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Göttingen Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Kinos der Region
Die Region Göttingen Diese Filme laufen ab Donnerstag in den Kinos der Region
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14:17 16.01.2019
Neu im Kino: „Der Spitzenkandidat“0 Quelle: epd
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Göttingen

Schlammschlacht in den Medien, Psycho vom Feinsten und Frauenpower im alten England – die Palette der aktuellen Kino-Starts ist breit gestreut. Wir sagen euch, wie gut – oder schlecht – die Filme sind.

Unter Getriebenen

Als die US-Medien zur Schlammschlacht übergingen: Das Politdrama „Der Spitzenkandidat“ 

Jüngeren Zuschauern muss man wohl erst einmal erklären, wie früher die technischen Mittel im Medienbetrieb aussahen. Wenn in diesem Politdrama ein Fotograf minutenlang in einem fensterlosen Raum verschwindet, dann ist das eine Dunkelkammer, in der er in einem komplizierten chemischen Prozess ein Filmnegativ entwickelt. Wenn ein Journalist gespannt vor einem ratternden Monstrum verharrt, dann ist das ein Telefaxgerät, das hoffentlich gleich brandneue Nachrichten ausspuckt. Und wenn Heerscharen von Technikern zwischen Kabelsträngen aufgeregt herumwuseln und riesige Satellitenschüsseln in die Senkrechte wuchten, dann bereiten sie eine TV-Liveübertragung vor.

Der Trailer zum Film

In diesem grauen Medienmittelalter – wir schreiben das Jahr 1987 – sind noch wundersamere Dinge zu bestaunen: Ein aussichtsreicher Kandidat für die US-Präsidentschaft beharrt darauf, dass sein Privatleben niemanden etwas angeht und er sich in seinen Auftritten keineswegs zum Affen fürs Wahlvolk machen werde (kurz darauf tritt er allerdings bei einem hinterwäldlerischen Axtwurf-Wettbewerb an). Der Mann will über Arbeitsplätze reden, über Bildungschancen und über den Abbau von Nuklearraketen – aber keinesfalls über die blonde junge Frau, die mit ihm die Nacht in seinem Wohnhaus verbrachte, als seine Familie gerade anderenorts weilte.

„Beschatten Sie mich“

Reporter vom „Miami Herald“ hatten ihn dabei beobachtet und die Geschichte allen Bedenken in der eigenen Redaktion zum Trotz veröffentlicht. Denn „Der Spitzenkandidat“, wie Jason Reitmans Film heißt, hatte kurz zuvor einen Kollegen von der „Washington Post“ geradezu herausgefordert: „Beschatten Sie mich. Sie werden sich langweilen“, hatte er gestichelt.

Hugh Jackman Quelle: Sony Pictures Germany

 

Das tat der „Miami Herald“ und langweilte sich überhaupt nicht. Der so leichtfertig herausposaunte Satz bedeutete 1987 den Anfang vom Ende der Kampagne des so hoffnungsvoll gestarteten demokratischen US-Senators Gary Hart. Viele hatten in ihm einen neuen John F. Kennedy, jedenfalls aber den Vertreter eines fortschrittlichen Amerikas gesehen, der seinen Konkurrenten George H. W. Bush in die Schranken verwiesen hätte. Dann stolperte Hart über die Affäre mit dem Model Donna Rice.

Wenn Regisseur Reitman („Juno“, „Up in the Air“, „Tully“) recht hat, dann war dies der Moment, in dem der Boulevardklatsch den Politjournalismus endgültig verdrängte: Noch beim Watergate-Skandal hatten die Reporter unnachgiebig kriminelle Machenschaften im Zentrum der Macht recherchiert, nun stiegen sie einem Politiker nach. Nicht mehr die damals gerade akute Iran-Contra-Affäre beherrschte die Schlagzeilen, sondern das Techtelmechtel des Kandidaten Hart.

