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Göttingen Die kuriosesten Einsätze in der Region Göttingen
Die Region Göttingen Die kuriosesten Einsätze in der Region Göttingen
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15:31 30.12.2018
Mercedes rast auf Raststätte Mengershausen in Toilettenhäuschen. Quelle: Willing
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Göttingen

Die meisten davon haben irgendetwas mit Tieren zu tun. Schon 14 Jahre alt, aber ausgesprochen unternehmungslustig war „Ferdi“: Ende Januar wollte der Dackel aus Wuppertal das Göttinger Nachtleben erkunden, während sein Frauchen im Bereich Platz der Göttinger Sieben/Kreuzbergring eifrig büffelte. Vor einer nahegelegenen Gaststätte suchte er Anschluss an eine Gruppe junger Menschen. Dort blitzte der kernige Dackel jedoch ab und landete stattdessen auf dem Beifahrersitz eines Streifenwagens der Polizei, die intensive Ermittlungen unter Einsatz eines Chip-Lesegeräts der Berufsfeuerwehr, Anruf bei den Tierschützern von TASSO und weiteren Tricks aufnahm. Letztlich war es aber das soziale Netzwerk Facebook, das Ferdi und Frauchen wieder zusammenbrachte.

Nandus entfleucht

Zwei entwichene Laufvögel hielten im April die Polizei Duderstadt in Atem. Die Nandus liefen an der Bundesstraße 27 bei Waake herum. Einer konnte von der alarmierten Feuerwehr schnell „dingfest“ gemacht werden. Das zweite entflohene Riesenfedervieh entkam jedoch unerkannt in den nahen Wald. Knapp eine Woche später tauchte der flugunfähige Vogel dort wieder auf. Er wurde stolzierend auf einem Feld gesichtet und von Einsatzkräften der Samtgemeindefeuerwehr Radolfshausen „überwältigt“.

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Weniger Glück hatte eine Katze, die aber selbst nach ihrem Tod ein Drogendelikt aufdecken konnte. Mitte April wollten zwei Frauen das überfahrene Tier in einem Wald bei Göttingen würdevoll beerdigen. Beim Ausheben der Ruhestätte stießen die beiden Göttingerinnen in einer Tiefe von etwa 40 Zentimetern auf einen nicht alltäglichen Fund - ein Drogendepot mit mehreren hundert Gramm Marihuana. Sie brachten es zur Polizei.

Chaos durch Schafherde

Auch die Göttinger Autobahnpolizei blieb von tierischen Einsätzen nicht verschont: Nach einem Reh, das sich im Februar nicht von selbst aus einem umzäunten Gehege im Bereich eines Rückhaltebeckens an der A 7 bei Drammetal befreien konnte und einem freilaufenden Hund auf der A 38 im Juni kam es im September ganz dicke: Eine außer Kontrolle geratene Schafherde sorgte Anfang des Monats auf der A 7 bei Northeim für ein Verkehrschaos. Die Folge waren vier Kilometer Stau.

Bei der Polizei in der Stadt dürfte das tierische Highlight des Jahres wohl die Eskorte einer achtköpfigen Schwanenfamilie Anfang Oktober gewesen sein: Der 40-minütige Polizeieinsatz führte vom Asternweg über die Godehardstraße und weiter bis zur sicheren Leine. Der ungewöhnliche Einsatz bescherte den beiden Beamten eine Veröffentlichung auf der Facebook-Seite der Fernsehfahndungs-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“.

Rücksichtsloser Winnetou

Kaum überraschend: Nicht nur Tiere, sondern auch Menschen waren 2018 zu skurrilen und gleichzeitig polizeirelevanten Taten fähig. So überzog ein „Winnetou“-Fan aus Münden seine gesamte Nachbarschaft eines Nachts im Juli mit einschlägiger und überlaut abgespielter Musik. Anwohner allerdings waren über die gewöhnungsbedürftige Mucke weniger erfreut und alarmierten die „Bleichgesichter“ des Polizeikommissariats Hann. Münden.

