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Göttingen Kampf gegen Borkenkäfer mit Monitoring
Die Region Göttingen Kampf gegen Borkenkäfer mit Monitoring
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00:26 23.06.2019
Borkenkäfer können je nach Witterung mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen. Quelle: Foto: dpa
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Region

Der Borkenkäfer hat sich im vergangenen Jahr zu einem großen Problem entwickelt. Und auch derzeit ist die Situation in den Wäldern der Region noch immer angespannt.

„Das trockene Jahr 2018 hat die Verbreitung des Borkenkäfers begünstigt“, erklärt Michael Rudolph, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Mittlerweile sei der Befall nicht mehr nur bei Fichten, sondern auch bei Laubbäumen, wie beispielsweise Buchen und Lerchen festgestellt worden. „Es gibt nicht nur den einen Borkenkäfer, sondern jeder Baum hat seinen eigenen“, sagt Rudolph. Doch während bei den Fichten die Schäden innerhalb kürzester Zeit sichtbar seien, würden diese bei Laubbäumen erst mit Verzögerung auftreten. „Bei den Buchen sehen wir jetzt, dass sie trocken werden“, so Rudolph. Dieses Phänomen sei nicht nur in Wäldern, sondern auch bei Bäumen in Gärten beobachtbar. Auch in diesem Jahr habe der Borkenkäfer bereits wieder Schäden angerichtet, und die erste Generation der Käfer sei bereits im April ausgeflogen. „Wie viele Generationen der Käfer sich innerhalb eines Jahres entwickeln ist witterungsabhängig. Ein extrem trockenes und warmes Jahr wie 2018 begünstigt die Vermehrung des Borkenkäfers“, erklärt Rudolph. Die Käfer würden bei einer Temperatur von mehr als 16 Grad Celsius und trockener Witterung mit den Schwärmflügen beginnen.

Bäume fällen und entfernen

In den Wäldern der Forstämter und Reinhausen hätten die Käfer ebenso wie im Harz erhebliche Schäden angerichtet. „Die einzige Möglichkeit den Käfer zu bekämpfen, ist die befallenden Bäume zu fällen, und somit den Ausflug der Tiere zu verhindern“, sagt Rudolph. Außerdem müssten die Bäume dann schnellstmöglich aus dem Wald gebracht werden, doch genau damit gebe es derzeit Probleme, da der Holzmarkt gesättigt sei. Dafür verantwortlich seien auch die Sturmschäden nach Friederike im Jahr 2018 und Eberhard im März dieses Jahres. „Für den Wald waren die Monate seit Anfang 2018 mit Stress verbunden, die Stürme, die an den Wurzeln gerissen haben, die extreme Trockenheit und der Käfer, das alles sind Faktoren, die den Bäumen extrem zugesetzt haben“, sagt Rudolph. Diese Bedingungen haben auch dazu geführt, dass die Landesforsten im Vorjahr, erstmals seit 2007 keinen Gewinn erwirtschaftet haben, dies geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht hervor. „Durch das Überangebot auf dem Holzmarkt, dass durch Stürme und Käfer entstanden ist, sind die Holzpreise um 30 Prozent gesunken“, heißt es in dem Bericht weiter. Das Defizit der Landesforsten belaufe sich auf 5,9 Millionen Euro. „So eine starke Vermehrung der Käfer, hat es bislang noch nicht gegeben“, sagt Rudolph.

Wie entwickeln sich Borkenkäfer?

Zu den gefährlichsten Borkenkäfer zählen der Buchdrucker und der Kupferstecher, die beide die Fichte befallen. Bei Borkenkäfern handelt es sich um sogenannte „sekundäre“ Schädlinge, die nur in kränkelnden und absterbenden Bäumen günstige Entwicklungsbedingungen finden. Dazu gehören auch durch Windwuf geschwächte Bäume, vor allem Fichten, die als Brutstätte dienen. Deshalb sei vor vor allem nach Stürme eine starke Ausbreitung des Käfers zu beobachten.

173000 Euro als Zusatzausgabe

Doch nicht nur für die Landesforsten haben Probleme mit dem Befall der Borkenkäfer, sondern auch im Göttinger Stadtwald müssen die entstandenen Schäden beseitigt werden. Hierzu werden die Ratsmitglieder in ihrer heutigen Sitzung über außerplanmäßige Ausgabe in Höhe von 173000 Euro entscheiden. Darin enthalten sind laut Angaben in der Beschlussvorlage 140000 Euro für den Einsatz eines Unternehmens zur Holzernte, 23000 Euro für Pflanzen und Zäune sowie 10000 Euro für ein Monitoring. Das Monitoring sei wichtig, um in den verbleibenden Fichtbeständen frühzeitig einen Käferbefall feststellen zu können.