Hugh Jackman verkörpert Politiker mit viel Charisma

Ob es wirklich so simpel war und der arme Gary Hart zum ersten Opfer einer neuen Zeit wurde? Spielte der persönliche Auftritt nicht beispielsweise schon beim Fernsehduell zwischen Richard Nixon und John F. Kennedy eine wichtige Rolle? Reitman sieht die Zäsur im Umgang mit Hart – und diese Perspektive zu akzeptieren fällt dann doch leicht, weil der sympathische Australier Hugh Jackman den Kandidaten Hart als idealistischen Politiker mit viel Charisma verkörpert.

Kompromisslos schlägt sich der Regisseur auf Harts Seite: Dessen Ausschweifungen werden auf der Leinwand komplett ausgespart. Als weitere sexuelle Affären aus Harts Vergangenheit ans Licht kommen, zeigt sich der Politiker am Boden zerstört – aber weigert sich beharrlich, seine Lügen mit seiner Eignung als US-Präsident in Verbindung zu bringen.

. Quelle: Sony Pictures

 

Seine Ehefrau Lee (Vera Farmiga) hält trotz ihrer seelischen Verletzungen mindestens so sehr zu ihm, wie elf Jahre später Hillary Clinton zu ihrem Bill halten wird, als der sich mit einer Sekretärin namens Monica Lewinsky einlässt. Nur zaghaft wird – quasi im Vorausblick auf die #MeToo-Debatte und eher pflichtschuldig – angedeutet, dass hier ein Politiker seine Machtposition gegenüber Frauen schamlos ausgenutzt haben könnte. Wollte Donna Rice nicht ursprünglich einen Job im demokratischen Wahlkampfteam?

Krumme Touren

Hart scheiterte an den hohen moralischen Ansprüchen, die er für sich öffentlich in Anspruch genommen hatte. Sein Fall löste umso mehr Schadenfreude aus, als herauskam, dass er seine Affäre mit Rice auf einem Boot begonnen hatte, das ausgerechnet den Namen „Monkey Business“ trug. Und das heißt so viel wie: Krumme Touren.

Doch trifft der kanadische Regisseur Reitman einen anderen Punkt in seinem trotz mancher Einwände sehenswerten Film: Er beharrt darauf, dass Politiker auch nur Menschen sind. Als die Medienmeute zur Hatz auf Hart bläst, hat dieser keine Chance mehr – auch wenn der ein oder andere Chefredakteur sehr genau weiß, dass er unterschiedliche Messlatten anlegt.

Was entscheidender ist: Die Jäger sind Gejagte. Lieber bedienen sie niedere (Leser-)Instinkte, als dass ihnen andere zuvorkommen. Ob sie eine Rufmordkampagne vorantreiben oder nicht: Sie jagen den Nagel immer tiefer ins Fleisch.

Brutaler Umgang

Am Ende gab Hart auf, um seine Familie zu schützen, wie es ja immer so schön heißt. Aber seinem Publikum hatte er in einer letzten Rede noch etwas mitzuteilen: Der brutale Umgang mit Politikern werde dazu führen, dass die Besten künftig nicht mehr für führende Ämter zur Verfügung stünden. Amerika bekomme die Führer, die es verdiene. Könnte sein, dass er damit recht gehabt hat.  

„Der Spitzenkandidat“, Regie: Jason Reitman, mit Hugh Jackman, Vera Farmiga, 113 Minuten, FSK 0; im Cinemaxx Göttingen

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"Glass§“: Samuel L. Jackson, James McAvoy and Bruce Willis. Quelle: Universal Pictures

Die fantastischen Drei

M. Night Shyamalan bringt in „Glass“ die Helden seiner Filme „Unbreakable“ und „Split“ zusammen.

Er ist der Experte für das Übernatürliche. Je rätselhafter eine Geschichte anmutet, umso besser. Nach dieser Maxime konzipiert der 1970 geborene Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan seit seinem Blockbuster „The Sixth Sense“ (1999) jeden neuen Film.