Während dieser Fall aufgeklärt und die Musik beendet wurde, blieb ein anderer Einsatz der Polizei ohne Erfolg. Ein Unbekannter hatte im Februar innerhalb weniger Tage in einem Göttinger Fachgeschäft insgesamt drei Vibratoren an sich genommen, ohne zu bezahlen. In einem Fall wurde er dabei erwischt. Er gab die Ware daraufhin zurück und flüchtete aus dem Shop. Eine Fahndung nach ihm verlief ergebnislos.

Gurkendieb unentdeckt

Ebenfalls nicht überführt wurde ein mysteriöser Gurkendieb, der im Juli im Ginsterweg sein Unwesen trieb und sich insgesamt dreimal am Balkon einer Anwohnerin verging. Das Motiv blieb ebenso unbekannt wie die Identität des Täters.

Ungewöhnlicher Unfall Mitte Dezember Unfall auf der Raststätte Mengerhausen: Gegen Mittag krachte ein übermotorisierter Mercedes mit hoher Geschwindigkeit in ein Toilettenhäuschen. Der Wagen war laut Polizei „mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ von der Nordfahrbahn der A 7 auf die Tank- und Rastanlage gerast. Dort überfuhr er ein Hochbord, prallte gegen Entlüftungsrohre der Erdtanks, fuhr zwischen zwei Zapfsäulen hindurch und bohrte sich schließlich in einen als Ergänzungs-WC genutzten Containeranbau. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte Martin Willing, Gemeindebrandmeister in Rosdorf.

Explosionsgefahr

Die beiden 20 und 30 Jahre alten männlichen Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon, ein zufälliger WC-Nutzer kam mit dem Schrecken davon. Wegen der beschädigten Entlüftungsrohre bestand Explosionsgefahr.

An dem Mercedes entstand wirtschaftlicher Totalschaden, die Höhe des Gesamtschadens beläuft sich nach ersten Schätzungen auf etwa eine Viertelmillion Euro. In seiner ersten Befragung gab der 20-jährige Fahrer aus Bad Pyrmont der Polizei gegenüber an, dass er sich auf dem Überholfahrstreifen befand als er einem unvermittelt von dem mittleren auf den linken Fahrstreifen wechselnden Fahrzeug ausweichen musste um einen Zusammenstoß zu verhindern.

Mehr Freude hatten die Beamten der Autobahnpolizei im Oktober am Besuch eines kleinen Jungen aus dem südlichen Landkreis Göttingen im Oktober. Das war passiert: Gemeinsam mit seinem Papa war der Knirps auf der A 7 in Richtung Süden unterwegs und hatte dabei einen Stau und den damit verbundenen Einsatz der Polizei auf der Gegenfahrbahn beobachtet. Hiervon offenbar fasziniert, verfasste er kurzerhand „Das Gedicht vom Stau“. Vater und Sohn fuhren dann sogleich damit zum Autobahnpolizei-Stützpunkt nach Mengershausen. Hier trug der Junge auf der Wache sein kleines Gedicht vor. Die Beamten seien begeistert gewesen, sagt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Als kleines Dankeschön konnte sich der junge Dichter die ganze Wache anschauen und auch den speziellen „Stau-Bulli“ der Göttinger Autobahnpolizei inspizieren.

Schwanen-Eskorte Oktober 2018 Quelle: Polizei

Ungewöhnliche Einsätze der Feuerwehren

Einigen außergewöhnlichen und kuriosen Einsätzen sahen sich auch die Feuerwehren in der Region ausgesetzt. Und auch hier spielten Tiere dabei eine große Rolle.

Gleich zwei solche tierische Einsätze fallen dem Duderstädter Stadtbrandmeister Kai Walter ein. Anfang des Jahres sei die Feuerwehr zu Hilfe gerufen worden, als ein Marder die Geschäftsräume der Volksbank-Mitte besuchte. Das Tier sei durch die Schalterhalle gelaufen und habe sich in einem Büro verschanzt, berichtet Walter. Mitarbeiter hätten die Bürotür verschlossen und den Marder bis zum Eintreffen der Feuerwehr eingesperrt.

Schildkröte eingefangen

Er selbst habe das Tier eingefangen und herausgeholt, so Walter. Die Bankmitarbeiter selbst kümmerten sich im August übrigens um eine Schildkröte, die vom Parkplatz auf die Straßen zu laufen drohte, erzählt Florian Hartelt von der Volksbank.

