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Göttingen Jüdischer Friedhof Ebergötzen: Gedenkstätte soll errichtet werden
Die Region Göttingen Jüdischer Friedhof Ebergötzen: Gedenkstätte soll errichtet werden
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15:36 16.07.2013
Von Katharina Klocke
Von der Gemeinde gesichert: Steine vom zerstörten jüdischen Friedhof in Ebergötzen.
Von der Gemeinde gesichert: Steine vom zerstörten jüdischen Friedhof in Ebergötzen. Quelle: Hinzmann
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Ebergötzen.

Grabsteine, die Jahrzehnte nach Schändung der Begräbnisstätte durch die Nationalsozialisten wieder auftauchten und von der Gemeinde Ebergötzen aufbewahrt wurden, sollen zum Gedenken an die ehemalige jüdische Bevölkerung in ein sogenanntes Lapidarium eingefügt werden, das der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen dort aufstellen will.

Die jüdische Bevölkerung Ebergötzens bestand laut Chronist Günther Meinhardt mindestens aus zwei Familien: Die Namen Rosenbaum und Poland tauchen im 19. Jahrhundert immer wieder in den Akten auf. Ein Nebengebäude des Rosenbaumschen Anwesens, die spätere Molkerei in Haus Nummer 124, diente offenbar als Synagoge. Über Jahrzehnte bildete die Ebergötzer jüdische Gemeinde nach Verfügung der königlichen Landdrostei mit den jüdischen Glaubensgemeinschaften in Duderstadt und Rüdershausen nach 1843 einen Synagogenverband. Auf dem Friedhof in Ebergötzen soll es 1937 rund 40 Grabstätten gegeben haben, davon einige auch von auswärtigen Verstorbenen.

Den Friedhof übernahm das Forstamt

1895 heißt es in einem Eintrag im Kirchenarchiv, dass es in Ebergötzen keine jüdischen Bürger mehr gab. Den Friedhof übernahm das Forstamt. Die Forstverwaltung genehmigte laut Meinhardt-Chronik auch den Bau des Ehrenmals zum Gedenken an die im Ersten Weltkriegs Gefallenen am Rand der Fläche. Was 1937 zur Schändung der Gräber führte: Unter den Nationalsozialisten sollte die Aufmarschfläche erweitert werden. Dafür wurden Gräber eingeebnet, die Grabsteine und -umrandungen für neues Mauerwerk und Treppen am Ehrenmal verwendet.

Einige der Friedhofsteine wurden Jahrzehnte später wieder ausgebaut und bei der Gemeinde gelagert. Bei einem Termin trafen sich jetzt Vertreter der Geschichtswerkstatt Duderstadt, der Gemeindeverwaltung, der Landesforsten und Ortsheimatpflege, um die Einrichtung einer Gedenkstätte auf dem jüdischen Friedhof zu besprechen. Bodo Gideon Riethmüller vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen lobte die Historiker und Heimatforscher sowie die Gemeinde, „dass sie die Initiative ergriffen haben, damit die jüdische Bevölkerung nicht in Vergessenheit gerät“.

Gäste auf dem eigenen Friedhof

Er berichtete, der Landesverband habe bei den Landesforsten Antrag auf Übertragung der Eigentumsrechte gestellt, „ein jüdischer Friedhof bleibt immer ein jüdischer Friedhof“. Stattdessen sei lediglich ein Gestattungsvertrag angeboten worden, „wir wären Gäste auf dem eigenen Friedhof“. Oliver Glaschke vom niedersächsischen Forstamt Reinhausen sicherte eine erneute Prüfung zu.

Riethmüller will mit dem Vorstand des Landesverbandes klären, ob es einer deutlichen Trennung zwischen Friedhof und Ehrenmal und einer Umzäunung bedürfe, bevor aus neuem Mauerwerk und alten Steinen auf dem jüdischen Friedhof eine Gedenkstätte gebaut wird. Auf Anregung von Ebergötzens Bürgermeister Arne Behre (SPD) soll es eine Veranstaltung für die Bürger geben, auf der die Geschichte und die Gedenkstättenplanung thematisiert werden. Ortsheimatpfleger Wolfgang Buss will für den späten Herbst einen solchen Informationsabend vorbereiten, erklärte er im Zuge des Ortstermins.