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Göttingen Kabel Deutschland ändert Programmangebot
Die Region Göttingen Kabel Deutschland ändert Programmangebot
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12:46 27.03.2014
Von Matthias Heinzel
Ändert sich: das Fernseh-Programmangebot des Netzbetreibers Kabel Deutschland.
Ändert sich: das Fernseh-Programmangebot des Netzbetreibers Kabel Deutschland. Quelle: dpa
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Göttingen

Ob die Kunden die Änderungen begrüßen, ist fraglich:

So verschwinden die dritten Programme des hessischen Rundfunks (HR) und des westdeutschen Rundfunks (WDR) ebenso wie 1.2.3.tv. WDR und HR „haben sich nicht wieder für einen Kabelplatz in Niedersachsen beworben und werden somit nicht mehr im analogen Angebot vorhanden sein“, erklärt Heike Koring, Sprecherin von Kabel Deutschland. Kabel Deutschland setze damit die neue Belegungsentscheidung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt um.

Tatsächlicher Hintergrund dürfte die Weigerung von ARD und ZDF aus dem vergangenen Jahr sein, Kabel Deutschland weiterhin Millionenbeträge für die Einspeisung ihrer Programme ins Kabelnetz zu zahlen. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten stehen auf dem Standpunkt, Gebührengelder dürften nicht dazu benutzt werden, Privatfirmen zu alimentieren, die mit dem Angebot der Öffentlich-Rechtlichen auch noch gut verdienen.

Im Gegenzug hatte Kabel Deutschland entschieden, nur noch die gesetzlichen Verpflichtungen zu erfüllen: Diese sehen vor, dass Kabelnetzbetreiber im Sinne einer Grundversorgung neben ARD und ZDF auch das regionale dritte Programm einspeisen – aber nicht ortsfremde dritte Programme. Dies wird jetzt offenbar umgesetzt.

Anstatt der abgeschalteten öffentlich-rechtlichen Sender werden die Sender Bibel TV, Anixe, Das Vierte und EuroNews neu eingespeist. Die Programme CNN International und HSE24 werden zukünftig ganztätig gesendet. DMAX wechselt den Kanalplatz und ist in Kanalteilung mit VIVA zu sehen. VIVA sendet von 6 bis 20 Uhr und DMAX von 20 bis 6 Uhr. Einen Kanalplatz teilen sich ebenfalls Channel 21 und BBC World. Channel21 ist von 9 bis 20 Uhr empfangbar, BBC World von 20 bis 9 Uhr.

KiKA teilt sich den Kanalplatz zukünftig mit dem neu empfangbaren Sender EuroNews.KiKA ist wie bisher von 6 bis 21.05 Uhr empfangbar, die übrige Zeit sendet EuroNews. Alle Programme, so Sprecherin Koring weiter, seien aber weiterhin 24-stündig digital empfangbar.

Die Programmierung des Fernsehers kann unverändert bestehen bleiben. Die von einem Wechsel betroffenen Sender sind weiter empfangbar, befinden sich lediglich auf anderen Kanalplätzen. Sollten einzelne Sender nicht angezeigt werden, empfiehlt Kabel Deutschland, einen Sendersuchlauf zu starten.  Die Umstellung werde Kabelnetz für Kabelnetz vollzogen und Mitte April abgeschlossen sein, kündigt Koring weiter an.

Die Programmübersicht ist im Internet unter kabeldeutschland.de, abrufbar. Auskünfte zu den Angeboten von Kabel Deutschland gibt es im Internet, beim Kundenservice-Center unter der Rufnummer 0800/27 8 70 00 und im Fachhandel.

►Kommentar: Biblische Frechheit

 

Dass Kabel Deutschland Vollprogramme wie WDR und HR auf seinem ohnehin nicht gerade üppigen analogen Programmangebot durch solche Spartensender ersetzt, ist nicht nur frech, sondern auch dumm.

Weil der TV-Dienstleister damit seine Auseinandersetzungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern auf dem Rücken seiner Kunden austrägt, werden diese sich über kurz oder lang überlegen, den Übertragungsweg zum heimischen Fernseher zu wechseln.

Denn billig ist ein Kabel Deutschland-Anschluss nicht. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten gibt es zum Kabelanschluss einige Alternativen.

So könnte sich der christliche Kabel-Kurs als Bumerang erweisen und das Unternehmen viel mehr Geld kosten als der Verzicht auf die Entgelte der Sender für die Einspeisung ihrer öffentlich-rechtlichen Programme ins Kabelnetz.

Aber vielleicht hilft ja auch eine Beschwerdewelle bei den Verantwortlichen von Kabel Deutschland, die biblische Zwangsbeglückung zu stoppen.

Matthias Heinzel

Alternativen zum Kabel

DVBT (digitale terrestrische Ausstrahlung, empfangbar mit Antenne und Receiver, letzterer in modernen TV-Geräten meist integriert).

Vorteile: nach Anschaffung von Antenne und eventuell Receiver kostenloser Empfang bei digitaler Bild- und Tonqualität.
 Nachteile: geringe Programmvielfalt (in Göttingen keine privaten Sender).

Satelliten-Antenne („Schüssel“).

Vorteile: Progammvielfalt, nach Anschaffung von Antenne und Receiver (wenn nicht im TV-Gerät integriert) kostenlos.
 Nachteile: für Mieter ist die Anbringung einer Satellitenschüssel wegen optischer Beeinträchtigung der Hausfassade häufig verboten. Dazu gibt es eine komplizierte Rechtssprechung, basierend auf der Informationsfreiheit. Grundzüge: Der Vermieter kann eine Schüssel verbieten, wenn es ein vielfältiges Kabelangebot gibt.

Nicht aber bei ausländischen Mietern, weil das digitale Kabelangebot Sender aus der Heimat nicht liefert. Eine Schüssel, die weniger sichtbar auf dem Balkon aufgestellt ist (an einer Stange, die in einem betongefüllten Eimer steht), ist erlaubt.

Via Internet: über die Telefondose per DSL (Apple.tv oder Maxdome oder bei der Telekom).

Vorteile: Programmvielfalt.
Nachteile: Computerbindung (einige neue TV-Geräte bieten allerdings Internet-Empfang). Ist teuer, wenn die Verbindung nur wegen des TV-Empfangs angeschafft wird. Dies aber wird zumeist ausgeglichen durch eine Flatrate, die neben Fernsehen auch Telefon und Internet einschließt.

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