In Shyamalans neuem, wiederum hochkarätig besetzten Psycho-Thriller „Glass“ gibt es gleich mehrere Wiedersehen mit alten Bekannten. Da ist zunächst der „unverletzliche“ David Dunn, gespielt von Bruce Willis, und sein Gegenpart, der dämonisch-geniale, hochfragile Glasknochenmann Elijah Price (Samuel L. Jackson) – die beiden Protagonisten aus Shyamalans Zugunglück-Drama „Unbreakable“ (2000).

Der Trailer zu Glass

Dazu kommt dann noch der Psychopath Kevin Wendell Crumb (James McAvoy), der bereits in Shyamalans vorigem Film „Split“ (2016) für Angst und Schrecken gesorgt hat. Kevin leidet an einer multiplen Persönlichkeitsstörung, verwandelt sich blitzschnell in eine andere Person, und eine davon ist das „Biest“. Dann wird es ungemütlich.

Zu Beginn des neuen Thrillers „Glass“ hat Kevin wiederum mehrere Mädchen gefangen genommen. Aber der wortkarge, sichtlich gealterte Security-Mann David Dunn ist dem Wahnsinnigen bereits auf der Spur. Als er die Mädchen aus einem verlassenen Fabrikgebäude befreit, wird er zusammen mit Kevin von der Polizei in eine psychiatrische Klinik gebracht. Dort wartet schon der hochintelligente Elijah Price auf die beiden. Die dubiose Psychotherapeutin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) möchte ihre Patienten davon überzeugen, dass sie sich ihre Kräfte nur einbilden. Fatal.

Sarah Paulson und Samuel L. Jacks. Quelle: Universal Pictures

 

In schier endlosen Wortduellen versucht die Ärztin, die verwundete Psyche der drei Männer zu erkunden. Bruce Willis gibt dabei den großen Schweiger, der sich gern die Kapuze ins ergraute Gesicht zieht. Dabei wäre der alternde David Dunn, der seine Frau verloren hat und einen fast erwachsenen Sohn hat, eine hochinteressante Figur. Extrem extrovertiert agiert dagegen James McAvoy als multipler Kevin, der bei sich nicht allein zu Haus ist. Irres Grinsen, leuchtender Röntgenblick, dann schwellen die Adern, und das „Biest“ macht Party.

Wirklich überzeugend wirkt dieses Konzept nicht: Mit drei schillernden Protagonisten verpasst der Film die Chance, profunde Charakterstudien aus dem Grenzbereich zwischen Genie und Wahnsinn zu entwerfen. Auch die leisen Töne kommen viel zu kurz. Es wird immer zu dick aufgetragen.

Da kann dann ein grandioser Darsteller wie Samuel L. Jackson auch nicht viel ausrichten. Er sitzt fast die ganze Zeit bewegungslos im Rollstuhl, manchmal zuckt ein Augenlid. Welches Trauma er in seinem Inneren vergraben hat, können wir nur ahnen. Schade, dass diese drei großartigen Akteure im Korsett eines reißbrettartigen Regiekonzepts kaum eine Chance zur Entfaltung bekommen.

„Glass“, Regie: M. Night Shyamalan, mit Bruce Willis, James McAvoy, 129 Minuten, FSK 16; Cinemaxx in Göttingen, Kinowelt Herzberg, Mivietown Eichsfeld (Duderstadt)

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Saoirse Ronan als Mary Stuart –Königin von Schottland. Quelle: dpa

Was die Macht mit ihnen macht

Gelungenes feministisches Update: Der HistorienfilmMaria Stuart

Der Trailer zu „Maria Stuart

Dass neben Elisabeth I. im 16. Jahrhundert mit Maria Stuart gleich noch eine zweite Frau ihren Anspruch auf den englischen Thron anmeldete, ist ein Faszinosum, das in Literatur und Film gründlich ausgelotet wurde. Nun wagt sich Josie Rourke an eine Neubewertung. In ihrem Kinodebüt „Maria Stuart“ sind die beiden zwei Frauen, die ihre Machtpositionen in einer männerdominierten Umgebung verteidigen müssen. Den Konflikt mit ihrer wenig älteren Cousine Elisabeth (Margot Robbie) versucht Maria Stuart (Saoirse Ronan) zunächst auf diplomatische Weise zu lösen. Doch die Frauen sind von Einflüsterern umgeben, die sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren versuchen.