Mitte des Jahres wurde im Bereich der Schöneberger Straße in Duderstadt eine größere Landschildkröte gefunden. Polizei und Feuerwehr hätten in der Umgebung sowie über soziale Netzwerke versucht, den Halter ausfindig zu machen, berichtet Walter. Allerdings erfolglos. Er habe das Tier etwa drei Wochen lang bei sich aufgenommen, bevor die Schildkröte in eine Auffangstation in Thüringen gebracht worden sei, sagt der Duderstädter Feuerwehrchef.

Skorpion importiert

Eine ungewöhnliche Tierbegegnung hatte die Berufsfeuerwehr Göttingen im September: In einer Küche einer Geismarer Wohnung saß ein Skorpion - kein Haustier der Bewohnerin. Die war vier Wochen zuvor in Kroatien im Urlaub gewesen. „Das könnte ein blinder Passagier gewesen sein“, vermutet Feuerwehr-Sprecher Frank Gloth. Die unfreiwillige Gastgeberin hatte das große Spinnentier mit einem Glas dingfest gemacht. Die Feuerwehrleute holten ihn mithilfe eines Reptilienfachmanns ab.

Feuerwehr statt Installateur

Auch in Osterode gab es bemerkenswerte Einsätze. So wurde die Feuerwehr im März zu einem Wasserschaden in die Obere Neustadt gerufen. „Warum, bitte schön, alarmiert man die Feuerwehr, weil ein Waschbecken von der Wand gerissen ist?“, fragt Ortsbrandmeister Thomas Riedel. Die Feuerwehrleute drehten den Haupthahn ab und verhinderten größeren Schaden.

Brand zur Probe

Erst im Nachhinein kurios wurde eine Großübung der Feuerwehr Osterode im Oktober. Im Industriegebiet Leege probten die Einsatzkräfte etwa zwölf Stunden lang einen umfangreichen Gefahrguteinsatz, bei der „eingeklemmte Personen“, eine Explosion mit Feuer und Rauch und Chemikalien versorgt werden mussten. Die Übung war mit rund 500 Einsatzkräften und mit mehr als 100 Einsatzfahrzeugen im Stadtgebiet Osterode einzigartig in Niedersachsen, teilte die Ortsfeuerwehr Osterode mit. Einzigartig auch dies: Gut sechs Wochen später brannte es am gleichen Ort tatsächlich. Bei dem echten Großbrand an einem der vorherigen Übungsobjekte gerufen konnten „die Erfahrungen der Übung umgesetzt werden“, erklärt Ortsbrandmeister Thomas Riedel. Für Feuerwehr und Betrieb sei das „eine große Hilfe“ gewesen.

Pferd gerettet

Bei Northeim wurde die Kreisfeuerwehr im Juni zu einem ungewöhnlichen Einsatz nach Wachenhausen in der Gemeinde Katlenburg-Lindau gerufen: Ein weißer Wallach war in einem Sumpf stecken geblieben. Etwa zehn Feuerwehrleute und sechs Helfer versuchten, das immerhin schon 27 Jahre alte Pferd in Seile und Gurte zu legen, um es aus dem Matschloch zu ziehen. Nach 45 Minuten war das Pferd endlich aus seiner misslichen Lage befreit. Ein Tierarzt untersuchte den Wallach und verabreichte ihm Medikamente. Nur kurze Zeit später stand er von allein auf und sorgte so nach Angaben der Feuerwehr für strahlende Gesichter bei den Helfern.

Im Oktober führte Hundespaziergang zu einer ungewöhnlichen Tierrettung für die Kreisfeuerwehr Northeim. Ein Rottweiler und ein Mischlingshund waren in einer an einem Feldweg gelagerten Holzfinne zwischen den Baumstämmen eingeklemmt und konnten sich nicht mehr befreien. Die Hundehalterinnen riefen die Feuerwehrleute. Die entfernten die Baumstämme und retteten die beiden Tiere und brachten sie in eine Tierklinik.

Von Matthias Heinzel

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29.12.2018