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16:58 22.07.2017
Von Christiane Böhm
Ghazal (links) hat „Estanboli Polo“ mitgebracht. Amal dekoriert ihr köstlich duftendes „Heraa bi esbaao“ fertig. Mitte: Yalinji.
Ghazal (links) hat „Estanboli Polo“ mitgebracht. Amal dekoriert ihr köstlich duftendes „Heraa bi esbaao“ fertig. Mitte: Yalinji. Quelle: chb
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Göttingen

12 Uhr im Stadtteil-Büro. Besteck, Teller, Gläser, Servietten – alles ist vorbereitet am großen Tisch. Noch aber ist weit und breit kein Essen zu sehen und auch die Zahl der Gäste ist übersichtlich. „Heute wird die Gruppe etwas kleiner“, sagt Arasch. Sonnabendmittag seien doch viele beschäftigt und es seien ja auch noch Ferien. Unter den ersten Gästen sind Ghazal und Reza aus dem Iran, die seit 19 Monaten in Deutschland sind. Reza hat im Iran als Dolmetscher gearbeitet und möchte jetzt wie seine Frau möglichst schnell Deutsch lernen. „In Deutschland gefällt es mir gut. Es gibt viele nette Leute!“, sagt Ghazal.

Extra aus Heiligenstadt gekommen sind Minas und ihr Mann Janas mit ihrem dreijährigen Sohn. Sie kommen auch gern zu den Internationalen Abenden im Stadtteilbüro. Beide stammen aus Damaskus und versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Janas war in Syrien Rechtsanwalt. Um in Deutschland als Jurist zu arbeiten, müsste er noch einmal studieren. Das ganze Studium will er nicht wiederholen, aber den Masterabschluss will er machen und dann vielleicht in der Rechtsabteilung eines Unternehmens arbeiten. Seine Frau ist Innenarchitektin und lernt zunächst an der Volkshochschule Deutsch. Dort hat sie Amal kennengelernt. Auch sie stammt aus Syrien, ist dort Englisch-Lehrerin gewesen. „Hier bin ich die Schülerin“, sagt die fröhliche Frau. Minas und Janas kommen gern nach Göttingen. Sie mögen die größere Stadt.

„Uns geht es darum, die Leute an einen Tisch zu bringen“, erzählt Arasch, der vor 31 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist. Aus ganz Göttingen und dem Landkreis kommen die Menschen zu den Internationalen Abenden, die jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat im Stadtteilbüro stattfinden. Sie debattieren über Alltagsprobleme, lernen sich kennen, helfen sich.

Neue Menschen kennenlernen, das möchte auch Brunhilde Lange, die auf dem Leineberg wohnt. Die Rentnerin kommt gern zu den Treffen. Mit Syrien verbindet sie eine Ferienreise vor vielen Jahren. „Das ist ein Freundeskreis für mich“, sagt Nooshin, die im Stadtteilbüro den Kurs „Sprich Deutsch!“ leitet, über die Internationale Gruppe. Die Innenarchitektin hat vor gut zwei Jahren den Iran verlassen und Arasch geheiratet. Aber ohne diese Gruppe sei sie allein.

Inzwischen füllt sich der Tisch mit Datteln, Salaten und Brot. Ghazal hat „Estanboli Polo“ mitgebracht, ein persisches Reisgericht mit viel Gemüse. Steht daneben eine Torte? Das ist „Yalinji“ erklärt Minas. Mit Reis gefüllte Weinblätter werden dafür aufgeschichtet, sie hat sie zusätzlich mit Kartoffelscheiben belegt. „Die syrische und die türkische Küche sind sich sehr ähnlich“ erzählt die junge Frau. Schließlich, das hat sie längst gemerkt, kennt nahezu jeder Deutsche die gefüllten Weinblätter vom Türken um die Ecke.

„Heraa bi esbaao" hat Amal mitgebracht. In dieses verlockend duftende und kunstvoll aufgeschichtete Gericht kommen Nudeln, Linsen, Zwiebeln und Minze. Der Name, erklärt Minas, bedeute so viel wie „brennt an den Fingern“. Dabei wird es gar nicht heiß gegessen, sagen die beiden Frauen. Und scharf sei es auch nicht.

Gut zwanzig Menschen sind nun zusammengekommen und sprechen längst über Kinder, Arbeit, Freunde und das Essen. Und probieren nun auch endlich, wie Amal zufrieden feststellt.