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Göttingen Kanalnetz in Groß Schneen: Bei Regen quillt Abwasser aus Gullys
Die Region Göttingen Kanalnetz in Groß Schneen: Bei Regen quillt Abwasser aus Gullys
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20:02 29.08.2013
Von Jürgen Gückel
Hier fließt alles zusammen: Unter der Michaelisstraße staut sich das Abwasser Groß Schneens. Quelle: Hinzmann
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Groß Schneen

Am Mittwoch erhitzte das schmierige Thema den Ortsrat, den Wasserverband Leine Süd und die vielen Zuhörer.  Es ging um die Vorstellung einer hydraulischen Untersuchung von Regen- und Schmutzwasserkanalisation im Dorf. Die war vom Verband in Auftrag gegeben worden, weil die Michaelisstraße schon lange als eine Art Nadelöhr für die Wasserentsorgung bekannt ist.

Weil zudem gerade die mögliche Bebauung im Innenbereich des Dorfes (am Helmstor und am Kirschgarten) geprüft wird und diese „wünschenswerte Innenverdichtung“ zu weiterer Belastung des Kanalnetzes führt, wollte der Ortsrat wissen, was die Folge ist. Glaubt man den Ausführungen des Ingenieurbüros, ist alles in Ordnung. Das Nadelöhr Michaelisstraße, wo alles zusammenfließt, ist mit einem Kanaldurchmesser von 1,20 Metern für Schmutzwasser ausreichend groß, um die angeschlossenen 45 Prozent  aller Grundstücke zu entwässern. An seine Grenze dürfte der Kanal weniger als einmal in drei Jahren kommen. Einzig in der Kampstraße gebe es Defizite im Querschnitt, damit einen Rückstau. Würde man diesen beseitigen, würde sich der Wasserspiegel im 1,20-Meter-Rohr der Michaelisstraße nur zehn Zentimeter heben.

16 Liter Durchfluss je Sekunde

Auch beim Schmutzwasser, von dem sogar 88 Prozent aller Haushalte durch die Michaelisstraße entsorgen, sei die Kanalkapazität groß genug. Allerdings, so ergaben Messungen, dringe bei Regen viel Fremdwasser ein, das dann teuer mit gereinigt werden müsse. Bei Regen waren bis zu 16 Liter Durchfluss je Sekunde gemessen worden; normal sind es vier.

Der Theorie begegnete für die Anwohner die SPD-Fraktionsvorsitzende Margot Blotevogel (SPD) mit der Praxis. Sechsmal allein in diesem Jahr hätten ihre automatischen Sicherheitsventile Alarm geschlagen. Nachbarn, die diese nicht besitzen, hätten dann die Jauche im Keller und das Regenwasser im Garten gehabt. Selbst entsorgen, also zur Toilette gehen, sei dann unmöglich. Es könne nicht angehen, dass man durch immer neue Baugebiete, die durch diese Straße entsorgen, weiter zunehmende Probleme bekomme.

Verbandsvorsteher Andreas Friedrichs (SPD), zugleich Bürgermeister, betonte aber: Das Gutachten zeige, dass der Verband die gesetzlichen Vorgaben einhalte. Wenn die Politik einen höheren Standard und mehr Sicherheit verlange, werde das zwangsläufig dramatische Auswirkungen auf die Abwassergebühren haben. Denkbar sei  – wie in Göttingen – ein Generalentwässerungsplan (Kosten: 200 000 Euro) und anschließend zwangsweise Dichtigkeits- und Fehlanschluss-Überprüfungen aller Anschlüsse. Das dann aber in allen 36 Orten des Verbandes. Die Debatte hat erst begonnen.