Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Insolvenz angemeldet – jetzt startet die Spurensuche
Die Region Göttingen Insolvenz angemeldet – jetzt startet die Spurensuche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 09.07.2010
Von Andreas Fuhrmann
Insolvent: das Junge Theater Göttingen.
Insolvent: das Junge Theater Göttingen. Quelle: Hinzmann
Anzeige

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Burghard Wegener bestellt worden. Döring bat um Verständnis, zur aktuellen Situation des JT vorläufig nicht Stellung nehmen zu wollen. „Ich werde zu einem Zeitpunkt etwas sagen, wenn es sinnvoll ist. Der Zeitpunkt ist noch nicht da“, sagte er. Unter den Mitarbeitern herrsche natürlich eine „extreme Betroffenheit“, fügte Döring an. Alle müssten „den Schock“ erst einmal verarbeiten. Er habe persönlich erst mit der Hälfte der Schauspieler sprechen können, da sich zurzeit viele im Urlaub befinden würden. Die Schauspieler selbst wollten sich ebenfalls vorerst nicht äußern, wie ein Mitglied des Ensembles sagte.

Derweil hat der Aufsichtsratsvorsitzende des JT, Frank-Peter Arndt, in einer Presseerklärung bestätigt, dass sich der Verdacht der Untreue gegen „eine für die Buchhaltung zuständige Mitarbeiterin“ richte. Sie sei „sofort vom Dienst freigestellt worden“. Die Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH hätten Strafanzeige erstattet. Zudem sei eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft damit beauftragt worden, den aktuellen Finanzstatus zu erstellen und die Frage der Veruntreuung zu prüfen. Außerdem solle sie sich dazu äußern, ob die Geschäftsführung, also Döring, ihren kaufmännischen Pflichten nachgekommen sei.

Dem Aufsichtsrat seien von der Mitarbeiterin der Buchhaltung offenbar für die Jahre 2007 bis 2009 gefälschte Jahresabschlüsse vorgelegt worden, heißt es in der Erklärung weiter. Wahrscheinlich seien zudem auch Gelder von Guthabenkonten veruntreut worden. Bis zu 300 000 Euro sollen verschwunden sein.

„Extrem bedauerlich“ sei diese „erneute Wirtschaftskrise in einer der wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt“, sagte Dagmar Schlapeit-Beck, Kulturdezernentin der Stadt Göttingen und JT-Aufsichtsratsmitglied, auf Anfrage. Für jeden einzelnen Mitarbeiter sei dies eine „persönliche Tragödie“. Sie hoffe nun, dass es „in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter gelingt, eine Zukunftslösung zu finden“. Aus „allen politischen Richtungen“ gebe es dafür einen „großen Rückhalt“. Klar sei aber auch: „Wenn es eine Neugründung gibt, muss mehr Sicherheit eingeführt werden.“

Bis es so weit sei, müsse nun geprüft werden, „ob sich alle Gremien inklusive Aufsichtsrat korrekt verhalten haben, ob wir also unserer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind“. Es sei zwar vor Jahren für Fälle wie diesen eine Versicherung abgeschlossen worden. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob man dort Ansprüche geltend machen könne.

Langsam wachsende öffentliche Kritik am Aufsichtsrat wies sie zurück. Der habe im Jahr 2004 – freiwillig und obgleich er dazu nicht verpflichtet gewesen sei – beschlossen, einen Wirtschaftsprüfer zu beauftragen. „Das glaubten wir gleich mehrjährig veranlasst zu haben“, betonte Schlapeit-Beck. Nach der ersten echten Prüfung habe man aber nur noch gefälschte Berichte erhalten. Eine persönliche Präsentation der Prüfungsberichte habe es nicht gegeben, weil die jetzt angezeigte Buchhalterin immer gesagt habe, dass dies zu teuer sei. Eine solche Präsentation sei zwar durchaus „nicht zwingend, aber eigentlich ein übliches Verfahren“, räumte Schlapeit-Beck jedoch ein. Im Deutschen Theater Göttingen, wo sie ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, werde jedenfalls so verfahren. Das sei aber auch eine „andere finanzielle Dimension“.

Junges Theater

Das JT ist keine öffentliche Einrichtung, sondern eine gemeinnützige GmbH. Gesellschafter sind der Förderverein „Freunde des Jungen Theaters in Göttingen“ und eine Privatperson. Es gibt einen Geschäftsführer (Döring) und einen siebenköpfigen Aufsichtsrat. Das JT erhält pro Jahr 710 000 Euro von der Stadt und 27 800 Euro vom Landkreis Göttingen.

Göttingen Südspangen-Umfrage - Wer hat wo wie gewählt?
Ulrich Schubert 09.07.2010
Ilse Stein 09.07.2010
Göttingen Vielen Pappeln droht die Säge - Schwerer Ast kracht auf Fußweg
Ulrich Schubert 09.07.2010