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Göttingen Junges Theater Göttingen: Außergewöhnliches Programm, kreative Pläne
Die Region Göttingen Junges Theater Göttingen: Außergewöhnliches Programm, kreative Pläne
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16:49 09.06.2020
Unter anderen Umständen: Für den Rest der Saison und darüber hinaus planen Intendant Nico Dietrich (l.) und Dramaturg Christian Vilmar für das Junge Theater (JT) Göttingen weiterhin neue Formate – vielleicht gibt es bald Vorführungen aus den Fenstern des JT-Gebäudes an der Bürgerstraße hinaus. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Im Juli endet die Saison am Jungen Theater (JT) Göttingen. Doch zuvor haben die Aktiven noch einiges vor. Am Dienstagvormittag haben JT-Intendant Nico Friedrich und Christian Vilmar, leitender Dramaturg, die Pläne für die letzten Wochen der Saison und darüber hinaus vorgestellt. Die Situation sei in jeder Hinsicht außergewöhnlich, so Dietrich – doch die Erlebnisse der vergangenen Monate gäben reichlich Anlass zu Optimismus. Die neuen Wege, die das JT in der Corona-Krise eingeschlagen hat, könnten sich dauerhaft auf den Theaterbetrieb auswirken.

„Das JT kann auch unter Corona-Bedingungen spielen“, bilanziert Intendant Dietrich die vergangenen Monate. Das sei die wichtigste Erkenntnis – denn auch das JT wurde von der Corona-Krise getroffen, finanziell und organisatorisch. Die meisten Veranstaltungen der vergangenen Monate waren für Zuschauer kostenlos. Die Einnahmen setzten sich fast vollständig aus Spenden zusammen, so Dietrich. Für eine imaginäre Benefizgala im Mai etwa hätten mehr als 200 Menschen eine Karte gekauft. Durch solche Zuwendungen könne das JT seinen selbständigen Künstlern immerhin 60 Prozent der Gagen bezahlen.

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Besondere Zeiten fordern auch am JT kreative Lösungen

In der Krise ist man auch am Jungen Theater noch kreativer geworden. Um ihre Kunst ohne Aufführungen im Saal weiterhin unter die Leute bringen zu können, tourten die Darsteller des JT in den vergangenen Monaten mit Fensterkonzerten durch die Region, zeichneten Stücke für den Online-Stream auf und spielten bei den neu ins Leben gerufenen Open-Air-Veranstaltungen wie den „Park Events“ am „Kauf Park“. Viele dieser Projekte sollten bis zum Saison-Abschluss fortgesetzt werden, sagt Dietrich – und das eine oder andere Projekt komme noch dazu.

Bereits am Mittwoch, 10. Juni, feiert der JT-Beitrag zum „Hart-am-Wind-Festival“ online seine Premiere. Das Göttinger Theater nimmt mit einem Ausschnitt aus „fridays. future“ an dem Wettbewerb teil, der im Internet auch für die Öffentlichkeit befristet zu sehen sein soll. Ein weiteres Online-Projekt des JT solle am Freitag, 19. Juni, Premiere feiern, kündigt Dietrich an: Eine vollständige Aufzeichnung von „Deutschland. Ein Wintermärchen“, aufgenommen am 4. Mai im Saal des JT, werde dann online gehen.

Vielleicht geht es nach der Sommerpause auch im Saal des Jungen Theaters weiter – dafür werden bereits Vorbereitungen getroffen. Quelle: Christina Hinzmann

Saisonabschluss auf dem Schützenplatz

Außerdem spielen die Aktiven des JT beim „Balladentelefon“ neuerdings am Telefon und im Video-Chat. Das Besondere daran: „Man kommt den Schauspielern viel näher als sonst“, so Dramaturg Vilmar. Mancher Darsteller habe vor seiner digitalen Premiere mehr Lampenfieber gehabt als sonst – schließlich könne man die Zuschauer plötzlich direkt vor sich sehen und nicht, wie sonst, nur als Schatten im Saal.

Den Saison-Abschluss für das JT sollen zwei Auftritte bei der Veranstaltungsreihe „Auto-Kultur“ auf dem Schützenplatz in Göttingen bilden. Am Montag, 29. Juni, und Freitag, 4. Juli, werde man mit „Die Wunderübung“ und „Wild Thing“ auf der Bühne stehen, kündigt Dietrich an. Dafür werde dort eine variable Bühne aufgebaut – und vielleicht könnten die Künstler sogar nicht nur vor Menschen in Autos, sondern direkt vor ihrem Publikum auftreten, ergänzt René Mehnert, Veranstalter der „Auto-Kultur“. Die Richtlinien des Landes Niedersachsen ließen das nach aktuellem Stand zu.

Neustart mit Muppet-Show an der Bürgerstraße?

Bis Mitte August soll es dann vom JT keine Aufführungen mehr geben. Die Sommerpause werde man für umfangreiche Proben nutzen, kündigt Dietrich an. Denn: „Auch die neue Saison wird keine normale.“ Man arbeite bereits an weiteren neuen Formaten. Denkbar sei zum Beispiel eine Art Muppet-Show, bei der die Künstler in den Fenstern des JT-Gebäudes an der Bürgerstraße spielen und das Publikum vor dem Haus sitzt. Dafür seien bereits Stücke in Planung – welche, werde aber noch nicht verraten.

Das ist das Restprogramm des JT bis zur Sommerpause

In einem Monat ist die Schauspiel-Saison für das Junge Theater (JT) Göttingen vorbei und die Sommerpause beginnt. Bis dahin stehen noch verschiedene Projekte auf dem Programm, die die Aktiven ins Internet, nach Hamburg, in den Harz und auf den Schützenplatz führen.

  • Mittwoch, 10. Juni: Videopremiere von „fridays. future“ beim Hart-am-Wind-Festival in Hamburg
  • Donnerstag, 11. Juni: Fensterkonzert bei den Harz-Weser-Werken in Osterode
  • Freitag, 12. Juni: Wiederholung von „fridays.future“ beim Hart-am-Wind-Festival in Hamburg
  • Freitag, 12. Juni: Preisverleihung beim Hart-am-Wind-Festival in Hamburg
  • Freitag, 12. Juni: Balladentelefon
  • Mittwoch, 17. Juni: Balladentelefon
  • Freitag, 19. Juni: Videopremiere von „Deutschland. Ein Wintermärchen“
  • Freitag, 26. Juni: „Die Wunderübung“ bei der „Auto-Kultur“ auf dem Schützenplatz in Göttingen
  • Sonnabend, 4. Juli: „Wild Thing“ bei der „Auto-Kultur“ auf dem Schützenplatz in Göttingen

Sie erreichen den Autor per Mail an lokales@goettinger-tageblatt.de.

Von Tammo Kohlwes