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Göttingen Klima- und Umweltschutz mal praktisch, mal theoretisch
Die Region Göttingen Klima- und Umweltschutz mal praktisch, mal theoretisch
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00:21 02.07.2019
Kosmetik selbstgemacht: Yvonne Adam probiert es beim Aktionstag unter dem Motto „Raus aus der Wegwerfgesellschaft“ aus. Quelle: Brakemeier
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Göttingen

Klima- und Umweltschutz – mal praktisch, mal theoretisch. Am Sonnabend gab es für Klimaschützer und Interessierte – egal ob seit Jahren in Initiativen engagiert oder Neulinge im Thema – zwei Veranstaltung in der Göttinger Innenstadt rund die Themen Klimaschutz und Müllvermeidung.

So hatte die die Energieagentur Region Göttingen gemeinsam mit der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) Göttingen und zahlreichen Initiativen, Verbänden und Einzelhändlern einen Aktionstag unter dem Motto „Raus aus der Wegwerfgesellschaft“ veranstaltet.

„Raus aus der Wegwerfgesellschaft“: Der Aktionstag bietet Zeit für Gespräche. Quelle: Brakemeier

Dass es nicht immer teure, in Plastik verpackte Hygieneartikel und mit Chemikalien vollgepumpte Haushaltsreiniger sein müssen, gab es etwa am Stand von Denise Gunkelmann zu sehen. Die Geschäftsführerin des WunderbarUnverpackt-Ladens in Göttingen zeigte etwa wie sich leicht Peelings, Zahncreme und Scheuerpulver leicht selbst zuhause herstellen lassen. Meist seien die Rezepte ganz einfach, erläuterte Gunkelmann. Viele der Zutaten seien in den meisten Haushalten ohnehin vorhanden oder ließen sich leicht besorgen.

Yvonne Adam war darauf neugierig geworden. Sie versuchte sich am Anrühren eines Peelings. Das besteht aus Kokosöl, Salz unterschiedlicher Körnung und Natron. Hinzukommen ätherische Öle, nach Wunsch getrocknete Kräuter. „Ich bin auf der Ideensuche, wie sich im Alltag Müllvermeiden lässt“, sagte Adam.

Schallplatten zu Obstschalen: Christopher Koch und Cora-Marlen Jeß zeigen wie es geht. Quelle: Brakemeier

Wie sich alte Dinge sinnvoll weiterverwenden lassen, zeigte die Initiative „Cradle to Cradle“. Aus ausrangierten Vinyl-Schallplatten lassen sich etwa mithilfe einer Heißluftpistole dekorative Schalen herstellen, wie Cora-Marlen Jeß und Christopher Koch zeigten. Eine weitere Cradle-to-cradle-Idee: Bienenwachstücher. Aus alten Baumwolltüchern, Bienenwachs und Pflanzenöl entstehen mit Backpapier und Bügeleisen wasserabweisende Tücher, die geeignet sind Frischhalte- oder Alufolie zu ersetzen. Marlies Merker hat das überzeugt.

Grete Morisse von Zero Waste im Gespräch mit Marlies Merker. Quelle: Brakemeier

Der erste Schritt, um Müll zu vermeiden, brauche Mut, sagte Grete Morisse von der Gruppe „Zero Waste Göttingen. So koste es zunächst Überwindung, etwa beim Bäcker auf die Papiertüte zu verzichten und stattdessen der Verkäuferin den mitgebrachten Stoffbeutel zu geben oder an der Käsetheke die eigene Frischebox zu reichen.

Tabea Nailk näht (links), Sonja Schulz (rechts) erklärt. Quelle: Brakemeier

Am Stand von Sonja Schultz, die den Stoffladen „Maßliebchen“ betreibt, versuchte sich Tabea Nalik erstmals an der Nähmaschine. Aus Stoffresten nähte sie eine Stoffbinde zusammen. Vieles für den täglichen Hygienebedarf lasse sich leicht selbstnähen, sagte Schultz. Angefangen beim Taschentuch über Slipeinlagen und Wattepads bis hin zum Seifenbeutel. „Und es macht sogar Spaß“, sagte Schultz.

Es war der erste Aktionstag, den die Energieagentur in dieser Form organisiert hat. Es gehe darum, erläuterte Organisator Benjamin Dörr, Bewusstsein zu schaffen, wie sich Plastikmüll vermeiden lässt und welche Wege es gibt, Dinge wiederzuverwenden, aufzuwerten und umzufunktionieren. Mit der Resonanz war Dörr schon gegen Mittag zufrieden. Viele Interessierte hätten den Weg in den Innenhof von St. Michael gefunden. Zudem gab es Filmvorführungen, Vorträge und eine Info-Ecke zum Thema Umwelt- und Klimaschutz. Die Erlöse des Aktionstages aus Essensverkauf und Tombola sollen nach Angaben von Daniela Ramb von der KHG dem Projekt „Pacific Garbage Screening“ gespendet werden.

Workshop zu Klimaschutz-Tagen Göttingen

Theoretischer ging es beim Workshop zu, den das Klimaschutzmanagement der Stadt Göttingen parallel zum Aktionstag veranstaltete. Im Mittelpunkt sollte stehen, welche Erfolge es in den vergangenen Jahren in Sachen Klimaschutz in Göttingen gab und wo es Schwierigkeiten und Widerstände gab. Gemeinsam diskutierten die rund 50 Teilnehmer auch die zukünftige Entwicklung der gerade zu Ende gegangenen Klimaschutz-Tage Göttingen.

„Raus aus der Ökoblase“: Workshop im Anschluss an die diesjährigen Klimaschutz-Tage. Quelle: Brakemeier

Tenor bei der Manöverkritik zu den Klimaschutztagen war: „Raus aus der Öko-Blase“. Viele der Workshopteilnehmer bemängelten, dass viele Veranstaltungen in der vergangenen Woche nur eine kleine Öffentlichkeit erreicht hat. Künftig müsse, so eine Forderung, deutlicher gemacht werden: „Klimaschutz rocks“. Attraktivere Konzepte müssten her, um die Klimaschutz-Tage für eine größere Zielgruppe ansprechender zu machen. Dazu sei dringen notwendig, jenseits klassischer Öffentlichkeitsarbeit stärker in den sozialen Medien auf die Klimatage aufmerksam zu machen. Zweite zentrale Forderung: Für den Klimaschutz müsse deutlich mehr Geld und Personal zur Verfügung stehen als bisher. In der Verwaltung müsse eine Stelle eingerichtet werden, die Umweltinitiativen bei der Akquise von Fördermitteln unterstützt.

Dinah Epperlein und ihr Team des städtischen Klimaschutzmanagements zogen ein positives Fazit der inzwischen siebten Göttinger Klimaschutz-Tage. So hätten die mehr als 30 Veranstaltungen eine hohe Qualität gehabt. Eine Umfrage unter den Besuchern habe ergeben, dass etwa die Hälfte in diesem Jahr zum ersten Mal zu den Klimaschutz-Tagen gekommen sind. 70 Prozent hätten, so Epperlein, angegeben, etwas Neues gelernt zu haben.

Von Michael Brakemeier

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