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Göttingen Auszeichnung für Vereinsvorsitzende Wetzel-Willert
Die Region Göttingen Auszeichnung für Vereinsvorsitzende Wetzel-Willert
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17:00 06.12.2019
Gisela Pauline Wetzel-Willert Quelle: Peter Krüger-Lenz
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Göttingen

Sie sei gerade auf dem Weg nach Italien gewesen, mit der Familie in den Urlaub wollte sie fahren. Auf der Raststätte in Baden-Baden habe dann ihr Handy geklingelt, sagt die zarte Frau mit dem großen Durchsetzungsvermögen. Die Geschäftsführerin des Vereins sei am Telefon gewesen. Die habe vorher nur einmal angerufen, erinnert sie sich, „wegen einer Katastrophe“. Diesmal allerdings war die Nachricht erfreulich. Sie bekomme das Bundesverdienstkreuz verliehen, teilte ihr die Kollegin mit. „Jetzt mache ich aber erst mal Urlaub“, habe sie geantwortet – und in den entspannten freien Tagen nicht mehr daran gedacht. „Ich hatte es wirklich vergessen“, sagt Wellert-Witzel.

Absetzen gegen den Ehemann

1999 hatte sie sich beim Kinder- und Jugendtelefon als Beraterin beworben, 2000 startete dann die notwendige Ausbildung. Sie habe sich gegen ihren Ehemann absetzen wollen, sagt Wetzel-Willert, der hatte sich gerade emeritiert lassen. Geld hatte die Einrichtung damals kaum, schnell arbeitete sie im Vorstand der Einrichtung mit. „Ich wusste, wie man den Leuten das Geld aus der Tasche zieht“, sagt sie und lacht. Tatsächlich sei es ihr gelungen, Spenden für die Arbeit aufzutreiben.

Heute bekommt das Kinder- und Jugendtelefon 45000 Euro im Jahr. Die Stadt Göttingen zahlt die Miete für die Büroräume in zentraler Lage und stellt eine Supervisorin.

Zeit auf Mauritius

Gerade aus dem Urlaub zurück, mit der Tochter verbrachte sie Zeit auf Mauritius, kommt sie zum Gesprächstermin in den Räumen des Vereins, der das Kinder- und Jugendtelefon trägt. Vom Balkon aus blicken die Mitglieder auf eine Innenstadtkirche, wenn sie zusammenkommen. „Das Verdienstkreuz ist nicht allein mein Verdienst“, sagt die quirlige 68-Jährige.

Lehrerinnen im Ruhestand seien Teil des Teams, sagt Wetzel-Willert, „die sind viel kompetenter als ich“. Künftig würde die Vorsitzende nach den 19 Jahren Mitarbeit gerne kürzertreten, aber „das soll mein Verein bleiben“.

Mehr als 6500 Gespräche im Jahr 2018

In ihre Amtszeit fallen Projekt wie „Pausentaste“, bei dem Kinder beraten werden, die ihre Eltern pflegen – im Verborgenen. Auch eine Beratung per E-Mail zählt zu dem umfangreichen Angebot. Das Kinder- und Jugendtelefon ist nach wie vor stark gefragt. Mehr als 6500 Gespräche hätten die Berater im Jahr 2018 geführt, berichtet die gelernte OP-Schwester. Hier habe vor allem auch das Projekt zugelegt, bei dem immer sonnabends Jugendliche beraten. Gerne hätten sie auch ein Elterntelefon angeboten, ein Projekt, das bislang scheiterte.

Aber wer berät, muss auch ausgebildet werden – und das kostet Geld. 80 Stunden werden Aspiranten geschult, zehn Stunden hospitieren sie. Vier zweistündige Schichten übernehmen sie anschließend, „ein Jahr müssen sie dann bleiben“, sagt Wetzel-Willert. 1000 Euro kostet die Ausbildung, Geld, das dem Verein immer wieder fehlt. Er finanziert sich im Wesentlichen durch Spenden.

Hilfe von Göttinger Tageblatt und Blick

Wie viel Zeit Wetzel-Willert investiert, kann sie nicht sagen. „Es beschäftigt mich immer.“ Das Kinder- und Jugendtelefon sieht sie als „große Errungenschaft, und es muss erhalten bleiben“. Viel geholfen hätten in den vergangenen Jahren Berichte im Göttinger Tageblatt und im Blick.

Neben ihrem Vorsitz im Verein Kinder- und Jugendtelefon bekleidet Wetzel-Willert weitere Ämter. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der „Nummer gegen Kummer“, dem Dachverband aller Kinder- und Jugendtelefone. Ein Kuratorenamt bekleidet sie in der Stiftung Kinder-, Jugend- und Elterntelefone, in der entscheiden wird, wer Fördergeld bekommt. Und: Mitglied im Verein Apex Kultur ist sie obendrein.

Alter Bekannter

Wer Wetzel-Willert für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hat, blieb übrigens lange im Dunkeln. Dann erst habe sich herausgestellt, dass es ein alter Bekannter war, der sich ebenfalls ehrenamtlich engagiert, sagt Wetzel-Willert.

Nummer gegen Kummer

Das Kinder- und Jugendtelefon ist täglich außer sonntags von 14 bis 20 Uhr erreichbar. Speziell ausgebildete Berater kümmern sich um die Belange der Kinder und Jugendlichen, die sich telefonisch mit ihren Sorgen und Nöten an die Einrichtung wenden. Besonder ist das Angebot, das Jugendliche ihre Altersgenossen sonnabends zwischen 14 und 20 Uhr beraten. Sie können sich unter Telefon 116111 oder 08001110333 anrufen. Auch Eltern können ein Beratungsangebot nutzen. Unter der Telefonnummer 0800/1110550 wird ihnen montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr, dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr geholfen. Kinder können auch per Mail ihre Anliegen an die Berater senden. Bezahlen muss niemand für die Beratung, und Anonymität sichert die Einrichtung zu. Um das Angebot aufrechterhalten zu können, ist das Kinder- und Jugendtelefon auf Spenden angewiesen. Der Förderverein Kinder- und Jugendtelefon verwaltet das Spendenkonto bei der Sparkasse Göttingen, IBAN: DE07 2605 0001 0001 0818 92, BIC: NOLADE21GOE.

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Von Peter Krüger-Lenz

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