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Göttingen Riemerschmid-Haus: Neue Biber für die Jugendstil-Villa
Die Region Göttingen Riemerschmid-Haus: Neue Biber für die Jugendstil-Villa
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17:25 21.08.2018
Dachsanierung des CVJM Hauses in der Baurat-Gerber-Straße: Roland Elsas (Leitender Sekretär CVJM), sammelt Spenden dafür. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Das Haus mit seinem weißen Putz und grünen Fenstern hebt sich deutlich von den typischen Sandsteingebäuden der Nachbarschaft ab. Eines der seltenen Jugendstilhäuser der Stadt wird saniert, auch mithilfe der Deutschen Stiftung Denkmal.

Bekannter Vertreter des Jugendstils

Von außen weiß verputzt, grüne Fensterläden, ein organisch geschwungener Balkon auf der Rückseite: Das Haus des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) an der Baurat-Gerber-Straße im Göttinger Ostviertel fällt in Südniedersachsen aus dem Rahmen. Es könnte gut in Süddeutschland stehen. Kein Wunder, denn der Architekt der Villa war Richard Riemerschmid. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Designer und Architekten des Jugendstils. Riemerschmid wurde 1868 in München geboren. Er leitete die Kunstgewerbeschule München und die Kölner Werkschulen und war unter anderem der bauliche und künstlerische Leiter der Deutschen Gewerbeschau München 1922.

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Baudenkmal: Das Frank-Haus Quelle: r

Heute ist das Haus im Besitz des CVJM Göttingen. „Das Haus wurde für einen Arzt namens Dr. Frank gebaut”, erzählt CVJM-Geschäftsführer Roland Elsas. Deshalb ist es auf alten Postkarten auch als „Haus Frank” zu sehen. Riemerschmid hatte damals die komplette Ausstattung - auch die Innenausstattung - im Auftrag von Frank entworfen. Heute sind noch die Original-Fliesen, Türen, Fenster und das Treppenhaus erhalten, die Möbel allerdings nicht mehr. Wie es einmal aussah, davon zeugt nur noch die Kopie eines Fotos, das Elsas in einem Ordner aufbewahrt.

Inneneinrichtung des "Frank-Hauses" an der Baurat-Gerber-Straße Quelle: r

Das historische Haus ist nicht nur ein Stücke Stil- und Baugeschichte, es ist auch eine Herausforderung für die Eigentümer. Da es unter strengem Denkmalschutz steht, darf kaum etwas verändert werden. Nun soll aber das Dach saniert werden. „Wir müssen dafür mit Kosten von etwa 100.000 Euro rechnen”, sagt Elsas. Denn: “Es müssen genau die gleichen Biber auf das Dach”, erklärt er. Biber, das sind spezielle Dachziegeln, in diesem Fall „Berliner Biber”. Noch, so Elsas, schütze das Original-Dach das Haus. „Das ist jetzt genau 111 Jahre alt”, so der Leitende Sekretär des CVJM. Nun sei es aber Zeit für eine Dämmung und Erneuerung.

Der CVJM nutzt heute das Hochparterre des Baudenkmals, die beiden oberen Stockwerke sind vermietet. “Mit der Miete finanzieren wir eine halbe Stelle”, so der Geschäftsführer. Eine Kita, Jugendfreizeiten und Hausaufgabenhilfe zählen unter anderem zu den Angeboten des CVJM.

Original Riemerschnmid-Türen. Quelle: Swen Pförtner

Die Deutsche Stiftung Denkmal hat bereits zugesagt, einen Teil der Summe (30.000 Euro) zu übernehmen, das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (15.000 Euro) ebenso. Mit einer Crowdfunding-Kampagne hat Elsas noch einmal 16.000 Euro an Spenden eingeworben. Darüber freut es sich besonders, denn von fünf bis 2000 Euro reichten die Summen. „Viele haben einen Quadratmeter Dach übernommen, nämlich 71 Euro”, sagt er. Die Kampagne läuft noch weiter.

 

Von Britta Bielefeld

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