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Göttingen „Kein Interesse an konfessioneller Monokultur“
Die Region Göttingen „Kein Interesse an konfessioneller Monokultur“
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20:31 12.03.2012
Von Ulrich Schubert
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Göttingen

Um dieses Ziel schnell zu erreichen, soll die Realschule vorerst in den jeweils neuen fünften Klassen „ausschließlich“ katholische Kinder aufnehmen. Das sieht  eine Vorlage der Göttinger Verwaltung vor, die der Rat der Stadt am Freitag absegnen soll. Das Dekanat der Katholiken in Göttingen protestiert vehement gegen diese Vorgabe: Mit Blick auf die Ökumene wäre das „fatal“, sagt Helmut Hanisch, Assistent des Dechanten: „Wir haben kein Interesse an einer konfessionellen Monokultur. Auch in einer Schulgemeinschaft ist ein Miteinander verschiedener Religionen wichtig.“

Eine Vereinbarung (Konkordat) zwischen Land und Kirche erlaubt grundsätzlich einen Anteil von bis zu 30 Prozent nicht katholischer Kinder und Jugendlicher an den Schulen unter kirchlicher Trägerschaft. Seit 2006 hatte das Bistum für die Boni II als Ausnahme eine Quote von 50:50 beantragt – zunächst, um den Wegfall der Orientierungsstufe zu kompensieren, dann als Reaktion auf neue Gesamtschulen im Kreis Göttingen.

Jetzt will die Kirche die Sondergenehmigung bis 2017 verlängern lassen. Zugleich will sie schrittweise die Ursprungsquote erreichen, indem sie in den jeweils fünften Klassen den Anteil nicht katholischer Schüler verringert. Kinder anderer oder ohne Konfession in den oberen Klassen können bleiben. Als Träger öffentlicher Schulen muss die Stadt zustimmen. Sie drängt aber nach Rücksprache mit der Landesschulbehörde zu einem schnelleren Weg: Bis die 70:30-Quote für die ganze Schule erreicht ist, soll die Boni II zunächst nur katholische Schüler aufnehmen. Dabei ist rechtlich umstritten, ob sich das Ende einer Ausnahmegenehmigung auf die gesamte Schule oder nur auf neue Klassen bezieht. Der Schulausschuss des Rates hat das Thema vor diesem Hintergrund vertagt.

Der Rat tagt zu dem Thema am Freitag, 16. März, ab 14 Uhr im Neuen Rathaus.