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Göttingen Klimaschutz-Diskussion in Göttingen: Wenn Politiker auf Fridays for Future treffen
Die Region Göttingen Klimaschutz-Diskussion in Göttingen: Wenn Politiker auf Fridays for Future treffen
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11:19 22.08.2019
Friday for Future meets Politics: Auf großes Interesse ist eine Klimaschutz-Diskussion in der alten Mensa gestoßen. Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen

Das Thema Klimaschutz bewegt immer mehr Menschen. Das wurde auch am Andrang deutlich, der bei einer Podiumsdiskussion mit Politikern und Vertretern der Fridays-for-Future-Ortsgruppe am Mittwoch in der alten Mensa herrschte. Teilnehmer waren die Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU), Thomas Oppermann (SPD), Jürgen Trittin (Grüne) und Konstantin Kuhle (FDP) sowie Dr. Alok Daniel Weßel (Scientists for Future), die Zwölftklässlerin Ylva Mahnhardt und Soziologiestudent Hannes Eggers. Die Moderatoren Doreen Fragel (Energieagentur Region Göttingen) und Dr. Gisbert Heß (Geisteswissenschaftliches Schülerlabor YLab) griffen auch Publikumsfragen auf.

Grundsatzfragen und Stellschrauben

Gleich eingangs der zweistündigen Diskussionsrunde stellte Eggers die Systemfrage, ob Klimaschutz mit dem grenzenlosen Wirtschaftswachstum im Kapitalismus vereinbar sei, kurz vor Ende rechnete Mahnhardt mit der Ignoranz der Politik ab und forderte eine Senkung des Wahlalters. „Wir haben euch nicht gewählt, ihr repräsentiert uns nicht“, sagte Mahnhardt: „Wir sind die erste Generation, die unter dem Klimawandel leidet – und die letzte, wenn wir nicht umgehend handeln.“

Bei allem Respekt der Abgeordneten für Fridays for Future blieb das nicht ohne Widerworte. „Verliert nicht den Zugang zur Politik!“ appellierte Kuhle: „Wir nehmen euch ernst, indem wir miteinander diskutieren.“ Oppermann und Trittin begrüßten eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, Güntzler blieb eher skeptisch. Auch bei der Systemfrage: „Wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft.“ Anders als im real existierenden Sozialismus biete die Lösungsansätze beim Klimaschutz. „Die Klimakrise ist untrennbar mit der Industrialisierung verbunden, das ist in allen System passiert“, meinte Trittin. Zurzeit gebe es nur noch zwei Modelle: das privatkapitalisitische und das staatskapitalistische wie in China und Russland.

Streikwoche und Aktionstage geplant

Die Proteste der Fridays-for-Future-Ortsgruppen gehen weiter. Am Freitag, 23. September, sind wieder in knapp zwei Dutzend deutschen Städten, darunter Hann. Münden und Hannover, Schulstreiks und Kundgebungen geplant, in Göttingen am 30. September. Zurzeit steckt die Göttinger Ortsgruppe in Vorbereitungen für eine Streikwoche vom 23. bis 27. September. Ein globaler Streik steht am 20. September an. An diesem Tag geht es auch im Bundestag um die Vorschläge des sogenannten Klimakabinetts. Seit Dezember 2018 gehen in Göttingen zahlreiche Schüler auf die Straße, um für nachhaltigen und effizienten Klimaschutz und einen zügigen Kohleausstieg zu demonstrieren. Dabei haben sie zunehmend Verstärkung von Studenten, Wissenschaftlern, Eltern und weiteren Mitstreitern bekommen. Im März demonstrierten in Göttingen etwa 1000 junge Menschen für den Klimaschutz, im Mai etwa 2500. Auch in der Urlaubszeit in den Sommerferien sind mehrere hundert Jugendliche losgezogen, um gegen den drohenden Klimakollaps zu protestieren und Sofortmaßnahmen zu fordern. ku

„Am Ende kommt es auf die Menschen an“, meinte Oppermann. Trump sei aus dem Pariser Abkommen ausgetreten und agiere nach Gutsherrenart, es gebe aber Gegenbewegungen. China habe immerhin den Klimaschutzvertrag nicht gekündigt. Weßel gab zu bedenken, dass China Photovoltaik-Weltmarktkführer sei: „Deutschland hat die Technologie entwickelt und es verschlafen, sie weiter auszubauen.“ Die Energiewende sei von der Großen Koalition abgewürgt wurden.

Umstrittener Kohle-Kompromiss

Versäumnisse der Vergangenheit nahmen in der Diskussion ebenso breiten Raum ein wie Instrumente zum Gegensteuern, der Kompromiss zum Kohleausstieg, Konsumverhalten, Arbeitsplätze, das Umsteuern von Produktion und die Frage, wie die Energiewende sozialgerecht abgefedert werden könne. „Man muss dem Übel an die Wurzel gehen statt Menschen permanent in Versuchung zu führen und die Verantwortung auf den Bürger abzuwälzen“, meinte Trittin und nannte als Beispiel die Nachfrage schaffende Billigproduktion von Fleisch.

Während Weßel ebenso wie die Fridays-for-Future-Vertreter auf irreparable Schäden durch den zu späten Kohleausstieg bis 2038 hinwiesen, verteidigte Oppermann Kompromisse beim Klimaschutz. Der dürfe nicht soziale Verwerfungen schüren. Der Grundbedarf, den ein Mensch zum Leben braucht, dürfe nicht bepreist werden. „Ein Waldbesitzer kann einfacher CO2 sparen als eine vierköpfige Familie im Landkreis, die aufs Auto angewiesen ist“, merkte Kuhle an, erteilte einer CO2-Bepreisung eine Absage und plädierte stattdessen für den Zertifikathandel. Ein CO2-Preis habe sich bewährt und sei von zentraler Bedeutung, hielt ihm Eggers entgegen. Auch Trittin zieht dem Emissionshandel andere Instrumente vor. Und verweist auf den Verlust von Arbeitsplätzen im Bereich erneuerbarer Energien: „Das Nichtstun der Groko treibt die Menschen zu Recht auf die Straße.“

Von Kuno Mahnkopf

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