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Göttingen Jugendlicher Raser droht: „Ich stech’ dich ab!“
Die Region Göttingen Jugendlicher Raser droht: „Ich stech’ dich ab!“
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18:36 07.08.2011
Von Matthias Heinzel
Klein, aber schnell: Pocketbikes sind nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen.
Klein, aber schnell: Pocketbikes sind nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Quelle: QZ10
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Pocketbikes sind für öffentliche Straßen nicht zugelassen. Erst recht nicht auf reinen Fußwegen, wie eben den Groner Verbindungsweg. Er habe mehrfach beobachtet, dass durch die rücksichtslose Raserei Fußgänger gefährdet worden seien, sagt Frixe. Wenn man die Jugendlichen anspreche, werde man angepöbelt. Frixe erinnert sich an Sprüche wie „ich mach dich platt, ich steche dich ab“.

Meist seien es Jugendliche mit ausländischem Hintergrund, sagt Frixe, die über den Verbindungsweg rasen. Anrufe bei der Polizei seien bisher ins Leere gelaufen: „Ich selbst habe diesbezüglich schon mehrfach bei der Polizei angerufen. In der Tat konnte die Polizei auch schon einen Jugendlichen erwischen. Aber leider hat das nicht viel gebracht. Die Polizei hat mir geraten, mich auch mit dem Ordnungsamt in Verbindung zu setzen.“

Dort aber sei ihm beschieden worden, es sei zu viel zu tun, und er möge sich doch an die Polizei wenden – die klassische Verantwortlichkeitsschleife also. Frixe: „Ich frage mich, wozu das Ordnungsamt da ist, wenn die selbst bei, Gefahr im Verzug‘ nichts unternehmen.“

Zum Teil sei Frixes Ärger berechtigt, räumt Stadt-Sprecher Detlef Johannson ein: „Richtig ist, dass wir nicht die personellen Ressourcen besitzen, um den Weg regelmäßig oder gar täglich auch in den Abendstunden zu kontrollieren. Wenn sich dazu schon die Polizeiinspektion Göttingen nicht in der Lage sieht, wie sollte das unserem kleinen Stadtordnungsdienst gelingen?“

Falsch sei allerdings die Behauptung, das Ordnungsamt unternehme nichts bei Gefahrensituationen. Johannson: „Über die geschilderte Situation sind wir erst jetzt durch einen Anruf unterrichtet worden. Der Bereich wird verstärkt unsere Aufmerksamkeit binden, auch bei einer aktuell anstehenden Abend- und Nachtkontrolle.“ Außerdem werde Frixe eine Telefonnummer mitgeteilt, über die er bei Störungen direkt Kontakt aufnehmen könne.

Auch die Polizei sehe dem Treiben nicht tatenlos zu, sagt Polizeisprecher Joachim Lüther: „Das Problem ist bekannt, nicht nur in Grone. Auch auf dem Leineberg gebe es Pocketbike-Raser. Es sei nicht richtig, dass die Polizei nichts tue, aber: „Wenn gerade viel anliegt, müssen auch wir Einsatzprioritäten setzen.“ Außerdem seien einige Raser auch schon erwischt worden.

Pocketbikes

Pocketbikes (englisch für Taschenmotorräder) sind motorisierte Zweiräder, die nicht länger als nur gut ein Meter sind. Oft sind sie im Aussehen echten Motorrädern nachempfunden – manchmal so perfekt, dass sie sich nur in der Größe von ihren großen Vorbildern unterscheiden. Ausgestattet sind die Miniatur-Motorräder mit Motoren von etwa 30 bis 50 Kubikzentimetern Hubraum. Die billigsten sind für gut 100 Euro zu haben, hochwertigere Markenprodukte können aber schon einige 1000 Euro kosten. Für den öffentlichen Straßenverkehr sind Pocketbikes nicht zugelassen, weil sie in den seltensten Fällen der Straßenverkehrszulassungsordnung entsprechen. Demzufolge gibt es auch keinen Versicherungsschutz. Wer dennoch mit den Mini-Motorrädern unterwegs ist und von der Polizei erwischt wird, muss damit rechnen, dass die Ordnungshüter das Pocketbike sicherstellen und dann von einem Gutachter überprüfen lassen. Allein das kann den Besitzer mehrere hundert Euro Strafe kosten. Außerdem übernimmt im Falle eines Unfalls keine Versicherung Sach- und oder Personenschäden – auch keine Privathaftpflichtversicherung.