Kollegen aus anderen Gebieten unterstützen

Die Wichtigkeit des Monitorings betont auch Rudolph, der berichtet, dass dies in den Wäldern im Harz und Solling derzeit eine tägliche Aufgabe für die Forstleute ist. „Wir haben dafür Kollegen aus Bereichen, die nicht mit so starkem Borkenkäferbefall zu kämpfen haben in diese Wälder abgeordnet“, sagt Rudolph. Sobald ein weiterer Befall entdeckt worden sei, sei es, notwendig diese Bäume schnellstmöglich zu fällen. Bestandteil des Monitorings sei in größeren Fichtengebieten auch das gezielte Anlocken von Käfern mithilfe von Duftstoffen zu einem Fallensystem, das außerhalb des Waldes stehe. „Wir hoffen, dass es uns dadurch gelingt die Ausbreitung des Käfers einzudämmen und somit die Schäden gering zu halten“, sagt Rudolph. Dennoch müsse trotz aller Maßnahmen abgewartet werden, wie sich die Witterung in den kommenden Wochen entwickelt. „Für den Wald wäre es gut, wenn es nicht wieder so trocken wird“, erklärt Rudolph. Über eventuelle Schäden für dieses Jahr könne noch keine Aussage getroffen werden, weil dafür die Witterung in den kommenden Wochen entscheidend sei. Derzeit rechnet Rudolph damit, dass eine Generation der Borkenkäfer in der ersten Juli mit dem Ausschwärmen beginnen werde.

Aufräumarbeiten beendet

Die Aufarbeitung der durch Sturm Friederike entstandenen Schäden in den Forstämtern Reinhausen und Hann. Münden der Niedersächsischen Landesforsten sind abgeschlossen. Doch gestaltet sich der Abverkauf des gefallenen Holzes aufgrund des Überangebotes am Markt schwierig. „Insbesondere im Gebiet Reinhausen hat es durch die Stürme erhebliche Schäden gegeben“, erklärt Michael Rudolph, Pressesprecher der Landesforsten. Die Abfuhr des Holzes verzögere sich hier wegen der angespannten Marktsituation, und es sei erst einmal nicht mit einer Verbesserung der Marktsituation zu rechnen. „Dies liegt auch mit an der Trockenheit im Vorjahr und dem massiven Borkenkäferbefall“, sagt Rudolph. Deshalb sei davon auszugehen, dass der Erlös für Holz niedriger Ausfalle als in den Vorjahren.

Borkenkäfer befallen Bäume am Wurmberg

Am Wurmberg sind mehrere tausend Fichten von Borkenkäfern befallen und müssen gefällt werden. Neun Spezialmaschinen und 15 Arbeitskräfte sind mit den Baumfällarbeiten beschäftigt. Darüber informieren die Landesforsten.

Wo die Forstmaschinen nicht fahren können, kommt ein spezieller Seilkran zum Einsatz, um die Bäume aus dem Wald zu ziehen. Zahlreiche Wander- und Forstwege sind in den nächsten vier Wochen gesperrt.

Einschränkungen für Wurmberg-Besucher

Die Landesforsten rechnen mit weiterem Befall. „Die richtig warmen Monate stehen uns noch bevor und täglich entdecken wir neue Bäume, in die sich der Buchdrucker eingebohrt hat“, sagt Revierförster Harald Laubner. Das Niedersächsische Forstamt Lauterberg lässt aus Sicherheitsgründen die Brockenstraße komplett sperren. Der Wanderweg von der Bärenbrücke in Richtung Dreieckiger Pfahl ist bis Böser Hund nicht passierbar. Auch im Bereich rund um das Rodelhaus werden alte Fichtenbäume gefällt. Insgesamt müssen Wurmberg-Besucher mit erheblichen Einschränkungen rechnen, teilt das Forstamt mit.

Laubner befürchtet dramatische Schäden in den kommenden Monaten. Extreme Trockenheit im vergangenen Jahr, wenig Niederschläge im Winter und hohe Temperaturen hätten die Fichten weiter geschwächt. „Inzwischen hat sich eine enorme Borkenkäfer-Population aufgebaut, die uns als direkter Nachbar zum Nationalpark voll erwischt“, beschreibt der Forstmann aus Braunlage. Alle verfügbaren Spezialmaschinen und Arbeitskräfte sollen nun helfen, die von Insekten befallenen Bäume schnellstmöglich zu fällen und aufzuarbeiten. Ziel ist es zu verhindern, dass die jungen Borkenkäfer ausschlüpfen und weitere Bäume befallen.

Von Vera Wölk und Natalie Bornemann

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