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Göttingen „Kommunalpolitik ist meistens eine Sache alter Herren“
Die Region Göttingen „Kommunalpolitik ist meistens eine Sache alter Herren“
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15:22 09.11.2017
Diskussion im Freihafen. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Verbesserungen im Busverkehr, der Ausbau des Radwegenetzes oder iPads in der Schule: Diese Themen haben Zwölf- bis 20-Jährige am Mittwoch während einer Veranstaltung der Grünen Ratsfraktion im Göttinger Club Freihafen angesprochen. Dort ging es um mehr Jugendbeteiligung in der Politik.

Kommunalpolitik ist meistens eine Sache alter Herren“, erklärte Niklas Wagener (Grüne) aus Aschaffenburg. Ansichten und Wünsche junger Menschen fänden zu wenig Berücksichtigung. Deshalb hätten die politischen Jugendorganisationen in Aschaffenburg gemeinsam die Einrichtung eines Jugendparlaments durchgesetzt.

„Gewählt werden die 45 Mitglieder alle zwei Jahre in den Schulen, weil kaum ein Jugendlicher zur Stimmabgabe in ein Wahllokal gehen würde“, erklärte Wagener. Die Wahlbeteiligung steige, wenn das Thema in den Klassen angesprochen werde. Die Sitzungen finden monatlich im städtischen Ratssaal statt. Fraktionen gebe es dort nicht. Die Jugendlichen haben im Rat der Stadt Antragsrecht und könnten sich in allen Sitzungen zu Wort melden. Sie verfügten über ein Budget von 10 000 Euro. Ein hauptamtlicher Mitarbeiter nehme ihnen Verwaltungsaufgaben ab und halte den Kontakt zu den Schulen.

„Pop-up-Jugendparlamente“ organisiert der 2006 gegründete Verein „Politik zum Anfassen“ aus Isernhagen, den Mitarbeiterin Julia Franz vorstellte. „Pimp Your Town“ heiße das Format, bei dem drei möglichst unterschiedliche Schulklassen drei Tage lang zunächst klassenweise, dann im Plenum beratschlagen, wie sich die Stadt für Jugendliche lebenswerter machen lasse. Eine vierte Schulklasse dokumentiert die Diskussionen in einem Magazin und dreht einen Film. 6000 Euro koste das alles zusammen die jeweilige Kommune, so Wagener.

„Am Ende gibt es eine Liste konkreter Vorschläge, die der Rat umsetzen kann“, führte Franz aus. Vieles lasse sich auch bei angespannter Haushaltslage verwirklichen. So habe ein Flüchtlingsmädchen einmal angeregt, im städtischen Hallenbad Badezeiten nur für Frauen anzubieten. Der Rat sei dem gefolgt. „Frustrierend“ sei es dagegen, wenn die Politik mühsam erarbeitete Vorschläge ohne Erklärung ablehne, warnte ein Zuhörer.

Die Stadt Göttingen beziehe bereits heute junge Menschen in die politischen Prozesse ein, betonte Jugenddezernent Siegfried Lieske. So säße im Schulausschuss ein Schülervertreter. Derzeit sei das Christian Zochowski vom Hainberg-Gymnasium. Der Stadtjugendring, der die Göttinger Jugendverbände vertrete, trage für die Stadt Wünsche von Jugendlichen zusammen. Bei der Planung von Spielplätzen würden Kinder aus der Nachbarschaft über Workshops aktiv an der Gestaltung beteiligt. Ihre Anregungen fänden Eingang in die Architektenpläne. Bei einer Beteiligung der Jugend sei auch an junge Menschen zu denken, die sich nicht so gut ausdrücken könnten wie beispielsweise Gymnasiasten, forderte Lieske. Manche von ihnen wüssten nicht einmal genau, was sie eigentlich wollten.

Schülervertreter Zochowski berichtete von den aktuellen Problemen, in Göttingen einen Stadtschülerrat zu bilden. In viele Schulen fühle sich offenbar niemand dafür verantwortlich. Der Informationsfluss zwischen Stadtverwaltung und Schulen sei „nicht optimal“. Auch bei den Schülern sei das Interesse nicht immer groß.

Sollte die Stadt nicht erst einmal diese Probleme lösen, bevor sie viel größere Projekte starte, erkundigte sich ein Zuhörer. Ein anderer regte ein Online-Portal an, über das Jugendliche Anregungen äußern könnten. „Wenn niemand die Ideen aufgreift, wird das Portal bald keine Nutzer mehr haben“, meinte Wagener aus Aschaffenburg.

Jacquline Züchner Quelle: mic

„Jugendliche sollten in Göttingen mehr Möglichketen bekommen, Einfluss auf die Politik zu nehmen.“

Jacquline Züchner (16)

Lea Trojan Quelle: mic

„Die Jugendbeteiligung muss so sein, dass Jugendliche auch Lust haben mitzumachen.“

Lea Trojan (17)

Von Michael Caspar

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