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Göttingen Rund 400 Kilogramm: Polizei findet bei Razzia viel mehr Sprengstoff als bisher bekannt
Die Region Göttingen Rund 400 Kilogramm: Polizei findet bei Razzia viel mehr Sprengstoff als bisher bekannt
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17:22 22.08.2019
Bei der Razzia am Dienstag waren insgesamt rund 1000 Beamte im Einsatz. Quelle: Symbolbild
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Göttingen

Bei der bundesweiten Großrazzia gegen die Internet-Plattform explosives.net haben die 1000 eingesetzten Beamten noch deutlich mehr sprengstofftaugliches Material gefunden als bislang bekannt. Insgesamt hätten die Einsatzkräfte rund 400 Kilogramm an Grundstoffen zur Herstellung von Sprengstoff sichergestellt, teilte die Polizeidirektion Göttingen am Donnerstag mit. Zuvor waren die Ermittler von rund 130 Kilogramm ausgegangen. Die beschlagnahmten Chemikalien werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft nun bei einer Fachfirma für Kampfmittelbeseitigung eingelagert.

Experten: Aus dem Material hätte man eine „Monsterbombe“ bauen können

200 Kilogramm an Grundstoffen zur Sprengstoffherstellung wurden allein in Niedersachsen entdeckt. Die Polizei hatte dort am Dienstagmorgen Objekte in Schwanewede, Cloppenburg sowie in einem Ort im Landkreis Gifhorn durchsucht. Fast 130 Kilogramm wurden in Baden-Württemberg sichergestellt. Dort befand sich auch das größte Depot. Allein dort seien 30 Kilo gefunden worden, sagte Behördensprecherin Julia Huhnold. Nach Einschätzung von Sprengstoffexperten hätten man aus diesen Materialien eine „Monsterbombe“ bauen können.

Unter der Führung und Koordination der Polizeidirektion Göttingen gab es am Dienstag Razzien in mehreren Bundesländern, auch in Litauen und Kroatien waren Ermittler im Einsatz. Quelle: Swen Pförtner/dpa

Insgesamt wurden nach Angaben der Polizei bei den Durchsuchungen rund 100 verschiedene Grundstoffe entdeckt, unter anderem Salpeter-, Salz- und Schwefelsäure. Außerdem fanden sich zwei Kilo an Sprengstoffen, unter anderem so genanntes Blitz-Knall-Salz, Initialsprengstoff und gewerblicher Sprengstoff, hinzu kamen diverse Sprengkapseln, Zünder, Schnüre, Rohrbombenkörper und Bücher mit Anleitungen zur Sprengstoffherstellung.

Hakenkreuzfahne gefunden

Während die Polizei zunächst keine Erkenntnisse über ein eventuelles politisches Motiv hatte, haben sich bei einem der insgesamt 22 Tatverdächtigen inzwischen Hinweise auf einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund ergeben. Nach Angaben der Ermittler wurden bei einem 29-Jährigen in Soest eine Hakenkreuz-fahne sowie mehrere T-Shirts und Aufkleber mit Aufdrucken rechtsradikaler Netzwerke sichergestellt. Gegen ihn werde nun von der Staatsanwaltschaft Dortmund auf staatsschutzrechtlicher Ebene ermittelt, sagte ein Behördensprecher.

Bei der Razzia hatten die Fahnder mehr als Objekte an 34 Orten in neun Bundesländern durchsucht und dabei auch den in Litauen stationierten Server sowie die in Kroatien registrierte Domain der frei zugänglichen Internet-Plattform stillgelegt. Auf der Plattform waren rund 3000 Mitglieder registriert, im Jahr 2018 hatten sich etwa 360 Nutzer aktiv beteiligt. Die Ermittler schließen aus den hochgeladenen Videos und Chat-Aktivitäten, dass diese sich auch in der analogen Welt getroffen haben, um Sprengungen in Wäldern vorzunehmen.

Nutzer hatten auch Affinität zu Waffen

Offenbar hatten die Nutzer der Plattform auch eine Affinität zu Waffen aller Art. Neben mehreren Langwaffen fanden die Fahnder unter anderem Zielfernrohre, ein Bolzenschussgerät, Schießkugelschreiber, Munition, mehrere Messer sowie ein Schwert und eine Machete. Außerdem wurde offenbar mit Drogen gehandelt. Bei den Durchsuchungen wurden neben Marihuana, Heroin und Amphetaminen auch jede Menge Chemikalien und Geräte zur Herstellung synthetischer Drogen gefunden, außerdem Labore, Drogenküchen und zwei so genannte „Grow-Zelte“, die sich für den Anbau von Cannabis nutzen lassen.

Tatort Internet: Allein in einem durchsuchten Gebäude stellten die Fahnder 57 Festplatten sicher. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Weil es sich um so genannte Cyber-Crime-Aktivitäten handelt, fanden die Ermittlungen unter Federführung der Zentralen Kriminalinspektion der Polizeidirektion Göttingen sowie der Zentralstelle Internet- und Computerkriminalität der Staatsanwaltschaft Göttingen statt. Die Fahnder stellten bei ihren Durchsuchungen zahlreiche Computer und Speichermedien sowie Kameras und Smartphones sicher, allein in einem Gebäude fanden sich beispielsweise 57 Festplatten. Die Auswertung der Medien werde noch längere Zeit in Anspruch nehmen, sagte ein Sprecher.

Abzeichen der Polizei missbraucht?

Die Staatsanwaltschaft Göttingen ermittelt wegen einer ganzen Reihe von Straftatbeständen, die jeweils unterschiedliche Verdächtige betreffen. Nach Angaben eines Sprechers geht es um den Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz, das Sprengstoffgesetz, das Chemikaliengesetz und das Betäubungsmittelgesetz. Weil auch Hoheitsabzeichen der Polizei sichergestellt wurden, besteht zudem ein Anfangsverdacht wegen des Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen.

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Von pid

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