Margot Robbie (M) als Queen Elizabeth I. Quelle: dpa

Das Drehbuch stammt von „House of Cards“-Schöpfer Beau Willimon, und das zerstörerische Machtgerangel am Hof steht Francis Underwoods Intrigen im Weißen Haus in nichts nach. An manchen Stellen kommt der moderne Blick des 21. Jahrhunderts mit seinen Gender-Debatten etwas gewollt daher. Insgesamt aber liefert „Maria Stuart“ ein feministisches Update des Stoffs. Am Ende stellt Elisabeth I. ernüchtert fest: „Ich bin jetzt mehr Mann als Frau – das hat der Thron aus mir gemacht.“

Maria Stuart“, Regie: Josie Rourke, mit Saoirse Ronan, Margot Robbie, 125 Minuten, FSK 12; Cinemaxx Göttingen

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Zain Alrafeea als Zain in dem Film "Capernaum – Stadt der Hoffnung" Quelle: epd

Weitere neue Filme überregional

„Capernaum – Stadt der Hoffnung“

Ungeheuerlich, was der Zwölfjährige vor Gericht sagt. Er klagt seine Eltern an, ihn auf diese unbarmherzige Welt gebracht zu haben. Ein Leben ohne Zukunft warte auf ihn im Libanon. Die Eltern, sagt Zain (Zain al-Raffeea), hätten ihn und seine Geschwister ihrer Kindheit beraubt. Diese Eltern sind nicht böse, aber sie vegetieren am Rand der Gesellschaft. Andere gehen in die Schule, Zain muss arbeiten. Er dealt, scheut auch vor Gewalttaten nicht zurück, und nun brummt er wegen eines Messerangriffs seine Strafe ab.

Der Trailer zum Film

Die Libanesin Nadine Labaki suhlt sich nicht in Mitleid. In langen Rückblenden schildert sie zwischen dokumentarischer Anmutung und Fabel den harten Kampf ums Überleben. Die herzzerreißende Authentizität speist sich nicht nur aus dem Dreh an Originalschauplätzen: Die Laiendarsteller haben Menschenhandel, Rassismus und Abschiebung aus eigener Erfahrung kennengelernt. Beeindruckend, was Labaki aus den Kinderdarstellern holt, vor allem aus der Hauptfigur. köh

„Capernaum – Stadt der Hoffnung“, Regie Nadine Labaki, mit Zain al-Rafeea, 123 Minuten, FSK 12

 

„Raus“: Revoluzzer im Wald

Tue Gutes, und dir wird Gutes widerfahren? „Alles Schwachsinn. Unsere Welt ist am Arsch, weil die Falschen am Drücker sind.“ So sieht Glocke (Matti Schmidt-Schaller) die Dinge. Er schließt sich Jugendlichen an, die dem Ruf eines gewissen Friedrich folgen, der die Rückbesinnung auf die Natur als „Weg“ propagiert. In seinem Spielfilmdebüt „Raus“ bringt Philipp Hirsch deren Lebensgefühl ganz gut rüber. Arg abrupt verfällt die Gruppe dann aber in ein archaisches Verhalten, das an William Goldings „Herr der Fliegen“ erinnert. Die Sympathie für das Quintett will nicht zurückkehren. bra

„Raus“, Regie: Philipp Hirsch, mit Matti Schmidt-Schaller, Milena Tscharntke, 101 Minuten, FSK 12

Der Trailer zum Film „Raus“

 

Von Ulrich Schubert

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