auf der Klappe in Duderstadt, den BBS Hann. Münden und der Werra-Realschule in Hann. Münden. Aktuell laufen die Planungen an der KGS Bad Lauterberg, am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Herzberg und der Oberschule Herzberg.

Die übrigen Liegenschaften des Landkreises sollen, so der Plan, bis zum Jahresende 2023 barrierefrei umgerüstet werden. Die Investitionen beziehen sich im Wesentlichen auf den Einbau von Personenaufzügen, Treppenliften, Behinderten-WC, barrierefreie Außenbereiche, Behindertenparkplätzen und die Umrüstungen von Flurtüren. Teilweise wurden Fachräume aus oberen Geschossen ins Erdgeschoss verlagert.

Situation am Arbeitsmarkt

Laut Auskunft der Arbeitsagentur Göttingen waren im April im Agenturbezirk, also in den Landkreisen Göttingen und Northeim, 733 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet (4,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat), im Landkreis Göttingen waren im April 542 schwerbehinderte arbeitslos gemeldet. Erfasst würden lediglich Menschen, die einen Grad der Schwerbehinderung von mindesten 50 haben, denn ab diesem Grad gelten sie als schwerbehindert. Hinzu kämen noch Menschen, die gleichgestellt sind. Gleichstellung bedeutet nach Angaben der Agenturleiterin, „dass der Grad der Behinderung mindestens 30 beträgt aber unter 50 liegt“. Die Gleichstellung werde auf Antrag von der Agentur für Arbeit festgestellt. Voraussetzung sei, dass der oder die Behinderte infolge des Handicaps ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behalten könne.

„Eine Aussage über die Zahl der beschäftigten Schwerbehinderten zu treffen, ist nur schwer möglich“, sagt Agenturleiterin Christine Gudd. Anhand der Zahlen auf Basis der Betriebe, die eine Ausgleichsabgabe erhalten und mindestens durchschnittlich 20 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Mitarbeitende haben, waren es im März im Agenturbezirk 5921 Beschäftigte mit Schwerbehinderung, im Landkreis Göttingen 4558. Gudd weist darauf hin, dass die Statistik Kleinunternehmen nicht erfasse.

Größte Gruppe 55 Jahre oder älter

„Den weitaus größten Teil hinsichtlich der Betrachtung nach Altersgruppen bildet die Gruppe der Arbeitnehmer, die 55 und älter sind. Das ist allerdings nicht verwunderlich, da nur ein kleiner Teil der Betroffenen seit Geburt behindert ist“, so Gudd weiter. Der weitaus größte Teil der Menschen mit Handicap erwerbe die Behinderung im Laufe des Lebens durch Unfall oder Krankheit. Da insbesondere das Krankheitsrisiko mit zunehmendem Alter steige, sei die mit zunehmenden Lebensjahren steigende Betroffenheit in der Gruppe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten „selbsterklärend“: Agenturbezirk Göttingen 3018, Landkreis Göttingen 2.337 Beschäftigte schwerbehinderte Menschen 55 Jahren und älter.

Auf Agenturebene (in Klammern Werte Landkreis Göttingen) sind der Agantur für Arbeit Göttingen zufolge die Menschen insbesondere in folgenden Wirtschaftsbereichen beschäftigt: Verarbeitendes Gewerbe 1578 (1057), Gesundheits- und Sozialwesen 1334 (1068) und öffentliche Verwaltung 869 (673).

Betriebe offener als vor Jahren

„Nach wie vor partizipieren Menschen mit Schwerbehinderung nicht in gleicher Weise von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes wie Nichtbehinderte. Dabei sind Betriebe grundsätzlich offener für die Beschäftigung von Menschen mit Handicap, als es vor Jahren der Fall war“, so die Agenturleiterin. „Wenn die Integration in den Betrieb aufgrund der Art der Behinderung relativ unproblematisch erscheint, spielen Vorbehalte wie ,Mehranspruch Urlaub’ oder ,Besonderheiten bei der Kündigung’ kaum eine Rolle. Die Situation von arbeitslosen Menschen mit einer Behinderung, deren Integration besondere Voraussetzungen an das Arbeitsumfeld stellt, ist hingegen anders zu beurteilen.“

Aktionstag Mensch

Drei Demonstrationszüge starten am 7. Mai jeweils um 14.30 Uhr vom Bahnhof, vom Neuen Rathaus und vom Auditorium in Göttingen aus zum Gäseliesel, teilen die Organisatore, ein Bündnis sozialer Unternehmen und Einrichtungen der Behindertenhilfe. Ziel des jährlichen Aktionstages Mensch sei es, sich für ein gesellschaftliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen stark zu machen. Gegen 15.30 Uhr ist eine Kundgebung mit Redebeiträgen unter anderem von Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt, der Vorsitzenden des Schulausschusses des Landkreises Göttingen, Nadia Affani, und Nora Hönings vom ASC Göttingen vorgesehen. Die Kita „Die Arche“ plant außerdem am Vormittag eine Rollstuhl-Stadtrallye, wobei .diverse Barrieren in der Göttinger Innenstadt erkundet werden sollen.

Veranstaltungsreihe der Universität

Welche Rechte haben und brauchen Menschen in Deutschland, um ohne Angst vor Diskriminierung leben, studieren und arbeiten zu können? Wie steht es um Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten in Bildung und Hochschule? Das sind Fragen, mit denen sich die öffentliche Veranstaltungsreihe „‚Alle gleich anders?!‘ Diversity in Theorie und Praxis“ an der Universität Göttingen beschäftigt. Diese steht in diesem Jahr unter dem Motto „Ein§pruch!“ Themen rund um „Recht und Diversität“. Den Auftakt macht am Dienstag, 7. Mai, ein Vortrag zur Inklusion an Hochschulen mit einem Beispiel der Universität Kiel.

Unter dem Titel „Promotion inklusive? Chancen, Risiken und Nebenwirkungen des Promovierens mit Behinderung“ geht es am Donnerstag, 16. Mai, um einen Einblick in das Projekt „PROMI – Promotion inklusive“, in dem Promovierende mit Behinderung gefördert werden. Am Mittwoch, 22. Mai, folgt ein Workshop zum Erkennen und Vermeiden von Diskriminierung an Schulen.

Podiumsdiskussion und Perspektiven

Menschenrechte, Rassismus und „Racial Profiling“ sind die Themen einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 12. Juni. Ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion widmet sich am Mittwoch, 19. Juni, dem Thema „Studentische Vielfalt sichtbar machen – aber wie?“.

Eine dritte Podiumsdiskussion am Mittwoch, 26. Juni, schließt die Reihe ab. Unter dem Titel „Unser Recht auf gleiche Rechte! Queer-feministische Kämpfe und Perspektiven“ stellen Göttinger Initiativen aus den Feldern LGBTIQ-Rechte, Antirassismus und Migration, Gewaltschutz sowie ökonomische Ungleichheit ihre Angebote und Strategien vor.

Die Veranstaltungsreihe wird von einem Team aus sechs Organisationseinheiten organisiert und von der Stabsstelle Chancengleichheit und Diversität der Universität Göttingen koordiniert. Sie richtet sich insbesondere an Studierende, aber auch an Promovierende, Lehrende und Beschäftigte der Universität Göttingen sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Alle Veranstaltungsorte sind barrierefrei zugänglich. Die Veranstaltungen am 7. Mai und am 19. Juni werden gebärdensprachlich übersetzt.  

Von Britta Eichner-Ramm und Peter Krüger-Lenz

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