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Göttingen Jäger fordern Wildzaun an A 7
Die Region Göttingen Jäger fordern Wildzaun an A 7
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20:19 20.11.2011
Von Matthias Heinzel
Freies Feld und Wald in der Nähe: Wildgefahr besteht auf der A 7 zwischen Bovenden und Parensen, warnt die Jagdgenossenschaft. Quelle: Heller
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Göttingen/Bovenden

Erneut aufgerüttelt ist die Jagdgenossenschaft durch den furchtbaren Unfall auf der Autobahn bei Alsfeld vor einigen Wochen, bei dem die Schwester und die Lebensgefährtin des BG-Spielers Marco Grimaldi und ein Mann aus Vellmar ums Leben kamen. Ausgelöst hatte den Unfall ein Wildschwein, das auf die Fahrbahn gelaufen war – ein Szenario, das auch zwischen Bovenden und Parensen jederzeit möglich wäre, wie Herbert Hausknecht, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft, warnt.

Den Streckenabschnitt der A 7 zwischen Bovenden und Parensen hält Hausknecht deshalb für gefährdet, weil es im nahen Wald viele Wildschweine gibt und die Tiere gern auch mal die Felder nach Würmern und Engerlingen durchwühlen – Felder, die direkt an die Autobahn reichen. Zudem lockten auf der anderen Seite der Autobahn Leineniederung und Maisanbauflächen.

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Dennoch ist trotz der umfangreichen Arbeiten zur sechsspurigen Erweiterung der A 7 dort laut Planfeststellungsbeschluss kein Wildschutzzaun vorgesehen. Dafür, warnt Hausknecht, sollen die Autobahnränder dort auf einer Breite von bis zu 100 Metern bepflanzt werden – für Hausknecht ideale Aufenthaltszonen für Wild. Gerade zu Äsungszeiten sei die Gefahr groß, dass Wildtiere die A 7 überqueren wollen.

Dass Hausknechts Szenario für die A 7 zwischen Bovenden und Parensen nicht weit hergeholt ist, beweist der 25. Dezember 2010. Eine Rotte von Wildschweinen war dort auf die Autobahn geraten und hatte sich auf den Grünstreifen in der Mitte geflüchtet. Polizei und Feuerwehr mussten anrücken und die Autobahn komplett sperren. Und für die ersten elf Monate des Jahres 2011 registrierte die Polizei allein in dem nur anderthalb Kilometer langen Abschnitt 14 Wildunfälle.

Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau sieht das anders. Zuletzt im Februar 2010 teilte sie Hausknecht mit, dass Vegetation, Geländeverhältnisse und Lage der Wildwechsel nicht erkennen ließen, dass ein Zaun notwendig sei.

Nach dem Grimaldi-Unfall hat Hausknecht nun einen neuen Brief an die Landesbehörde geschrieben, um ein Umdenken zu erreichen. Nicht nur Wildschweine, auch Rehwild, Dachs und Waschbären erhöhten das Unfallrisiko, schreibt Hausknecht. Seit dem Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der A 7 sei die Umgebung für Wildtiere viel attraktiver geworden. Zudem gebe es im Wildschweinbestand Niedersachsens Zuwachsraten von jährlich etwa 300 Prozent.

Die Polizei hingegen hat generell Zweifel an der Wirksamkeit von Wildschutzzäunen. Wegen der aufgrund von Feldwegen und Zufahrten notwendigen Durchlässe würde das Wild immer wieder Lücken finden, sagt Wolfgang Schrader, Unfallexperte bei der Göttinger Polizei. Verharmlosen will Schrader das Problem Wildunfälle aber auch nicht: Fast jeder zehnte Unfall in der Region sei auf Wildtiere zurückzuführen – 8,5 Prozent aller Unfälle im laufenden, 8,9 Prozent im vergangenen Jahr.