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Göttingen Jan Carls: Rückkehr einer „touristischen Attraktion“
Die Region Göttingen Jan Carls: Rückkehr einer „touristischen Attraktion“
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18:10 14.07.2009
Figaro bei der Arbeit: Das Gänseliesel Naima Madlen Diesner lässt sich von Jan Carls lila Strähnchen ins Haar flechten.
Figaro bei der Arbeit: Das Gänseliesel Naima Madlen Diesner lässt sich von Jan Carls lila Strähnchen ins Haar flechten. Quelle: Pförtner
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Seit Mai schneidet Jan Carls wieder Haare vor der Jacobikirche. Und er genießt es, wieder an alter Wirkungsstätte, an der er bereits zwischen 1996 und 2002 gearbeitet hat, zu stehen. „Es macht Spaß“, sagt Carls. Stammkunden kommen vorbei, und Carls schneidet ihnen die Haare oder hält mit ihnen einen kurzes Pläuschchen. „Warum sollte eine so einzigartige Sache nicht weitergehen“, fragt Carls heute, der seinen Stand auch als touristische Attraktion sieht.

Ende 2002 ging die Sache nach fast sieben Jahren nicht mehr weiter: Die Stadt, die seine Arbeit vor der Jacobikirche seit 1996 geduldet hatte, verbot ihm den Freiluft-Friseurstand. Zu unhygienisch wegen herumfliegender Haare, lautete ein Argument der Stadt damals.

Immer mittwochs

Um wieder unter freiem Himmel arbeiten zu können, hat Carls jetzt einige Auflagen akzeptiert: Im April hatte Pastor Harald Storz von der Jacobikirche mitgeteilt, dass „grundsätzlich keine Bedenken bestehen“. Von Mai bis September könne er seinen Stand immer mittwochs von 11 bis 17 Uhr aufbauen – vorausgesetzt, dieser ist von drei Seiten geschlossen. „Ein dreiseitig geschlossener Pavillon, um das Verwehen von Haaren einzuschränken, ist im Blick auf die benachbarte Außengastronomie aus ästhetischen und hygienischen Gründen unabdingbar“, heißt es in einem Brief an Carls.

Seitdem habe es bei der Stadt keine Beschwerden gegen Carls neue Freilufttätigkeit gegeben, wie Pressesprecher Detlef Johannson auf Anfrage mitteilt: „Jedenfalls sind beim Fachbereich Ordnung und beim Beschwerdemanagement keine eingegangen.“ Und bisher scheint der Drang des Friseurs ein Einzelfall zu bleiben. Bisher hätten sich andere Handwerker nicht für ein vergleichbares Angebot interessiert, sagt Johannson. Noch im August 2008 wollte die Stadt mit einer Erlaubnis für Carls keinen weiteren Präzedenzfall für das Angebot ambulanter Handwerksdienste schaffen. Jetzt sei es laut Johannson gelungen, eine Lösung für ein Einzelfallproblem zu finden, gleichzeitig aber den befürchteten Präzedenzfall zu vermeiden.

Von Michael Brakemeier

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