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Göttingen Schriftstellerverband trifft sich in Göttingen
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19:12 24.04.2018
Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland.
Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland. Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

70 Jahre nach seiner Neugründung in Göttingen trifft sich der Schriftstellerverband PEN-Zentrum Deutschland in der Universitätsstadt seine Jahrestagung. Das viertägige Treffen von diesem Donnerstag an steht unter dem Motto „Denken Sie Ihre Gedanken zu Ende!“ Mit einer begleitenden Ausstellung im Alten Rathaus, Markt 9, blicke die Vereinigung zudem auf ihre wechselvolle Geschichte zurück, teilte ein Sprecher am Dienstag mit. Rund Die Organisatoren 180 Mitglieder und Gäste erwarten die Organisatoren, sagte Regula Venske, Präsidentin des Verbandes, im Vorfeld der Tagung.

Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) berichtete, dass der Göttinger Klaus Wettig ihn auf die Neugründung des PEN-Zentrums und den runden Jahrestag aufmerksam gemacht habe. Er selbst habe sich mit einem Brief an den Verband mit der Bitte gewandt, die Tagung in Göttingen zu organisieren. „Das machen wir gerne“, habe der damalige Präsident Josef Haslinger geantwortet.

PEN-Zentrum Deutschland

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller. So dokumentiert das 1960 gegründete Komitee „Writers in Prison“ Fälle von Unterdrückung, Zensur, Inhaftierung und Ermordung von Schriftstellern und Publizisten und prangert diese öffentlich an.

In Deutschland wurde das P.EnN.-Zentrum zunächst 1924 gegründet. Zehn Jahre später wurde die Sektion nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten jedoch aufgelöst und ein PEN-Club im Exil mit Heinrich Mann als erstem Präsidenten gegründet. Damals bemühte sich die Gruppe, Kollegen aus den von Deutschen besetzten Gebieten zu retten und sie finanziell zu unterstützen. Das „Writers-in-Exile-Programm“ nimmt bis heute verfolgte Schriftsteller in Deutschland auf und ermöglicht ihnen, für mehrere Jahre in Sicherheit zu leben und weiterhin als Schriftsteller zu arbeiten.

Im November 1948 wurde das PEN-Zentrum Deutschland im Beisein von Erich Kästner in Göttingen gegründet. Drei Jahre später spaltete sich der Verband in die Sektion der Bundesrepublik und in ein ostdeutsches Zentrum. Erst im Oktober 1998 gelang es nach langwierigen Verhandlungen schließlich, die beiden Gruppen zu einem Verband zusammenzufügen. epd

In der nichtöffentlichen Mitgliederversammlung soll unter anderem das Amt des „Writers-in-Prison“-Beauftragten neu besetzt werden. Das 1960 gegründete Komitee kümmert sich um verfolgte Schriftsteller, Verleger, Redakteure, Illustratoren und Journalisten. Der Gießener Literaturwissenschaftler Sascha Feuchert ist seit 2012 Beauftragter des Gremiums.

Bedroht würden heute vor allem Blogger in Ländern wie Bangladesch, dem Iran und Vietnam, die sich kritisch äußerten. Venske: „Es gibt immer wieder sehr mutige Menschen, die in ihren Ländern sehr aufrecht sind.

Doch „die Probleme sind näher gekommen“, sagte Venske und PEN-Geschäftsführerin Claudia Krauße ergänzte: „Wir haben die Baustellen vor die eigene Tür bekommen.“ Beide lenkten damit den Blick auch auf die Entwicklung in europäischen Ländern. Bewerbungen um Stipendien, die die Autoren vor Verfolgung schützen sollen, erhielten sie aus Ländern wie Malte mit seinen laut Venske „mafiösen Strukturen“, aus der Türkei und Slowenien. Selbst eine Kollegin aus Spanien sei „besorgt über die Entwicklung in ihrem Land“.

Während der Jahrestagung verleiht der deutsche PEN den mit 4000 Euro dotierten Kurt-Sigel-Lyrikpreis an die in Finnland lebende Dichterin Dorothea Grünzweig (65).

Mehr zum Kurt-Sigel-Lyrikpreis für Dorothea Grünzweig lesen Sie hier.

Außerdem sind mehrere öffentliche Veranstaltungen angekündigt. So diskutieren am Freitagabend unter anderem der Literaturkritiker Ulrich Greiner, der Historiker Ulrich Sieg und Venske, über „Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Neue Rechte“ in der Paulinerkirche, Papendiek 14. Von diesem Termin erwartet Köhler eine „spannende Diskussion gerade auch vor dem Hintergrund der sich verändernden europäischen Länder“.

Autoren und Schülern

Bereits am Mittwoch steht eine sogenannte „Schule-Autoren-Begegnung“ auf dem Programm. Dogan Akhanlı, deutscher Schriftsteller mit türkischen Wurzeln, und die Autoren Enoh Meyomesse aus Nigeria, Jürgen Jankofsky und Franziska Sperr sprechen in der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule mit Schülern.

Zum Ende der Tagung ist am Sonntag um 11 Uhr unter dem Titel „Deutsche Meckerköppe – Lichtenbergs Erbe und Satire heute“ eine Gesprächsrunde geplant. Auf dem Podium im Alten Rathaus sitzen dann die Autorinnen Susanne Fischer und Angela Krauß sowie der Publizist Frank Schäfer.

Das deutsche PEN-Zentrum mit Sitz in Darmstadt ist eine von weltweit mehr als 140 Vereinigungen, die im PEN-International zusammengeschlossen sind. Sie verstehen sich als Anwalt des freien Worts und setzen sich für verfolgte und unterdrückte Schriftsteller ein. Der Name steht für „Poets, Essayists, Novelists“ (Dichter, Essayisten, Schriftsteller).

Mehr über das Programm der PEN-Jahrestagung 2018 in Göttingen lesen Sie hier.

Von Peter Krüger-Lenz mit epd

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