Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Junge Frau kämpft vor Göttinger Gericht um geschenkten Porsche
Die Region Göttingen Junge Frau kämpft vor Göttinger Gericht um geschenkten Porsche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:02 28.06.2013
Von Jürgen Gückel
Objekt des Zivilstreits: Geschenkter Porsche Boxter, passend zum Outfit der Freundin.
Objekt des Zivilstreits: Geschenkter Porsche Boxter, passend zum Outfit der Freundin. Quelle: Wehrle
Anzeige
Göttingen

Basis des Rechtsstreits ist folgende Dreiecksbeziehung: Sie jung, blond, hübsch und ledig, er schon auf die 50 zugehend, wohlhabend und spendabel. Dazu der Porsche, den der Geschäftsmann aus dem Landkreis Göttingen der jungen Dame im Januar schenkte, indem er ihr alle Schlüssel, Fahrzeugbrief und -schein überreichte.

Doch ehe das Auto zugelassen war, war die außereheliche Liaison schon wieder zu Ende. Die junge Frau freilich wollte nicht von ihm lassen – vom Porsche. Der aber stand noch bei ihm in der Garage, verschlossen. Er behielt den Porsche, sie die Schlüssel und Papiere.
Die Sache landete vor Gericht. Sie will das Auto, er den Nutzungsausfall für fünf Monate, schließlich habe er den Wagen nicht fahren können, mache 79 Euro Schaden täglich. Auf 50 000 Euro addiert sich der Streitwert.

Für die Klägerin ist der Fall klar: geschenkt ist geschenkt. Rechtsanwalt Patrick Riebe beschreibt es mit einem allen Juristen wohl bekannten Klassiker aus dem Verlöbnis-Recht: „Zweck der Hergabe (des Porsche) war die Hingabe.“ Sein juristischer Kontrahent Harald Kropp verweist darauf, dass für eine rechtskräftige Schenkung die korrekte Form fehlt.

So sieht es auch Richterin Claudia Butzmann. Sie zitiert ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe aus 2004 (AZ: 17 U 180/04), in dem schon einmal ein Porsche-Geschenk für nichtig erklärt wurde, weil die Übergabe von Autoschlüsseln und Papieren allein nicht reiche, wenn kein Notar die Schenkung beurkundet hat. „Formunwirksamkeit der Schenkung“, nennt das die Richterin.

Es folgt ein Vergleichsvorschlag: Sie verpflichtet sich, Schlüssel und Papiere herzugeben, er entschädigt sie mit 500 Euro. Auf Schadensersatz für die entgangene Nutzung wird verzichtet, schließlich habe er ja nicht wirklich leiden müssen, weil er noch ein Auto hat. Riebe: „Auch mit Porsche konnte er Mercedes fahren, ohne Porsche musste er Mercedes fahren.“ „Aber mit hätte er Porsche fahren können“, kontert Kropp.

Entschieden ist der Streit noch nicht. Die Klägerin denkt darüber nach, den Vergleich zu widerrufen. Im Karlsruher Fall wusste die Beschenkte nichteinmal, wo der Porsche steht. In diesem Fall aber waren Farbe und Sitze eigens passend zu ihrem Outfit ausgewählt.