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Göttingen „Katastrophale“ Freibadsaison mit leeren Becken
Die Region Göttingen „Katastrophale“ Freibadsaison mit leeren Becken
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18:33 10.08.2011
Von Ulrich Schubert
Kaum Gäste: Svenja und Anna-Lena (v.l.) genießen die freien Becken und Türme in Weende.
Kaum Gäste: Svenja und Anna-Lena (v.l.) genießen die freien Becken und Türme in Weende. Quelle: CH
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Göttingen

Für den regenreichen und wechselhaften Juli weisen ihre Statistiken teilweise nur ein Drittel der üblichen Besucherzahlen aus. Seit Saisonbeginn im Mai – mit gerade zwei guten Startwochen – haben sie gerade halb so viele Badegäste gezählt, wie zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren.

„Was für Zahlen?“, kontert Alexander Hirt auf die Frage nach einer Zwischenbilanz in den Göttinger Freibädern. Bis zum vergangenen Wochenende „haben wir das schlechteste Ergebnis seit 1971“, legt der Prokurist der Sport und Freizeit GmbH (GöSF) nach: 64 828 Gäste im Brauweg-Bad, 27 354 in Grone und 25 655 in Weende. Das sind zusammen 117 837 – der Schnitt in den vergangenen fünf Jahren liegt laut Hirt zwischen 220 000 und 250 000 Besuchern.

Ähnlich sieht es im Ratsburgbad in Reyershausen aus. Abgesehen von einem schlechten Badesommer im Jahr 2007 zählte die Anlage der Gemeinde Bovenden jährlich mindestens 30 000 Besucher, oft auch mehr. Bis Ende Juli dieses Jahres waren es gerade 15 017, bedauert Joachim Lies aus der Gemeindeverwaltung. Die Stadt Hardegsen hatte auf eine neue Solaranlage für ihr Freibad unterhalb der Burg gehofft. Sie sorge auch tatsächlich immer für 26 bis 21 Grad warmes Badewasser, sagt Lutz Kiefer vom Fachbereich Finanzen. Das alleine aber reiche Badegästen nicht aus – die Sonne fehle. Folge: ein Einbruch beim Kartenverkauf und „die schlechteste Saison seit 2007. Konkret: 118 verkaufte Zehnerkarten seit Saisonstart – im Vorjahr waren es 266; 2281 Einzelkarten für Kinder – 2010 waren es mit 4711 mehr als doppelt so viele; und nur 730 erwachsene Kartenkäufer gegenüber 2241 im vergangenen Jahr. Kiefer rechnet damit, dass das Bad 9000 Euro weniger einnehmen wird als im Vorjahr (21 000 statt 30 320 Euro).

Schließen würde Hann. Münden sein Hochbad „natürlich trotzdem nicht“, versichert Georg Lies von den Versorgungsbetrieben. Freibäder seien immer ein Zuschussgeschäft. Trotzdem bewertet er diese Saison als „katastrophal, richtig schlimm, ein enormer Einbruch“. Im Juli 2008 und 2009 seien etwa 22 000 Badegäste gekommen, im vergangenen Jahr sogar 30 000 – in diesem Juli aber nur 10 000. Selbst wenn es zwischendurch mal ein paar Sonnenstunden gebe, blieben die Gäste aus. Spontan gingen nur wenige schwimmen. „Diese Saison habe ich abgehakt“, resigniert auch Detlef Haberland, Chef im Rosdorfer Freibad. Seine Zwischenbilanz: 35 000 statt 50 000 bis 55 000 Besucher bisher. Auch wenn es noch ein paar schöne Wochen geben sollte, reiße es das nicht mehr raus – schon gar nicht nach den Sommerferien.

Im Dransfelder Freibad bringen auch die Dauergäste vom benachbarten Campingplatz keine besseren Zahlen. „Die Tagesbesucher fehlen“, klagt Karin Uckermann von der Samtgemeindeverwaltung. Folge: Seit Saisonbeginn bis Ende Juli kamen 26 700 Badegäste, im Vorjahr waren es 48 500. Und die Wetterprognosen stellen keine Besserung in Aussicht. In Duderstadt als auch in Seeburg wird nach diesem katastrophalen Sommer schon erwogen, die stets bis in den September hinein dauernde Saison vorzeitig zu beenden.