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Göttingen Göttinger Kreuzungen kurzzeitig besetzt
Die Region Göttingen Göttinger Kreuzungen kurzzeitig besetzt
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00:27 01.07.2019
Als zweite Kreuzung sperrten die Aktivisten der Bewegung „Extinction Rebellion“ und Mitglieder weiterer Umweltgruppen sowie Sympathisanten kurzzeitig die Kreuzung am Hiroshimaplatz. Quelle: Meinhard
Göttingen

Mit kurzzeitigen Unterbrechungen des Verkehrsflusses an zwei Göttinger Kreuzungen haben Mitglieder der Bewegung „Extinction Rebellion“ am 28. Juni auf die weltweite ökologische Krise aufmerksam machen wollen. Die etwa 60 Teilnehmer positionierten sich zum Klimawandel unter der Überschrift „Aufstehen oder Aussterben“. Mit Flyern und Plakaten ausgerüstet, blieben sie auf den Kreuzungen stehen und zwangen die Kraftfahrer zu einer Pause. Die Reaktionen der Fahrer fielen unterschiedlich aus.

Die Brisanz der Situation

„Wir stehen als Menschheit vor einer Klimakatastrophe und befinden uns schon jetzt im sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte“. Mit solchen drastischen Worten bezieht Julia Dietrich von der Göttinger „Extinction Rebellion“-Gruppe Stellung. Die Brisanz der Situation werde von vielen Menschen nicht wahrgenommen, stattdessen werde dem „normalen Alltagstrott“ nachgegangen. „Den wollen wir bewusst unterbrechen, wir wollen unsere Mitmenschen wachrütteln“, betont Dietrich.

„Wir bleiben freundlich“

Die Aktion beginnt an der Kreuzung Berliner Straße/Nikolausberger Weg und wird später am Neuen Rathaus fortgesetzt. Am Anfang steht die Einweisung durch Lukas Schnermann. „Wir bleiben friedlich und freundlich zu allen Menschen,“ sagt er mit dem Hinweis auf die Möglichkeit, dass die Teilnehmer beschimpft und bedroht werden könnten. Ein Liedblatt gibt es für alle, die singen wollten.

Aktivisten stoppen Verkehr auf Göttinger Hauptstraßen.

Die Kreuzung bleibt bis zu acht Minuten gesperrt. Alexandra Köhler, die in einem der Autos sitzt und mit ihrem Sohn zu einem Fest will, zeigt Verständnis. Sogar Zustimmung: „Mein Sohn war ja auch schon bei ’Friday for Future’ dabei. Und gerade heute sind wir tatsächlich mit dem Auto unterwegs, weil wir so viel tragen müssen“, sagt sie. Eine Aktivistin, die die wartenden Fahrer anspricht und um Verständnis wirbt, erlebt ebenso wie ein Vater und dessen zehnjähriger Sohn unterschiedliche Reaktionen. „Einer ist komplett ausgerastet und hat mich beschimpft. Er wolle uns allen ins Genick treten“, verweist die junge Frau auf einen Härtefall. „Es gibt aber auch viele positive Reaktionen“, berichtet sie.

„Wie gestresst wir alle sind“

Null Verständnis zeigt ein Taxifahrer, der einen Teilnehmer – wenn auch leicht - anfährt, um sich so die Durchfahrt zu erzwingen. Ein Cabriofahrer weicht kurzerhand auf den Fußweg aus. Ein Busfahrer verweist genervt auf seine Uhr. „Hier zeigt sich heute auch, wie gestresst wir alle sind“, diagnostiziert Karl-Heinz Krone aus Holzminden das allgemeine Befinden. Die eintreffende Polizei reagiert ruhig. „Uns geht es in erster Linie darum, dass niemanden etwas passiert“, sagt der Einsatzleiter.

„Wir müssen vorankommen“

„Extinction Rebellion“ ist 2018 in Großbritannien entstanden, die Initiative entwickelte sich zu einer internationalen Bewegung. Sie ruft zur gewaltfreien Rebellion auf, um wirksame Maßnahmen gegen den Ausstoß von Treibhausgasen durchzusetzen. Die Regierungen weltweit hätten diesbezüglich versagt, lautet die Kritik. Auch in Deutschland seien jüngst viele Ortsgruppen entstanden, sagt Schnermann. Große Aktionen seien demnächst in Köln und Berlin geplant. „Wir müssen schneller vorankommen“, sagt Mischa Bareuther, befragt nach dem Grund seines Mitwirkens bei „Extinction Rebellion“.

Drei Hauptforderungen

Die drei Kernforderungen von Extinction Rebellion lauten:

– Die Regierung muss die volle Wahrheit über die ökologische Krise offenlegen und mit den Medien die absolute Dringlichkeit des Wandels an die gesamte Bevölkerung kommunizieren.

– Die Regierung muss die notwendigen Maßnahmen verbindlich ergreifen, um die Netto-Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2025 auf null zu reduzieren und das allgemeine Niveau des Ressourcenverbrauchs zu senken.

– Eine Bürgerversammlung wird einberufen, um diese Maßnahmen zu begleiten und zu gewährleisten, dass der Wandel gerecht und demokratisch abläuft.

Von Ulrich Meinhard

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