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Göttingen Kasseler wegen Exhibitionismus in Göttingen verurteilt
Die Region Göttingen Kasseler wegen Exhibitionismus in Göttingen verurteilt
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00:34 01.08.2015
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Der Familienvater bestreitet. Die Anklage wirft ihm vor, am Abend des 22. Oktober 2014 im Badeparadies Eiswiese mit beiden Händen im Schoß und in Anwesenheit von vier unbekleideten Frauen in der Sauna an sich „manipuliert“ zu haben. Ein Verstoß gegen Paragraf 183 des Strafgesetzbuches wird mit bis zu einem Jahr Freiheitsentzug geahndet.

 
Dem frühpensionierten Einzelhandelskaufmann aus Kassel ist eine solche Verhaltensweise nicht wesensfremd. Schon einmal wurde er verurteilt, weil er aus dem Auto heraus eine Frau angesprochen, sie nach dem Weg gefragt hatte und dabei mit offener Hose die Hände nicht stillhalten konnte.

 
Jetzt also in der öffentlichen Sauna. Die Kristallsauna, berichtet die betroffene Zeugin, sei besonders hell, habe Licht und Fenster. Sie wird von Frauen gern besucht. Auch sie und ihre Freundin kommen wöchentlich. Der Angeklagte habe breitbeinig ganz unten gesessen, die Hände im Schoß. Detailliert muss der Richter nun ergründen, was diese Hände taten. Alle vier Frauen jedenfalls verließen schließlich die Sauna, meldeten den Vorfall einem Bademeister. Nur zwei der Frauen konnten als Zeuginnen ermittelt werden. Eine ist im Urlaub, die andere sagt als Zeugin aus.

 
Deren Schilderung reicht für eine Verurteilung. Vorher aber versuchen Angeklagter und Verteidiger, die Sache medizinisch zu erklären. Der 44-Jährige habe damals an Unterleibsschmerzen gelitten, die tief ausstrahlten. Er will mit den Händen auf die Leisten gedrückt haben, um den Schmerz zu lindern. Atteste verschiedener Ärzte sollen beweisen, dass er schon vorher in Behandlung war. Daraus geht aber auch hervor, dass kein Arzt eine Diagnose hatte stellen können. „Und wenn Sie Schmerzen hatten: Warum haben Sie sich nicht ins Saunatuch gehüllt und sind rausgegangen?“, fragt die Staatsanwältin. Keine Antwort.

 
Von der Zeugin will der Richter noch wissen, ob es Blickkontakt mit dem Angeklagten gegeben habe. „Nicht in die Augen, darum ging es ihm nicht“, lautet die Antwort. Der Mann habe von einer Frau zur anderen gestarrt. Es komme ja vor, sagt die 41-Jährige erfahren, dass „Männer mal zuppeln, das machen die häufiger“, aber hier sei einer anhaltend mit beiden Händen am Werk gewesen.

 
Der Familienvater wird zu 60 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt. Der Zeugin sei Glauben zu schenken. Da, wo der Angeklagte sich angefasst habe, habe es ihn ausweislich der ärztlichen Atteste vorher nie weh getan. Und außerdem: „Wenn das keinen sexuellen Hintergrund gehabt hätte, hätten Sie rausgehen können.“