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Göttingen Welche Rolle spielen Lehrer bei der Digitalisierung an Schulen, Herr Mau?
Die Region Göttingen Welche Rolle spielen Lehrer bei der Digitalisierung an Schulen, Herr Mau?
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21:23 25.11.2019
Torben Mau. Quelle: R
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Göttingen

Im Wintersemester 2014/15 hat Torben Mau den Studiengang Gymnasiales Lehramt an der Georg-August-Universität Göttingen evaluiert. Sein Ergebnis: Das Thema Medienbildung kommt zwar vereinzelt vor, es gibt aber keine systematischen Angebote für Studierende. Drei Jahre später arbeitete er am Aufbau dieses Angebots selber mit.

Tageblatt: Das Strategie-Papier der Kultusminister-Konferenz „Bildung in der digitalen Welt“ wurde vor drei Jahre vorgelegt und soll bis 2026 umgesetzt sein. Hat sich bereits etwas spürbar verändert?

Torben Mau: Ein Schweizer Erziehungswissenschaftler hat es mal als den längsten Weg der Welt beschrieben, vom Empfehlungspapier zur wirklichen Veränderung in der Schule. Tatsächlich aber hat das Papier hier vor Ort in Göttingen zur Etablierung der Zusatzqualifikation „Digitale Bildung“ geführt. Mein Projekt zur digitalen Bildung, das 2017 gestartet ist, hat sich im Projektantrag auch direkt auf das Strategie-Papier bezogen. Allerdings gab es auch schon vorher Beschlüsse der Kultus-Minister-Konferenz (KMK) zu dem Themenkomplex. Der Unterschied ist aber, dass diese Beschlüsse eher Empfehlungscharakter hatten, das Strategiepapier ist verbindlicher.

Welche Rolle spielt die Ausbildung der Lehrer bei der Digitalisierung der Schulen?

Eigentlich die Schlüsselrolle. Die technische Infrastruktur an Schulen bildet die Basis, aber ohne pädagogische Konzepte hilft die beste Ausrüstung nichts. Wenn Lehrkräfte die Medienkompetenz junger Menschen fördern wollen, müssen sie eben auch selber medienkompetent sein. Es gibt Modelle zur schulischen Vermittlung von Medienkompetenz. Diese gliedert sich in drei Bereiche: Infrastruktur, zu der nicht nur Soft- und Hardware, sondern auch Administration und Support gezählt werden müssen. Dann muss das Thema konkret in den Lehr- und Bildungsplänen verankert sein, so wie es jetzt die KMK getan hat. Und als Drittes braucht es die digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte über Studium und Fortbildung. Wir in Göttingen versuchen daher den angehenden Lehrkräften Kompetenzen in den Bereichen Mediendidaktik, Medienerziehung und Schulentwicklung zu vermitteln.

Kann die Entwicklung neuer pädagogischer Konzepte mit dem technischen Fortschritt schritthalten?

Es geht um eine grundlegende Haltung. Ein Lehrer muss sich die Offenheit erhalten, neue Konzepte auszuprobieren. Es wäre fatal zu denken, dass man nach den fünf Jahren Studium und dem Referendariat für die nächsten 30 Jahre ausgelernt hätte. Es braucht Experimentierräume, in denen man Neues ausprobieren kann, aber eben auch die Freiräume, um sich mit anderen Lehrkräften im Netzwerk auszutauschen. Wir haben versucht, in Göttingen ein solches Netzwerk im Austausch mit den regionalen medienpädagogischen Beratern anzuschieben. Einige Akteure wie die IGS in Geismar oder auch das Theodor-Heuss-Gymnasium gehen da ein gutes Stück voran. Leider krankt die Kontinuität eines solchen Netzwerks daran, dass vieles an der Universität projektbasiert und damit zeitlich begrenzt ist.

Welche Schulnote würden Sie der Lehrerschaft im Fach "Digitale Bildung" geben?

Ich kann nur für angehende Lehrer sprechen, und auch hier ist es nur ein kleiner Teil der Studierenden, die meine Angebote wahrnehmen. Einige davon sind motiviert, weil sie nicht so scheitern wollen, wie ihre eigenen Lehrer. Ich möchte keine Note vergeben, aber ich sage, dass durchaus noch Handlungsbedarf besteht.

Welche Rolle können Eltern spielen, um ihre Kinder digital fit zu machen?

Eltern haben in erster Linie eine Vorbildfunktion. Wer selbst die neuen Medien nur zum Konsum benutzt, wird schwer vermitteln können, dass das eigene Kind es informations- und bildungsbezogen einsetzen sollen. Es muss Eltern außerdem bewusst sein, wie wichtig es für Heranwachsende ist, seine eigene Identität zu finden – heutzutage eben auch in der digitalen Welt und den sozialen Netzwerken.

Über den Digitalpakt Schule stehen bundesweit mehr als fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Aber die Schulen rufen es kaum ab. Lässt sich das Thema doch nicht mit Geld allein erschlagen?

Es ist hilfreich, dass dieses Geld kommt. Aber mit Investition in die Infrastruktur ist es eben nicht getan. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass die personelle Komponente mal wieder unterbelichtet ist. Es braucht Administratoren und Medienpädagogen an Schulen sowie ein breites Netzwerk für die Lehreraus- und Fortbildung. Es wäre fatal, wenn jetzt lediglich viel Geld in Hardware gesteckt wird, die mit der Zeit veraltet. Dann wäre die Wirkung des Digitalpakts zu schnell verpufft.

Kommen diese Bemühungen im Jahr 2019 nicht ohnehin viel zu spät?

Natürlich wäre es schön gewesen, wenn schon früher mehr in der Fläche passiert wäre. Aber man kann natürlich deshalb jetzt nicht die Hände in den Schoß legen und sagen: Schade, der Zug ist abgefahren. Es ist eine spannende Zeit, um Lehrer zu sein. Wer Schule gestalten und die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern will, muss jetzt den Mut aufbringen, neue Wege zu gehen. Wir brauchen dafür allerdings Netzwerke und Strukturen, damit dieses Vorhaben auch gelingen kann. Ich bin da grundlegend optimistisch.

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Torben Mau informiert auf seinem Twitteraccount über aktuelle Projekte.

Von Markus Scharf

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