Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen K+S will nun doch Pipeline für Salzabwässer
Die Region Göttingen K+S will nun doch Pipeline für Salzabwässer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:14 05.01.2011
Von Gerald Kräft
Salzige Werra bei Hann. Münden: Der Kasseler Salzhersteller K+S plant eine Laugenpipeline zur Nordsee.
Salzige Werra bei Hann. Münden: Der Kasseler Salzhersteller K+S plant eine Laugenpipeline zur Nordsee. Quelle: Pförtner
Anzeige

K+S erhofft sich mit dem Schritt Anschlussgenehmigungen für die kommenden Jahre, um weiterhin Kali-Abwässer aus seinen Gruben in Hessen und Thüringen in die Werra leiten zu dürfen. Die Pipeline könnte 2020 Salzabwässer der Produktion und von Halden direkt in die Nordsee leiten. Die Kosten werden auf bis zu 600 Millionen Euro veranschlagt.

Thüringen hatte Ende Oktober bekanntgegeben, die Ende 2012 auslaufende Genehmigung zur Einleitung kalihaltiger Bergbauabwässer in die Werra nicht verlängern zu wollen. In Hessen läuft eine Genehmigung zur Versenkung der Produktionsabwässer in tiefe Gesteinsschichten Ende 2011 aus. Die Laugenpipeline zur Nordsee wird allerdings vom Nordseeanrainer Niedersachsen abgelehnt, der um sein Weltkulturerbe Wattenmeer fürchtet.

Der runde Tisch zur Werraversalzung hatte hingegen mit großer Mehrheit eine Nordseepipeline empfohlen. Die thüringische Werragemeinde Gerstungen rief jetzt sogar das Bundesverfassungsgericht gegen eine Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs an, der durchaus eine Gefährdung des Gerstunger Trinkwassers durch hessische Kalilaugenversenkungen sieht, jedoch eine kurzfristige Einstellung der Versenkung ablehnte.

K+S hatte im Juli 2007 einen Antrag zum Bau einer 63 Kilometer langen Salz-Pipeline in Hessen zur Werra gestellt. Werra- und Weseranrainer wie auch der Landkreis Göttingen hatten daraufhin Klage gegen die Einleitung von Salzlauge in Werra und Weser beim Kasseler Verwaltungsgericht gegen die genehmigende Behörde, das Regierungspräsidium Kassel, eingereicht. Nach einem ablehnenden Bescheid des Gerichts sind einige Kommunen jetzt in der Berufung. Im Genehmigungsverfahren für die kleine Pipeline sind mehr als 5000 Einwände eingegangen. Bis zu 700 000 Kubikmeter zusätzliche Salzlauge sollen jährlich in die Werra geleitet werden können. Das Unternehmen will den noch bis 2012 geltenden Grenzwert von 2500 Milligramm Chlorid je Liter nicht überschreiten. Die bestehende wasserrechtliche Erlaubnis deckt aus Sicht des Landkreises Göttingen nicht die dauerhafte Einleitung in die Werra. In seiner Stellungnahme an das Regierungspräsidium fordert der Landkreis eine Beteiligung von Fischereigenossenschaft Hann.Münden und Landwirtschaftskammer. Zu untersuchen seien auch Auswirkungen auf das gesamte Flusssystem.

Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen, Stefan Wenzel, bezeichnete die Ankündigung von K+S zur Pipelineplanung als taktisches Manöver. Es werde eine rein virtuelle Problemlösung angeboten, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Auch eine Laugenpipeline zur Oberweser sei nicht akzeptabel. Die Manager von K+S betrieben eine Strategie des aktiven Verwirrens, so der Mündener SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke. Die Drohung mit einer Pipeline in die Oberweser sei lediglich Bestandteil des Verwirrspiels von K+S. Die sinnvollste Lösung sei, die Produktionsabwässer am Produktionsort vollständig zu vermeiden. K+S übe mit der Androhung von Arbeitsplatzverlusten enormen Druck auf Hessen und Thüringen aus.