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Göttingen Was bedeutet die geplante „Kasseler Kurve“ für den Landkreis Göttingen?
Die Region Göttingen Was bedeutet die geplante „Kasseler Kurve“ für den Landkreis Göttingen?
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20:24 15.12.2019
Um andere Strecken zu entlasten, soll in den kommenden Jahren die Güterzug-Spange „Kurve Kassel“ entstehen. Dies stößt allerdings schon jetzt auf Widerstände (Symbolbild). Quelle: Deutsche Bahn / Claus Weber
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Kassel / Region

Wie stark wird sich die geplante neue Güterzug-Spange „Kasseler Kurve“ auf den Landkreis Göttingen auswirken? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Bauen, Planen und Energie in seiner Sitzung am 16. Dezember ab 15 Uhr im Kreishaus Göttingen. Anlass ist eine Anfrage der Kreistagsgruppe SPD / Grüne / Freie Wähler an Landrat Bernhard Reuter (SPD).

Die „Kasseler Kurve“ gehört zu den Infrastruktur-Projekten des vom Bundestag beschlossenen Bundesverkehrswegeplans 2030. Die Netzsparte der Deutschen Bahn will hierfür eine Güterzug-Spange im Kasseler Norden bauen, die Teil der Ausbaustrecke Halle-Paderborn werden und vor allem der Beschleunigung des Güterverkehrs auf der Schiene dienen soll. Unklar ist noch die genaue Streckenführung; derzeit sind drei Varianten im Gespräch.

Ein Güterzug rollt bei Freden durch das Leinetal. Quelle: Deutsche Bahn / Wolfgang Klee

Eine der drei von der Bahn vorgeschlagenen Korridore würde von Espenau-Mönchehof nach Staufenberg-Speele führen. Hierzu möchte die Kreistagsgruppe wissen, welche Informationen dem Landkreis Göttingen insbesondere im Hinblick auf die räumliche Betroffenheit im Planungsraum vorliegen. Außerdem fragt die Gruppe, inwiefern die Gremien des Landkreises Göttingen in die weitere Planung einbezogen werden und ob der Landkreis Göttingen am „Runden Tisch Kurve Kassel“ beteiligt ist.

Entlastung für andere Strecken

Ziel der „Kasseler Kurve“ ist es, die Güterverkehrsverbindung zwischen Hannover und Magdeburg zu entlasten. Güterzüge im Ost-West-Verkehr sollen deshalb künftig verstärkt über Kassel fahren – ohne allerdings, wie bisher, in den Rangierbahnhof Kassel einfahren und dort die Fahrtrichtung ändern zu müssen. Deshalb soll die Strecke von Paderborn über Altenbeken nach Kassel mit der Strecke Kassel-Eichenberg-Nordhausen durch eine Neubaustrecke verbunden werden – die „Kurve Kassel“.

Gegen diese haben sich inzwischen verschiedene Bürgerinitiativen in Stellung gebracht. Die Gruppe „Keine Kurve Kassel“ aus Vellmar argumentiert zum Beispiel, dass die neue Spange zu einer „unzumutbaren Belastung für die Menschen in unserer Stadt“ führen würde und außerdem ein „unverhältnismäßiger Eingriff in Natur und Landschaft“ wäre. Bis zu 44 Güterzüge täglich sollen aktuellen Prognosen zufolge auf dieser neuen Strecke fahren.

Argumente für Alternative

Die Initiative „Keine Kurve Kassel“ hat deshalb eine Alternative ins Spiel gebracht – und vorgeschlagen, die schon bestehende Bahnlinie Altenbeken-Bodenfelde-Northeim und von da aus die Südharz-Strecke nach Nordhausen (beziehungsweise die Strecke Altenbeken-Bodenfelde-Göttingen-Eichenberg-Nordhausen) zu nutzen. „Diese Alternativstrecke müsste zwar größtenteils um ein zweites Gleis ergänzt und elektrifiziert werden. Sie hat dennoch klare Vorteile gegenüber der Kurve Kassel“, findet die Initiative.

Die Strecke sei bereits vorhanden und auch schon für den Güterverkehr genutzt worden. Die Trasse stehe im Eigentum der Bahn; private oder gewerbliche Eigentümer müssten nicht weichen. Außerdem sei die Alternativstrecke 30 Kilometer kürzer als eine Verbindung über die „Kurve Kassel“. Auch zu diesem Alternativvorschlag hat die Mehrheitsgruppe im Kreistag Fragen an den Landrat formuliert – unter anderem, welche Auffassung die betroffenen Anrainerkommunen im Bereich Südharz vertreten.

Pro Bahn: Alternative Strecke wäre „ein ganz anderes Projekt“

Der Fahrgastverband Pro Bahn lehnt die „Kurve Kassel“ nicht grundsätzlich ab, wie die Regionalverbände Südniedersachsen und Nordhessen jetzt in einer gemeinsamen Erklärung betonten. Ihr Bau könnte demnach „ein wichtiger Baustein der Verkehrswende“ werden. Das Projekt stehe noch am Anfang, deshalb sei es „unangebracht, es schon zu Beginn der Planungen mit fundamentaler Kritik zu überziehen.“ Das mache sich zwar gut in den Schlagzeilen, verdränge aber, dass ein grundlegender Ausbau der Bahn-Infrastruktur erforderlich sei, um maßgebliche Verkehrsmengen von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Eine weiträumige Alternative über Nordhausen-Northeim-Bodenfelde sollte nach Meinung von Pro Bahn zwar in die Überlegungen einbezogen werden; es sei aber zu berücksichtigen, dass deren zweigleisiger Ausbau und die notwendige Elektrifizierung auf 160 Kilometern Länge allein vom Umfang her „ein ganz anderes Projekt“ sei als die Kasseler Kurve. Vertreter von Solling-Kommunen und des Landkreises Northeim hätten zudem bereits darauf hingewiesen, dass die Solling- und Südharzbahn Nordhausen-Bodenfelde in vielen Bereichen sehr eng an der vorhandenen Bebauung vorbeiführe – was deren Ausbau und Elektrifizierung erheblich einschränke.

In der Sitzung des Ausschusses soll es laut Tagesordnung auch einen Sachstandsbericht zur „Kurve Kassel“ geben. Außerdem beschäftigt sich das Gremium unter anderem mit dem Südniedersachsenprogramm, dem „Fachwerk5Eck“, dem Klimaschutz in der Verwaltung sowie den um 170 000 Euro gestiegenen Kosten beim Bau der neuen Sporthalle in Groß Schneen – auf nunmehr 8,57 Millionen Euro.

Von Markus Riese

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